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Vergleichstest

Mercedes A 190 gegen Chrysler Neon 2.0

Es gibt keine direkte Modellkonkurrenz, hieß es bei der Erschaffung des Daimler-Chrysler-Konzerns. Ganz so ist es nicht: Der neue Chrysler Neon könnte eine weitaus preisgünstigere Alternative zum Mercedes A 190 darstellen.

02.04.2000

Der gute Stern macht’s möglich. Trotz offensichtlicher Fahrwerksmängel, trotz anfangs spektakulärer Kipper beim sogenannten Elchtest und trotz gesalzener Preise: Die A-Klasse von Mercedes hat sich einen Stammplatz unter den Top 10 der deutschen Zulassungsstatistik gesichert.

Ob sich ein Auto eines weniger renommierten Herstellers so strahlend aus der Asche erhoben hätte, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Auf die US-Modelle im Daimler-Chrysler-Konzern strahlt der Glanz der Marke nur in bescheidenem Maß ab. Wären da nicht die Jeep-Geländewagen und der Minivan Voyager, könnte man Chrysler in Deutschland glatt vergessen.

Der brandneue Neon allerdings bietet keine schlechten Voraussetzungen, um das zu ändern. Dafür sorgt schon eine aggressive Preispolitik. Eine ausgewachsene Limousine mit 133 PS starkem Zweiliter-Motor für 29.950 DM – das sieht aus wie ein Sonderangebot vom Wühltisch.

Vor allem, wenn zum Vergleich die Offerte aus der exklusiven Mercedes-Ecke herangezogen wird. Der A 190, mit 125 PS annähernd so kräftig motorisiert wie der Chrysler, kostet 38.976 DM.

Die Gegenüberstellung der Basispreise enthüllt nur die halbe Wahrheit. Denn der Neon bietet serienmäßig einen beachtlichen Ausstattungsluxus in Form einer Klimaanlage und eines Radios. Mercedes berechnet nach guter alter Tradition alles extra, was das Leben im Auto angenehm macht, zeigt sich aber dafür besonders besorgt um die Sicherheit der Kundschaft.

Seitenairbags und die Fahrwerkselektronik ESP gibt es serienmäßig. Beides kann Chrysler noch nicht einmal auf Wunsch liefern. Und dass ein Mercedes im Crashfall grundsätzlich eine bessere Figur macht als ein Billig-Amerikaner, davon kann man wohl ohne Nachprüfung ausgehen. Auch die bessere Verarbeitungsqualität spricht für den Mercedes, wenngleich gerade der A-Klasse nicht ganz jene augenfällige Hochwertigkeit zu eigen ist, die andere Mercedes-Modelle auszeichnet.

Die Amerikaner bauen Brot-und-Butter-Autos, technisch bieder und gerade so gut, wie man das für nötig hält. Bei der A-Klasse verrät dagegen schon die ungewöhnliche Konzeption der Karosserie ernsthaftes Bemühen um technischen Fortschritt.

Was hat der Kunde davon?

Eine bessere Übersichtlichkeit durch die hohe Sitzposition, einen ungewöhnlich variablen Innenraum – und weniger Mühe beim Einparken. 3,58 Meter Auto sind leichter in einer Parklücke zu verstauen als die stattlichen 4,39 Meter, die Chryslers kleinstes Modell von Stoßfänger zu Stoßfänger misst.

Der Nutzung des umbauten Raums schenken die Amerikaner bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, wie sie Mercedes bei der A-Klasse demonstriert. Aber weil der Chrysler von der Statur her eine ganze Klasse oberhalb des A-Modells rangiert, fällt letztlich doch mehr Platz für die Insassen ab.

Die größere Innenbreite des Neon schafft vorn wie hinten ein spürbar besseres Raumgefühl. Auch die Messwerte beweisen: Ellenbogenfreiheit und der Beinraum vor den Rücksitzen haben im Neon fast Mittelklasse-Format. Die A-Klasse kann nur in Relation zu den äußeren Abmessungen als geräumig gelten.

Der Sitzkomfort fällt in beiden nicht rundum befriedigend aus. Die straff gepolsterten Sessel des Mercedes vermitteln in Kurven zu wenig Seitenführung. Lange Fahrer wünschen sich außerdem einen größeren Verstellbereich des Lenkrads nach oben.

In die Neon-Sitze versinkt man wie in einen Ballen Torfmull, was nur vordergründig bequem erscheint. Auf langen Strecken ist die Unterstützung der Rückenpartie ungenügend.

Die Sitzposition, nur leicht beeinträchtigt durch das etwas aus der Mitte nach links gerückte Lenkrad, wirkt deutlich limousinenhafter als im Mercedes, der auch in dieser Beziehung seine konzeptionelle Verwandtschaft mit Minivans nicht verleugnen kann.

Bei keinem Auto bisher hat die Fahrwerksabstimmung den Mercedes-Entwicklern so viel Kopfzerbrechen bereitet wie bei der A-Klasse. Der Einsatz des Elektronischen Stabilitäts-Programms (ESP) erfolgte der Not gehorchend. Auch eine übertrieben harte Federungsabstimmung erschien angesichts der Sicherheitsmängel zunächst akzeptabel.

Sie wurde im Zuge der Modellpflege wieder geändert. Der aktuelle A 190-Testwagen erwies sich als die am komfortabelsten federnde A-Klasse nach dem Elch-Desaster. Aber das einem Mercedes angemessene Niveau ist immer noch nicht erreicht.

Auf groben Bodenwellen malträtiert der Mercedes seine Insassen weiterhin mit heftigen Vertikalbewegungen. Ohne Einschränkungen zu loben ist lediglich das sehr ruhige Abrollen auf rauen Straßenoberflächen.

Der Chrysler wirkt akustisch weniger gepflegt. Er verursacht mehr Abrollgeräusch und lässt aufgewirbelten Splitt und Spritzwasser vornehmlich in den Radkästen prasseln. Aber seine Federungsabstimmung ist zumindest um Nuancen besser.

Zu diesem Eindruck trägt auch bei, dass in schnell gefahrenen Kurven nicht so starke Wankbewegungen der Karosserie auftreten wie beim Mercedes A 190. Die empfinden die Insassen besonders deswegen als lästig, weil sie so hoch sitzen und deshalb zwangsläufig größere Ausschläge nach links und rechts mitmachen.

Mit seinem ESP ist der Mercedes in kritischen Situationen natürlich auf der sicheren Seite. Ein unerwünschtes Eigenlenkverhalten, sei es nun Schieben über die Vorderräder oder ein Ausbrechen des Hecks, wie es bei voller Zuladung vorkommen kann, erstickt der automatische Bremseneingriff im Keim.

Aber dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ESP nur Symptome behandelt, aber nicht das Übel an der Wurzel packt: Die Fahrwerksabstimmung der A-Klasse ist von gestern. In schnell gefahrenen Kurven zeigt sich weit stärkeres Untersteuern, als man dies von modernen Fronttrieblern gewöhnt ist.

Voller Leistungseinsatz in engen Biegungen macht sich durch zerrende Antriebseinflüsse in der Lenkung bemerkbar. Und schon beim Beschleunigen geradeaus muss der Fahrer korrigierend eingreifen, weil die Antriebskräfte an der Vorderachse die Spurhaltung empfindlich beeinträchtigen.

Der Chrysler, lediglich mit einer Antriebsschlupfregelung ausgerüstet, benimmt sich weitaus manierlicher. Seine Lenkung vermittelt besseren Fahrbahnkontakt, er läuft bei hohem Tempo stabiler geradeaus, und er umrundet Kurven mit nur ganz leicht untersteuerndem Eigenlenkverhalten.

Vor allem ist die Traktion sehr viel besser. Während beim Mercedes auf rutschigem Untergrund die regelnde Elektronik pausenlos im Einsatz ist, muss sie beim Chrysler nur selten eingreifen. Dass dem Fahrer kein ESP zur Seite steht, erscheint angesichts des gutmütigen Fahrverhaltens weniger schwerwiegend.

Den klaren Vorsprung im Fahrwerksbereich verspielt der Neon allerdings mit seinem zu unangenehmem Dröhnen neigenden Motor. Auch das gemilderte, aber immer noch vorhandene Ruckeln beim städtischen Stop-and-Go unterstreicht den Eindruck einer kräftigen, aber ungehobelten Antriebsquelle.

Der Mercedes-Vierzylinder übertrifft sein Chrysler-Pendant im Test in jeder Hinsicht. Er tritt kräftiger an, dreht lockerer hoch und sorgt, auch dank kürzerer Übersetzung, für spürbar bessere Beschleunigungs- und Elastizitätswerte. Sein Laufgeräusch erschöpft sich in einem sympathischen, auch bei hohen Drehzahlen nicht lästigen Knurren. Zu allem Überfluss verbrauchtder A 190 auch noch weniger als der Neon.

Die Überraschung, die sich zunächst anzubahnen schien, bleibt also aus. Die gepflegteren Motoreigenschaften, die weit bessere Sicherheitsausstattung und nicht zuletzt die überdurchschnittlich guten Bremsen bringen die A-Klasse nach vorn.

Kein Grund zum Jubeln für Mercedes. Dem getesteten Mercedes A 190 gelingt es zwar, 3 % mehr Punkte zu sammeln. Aber das ist ein knapper Sieg über ein Auto, das der Mercedes im Preis um 30 % übertrifft.

Fazit

1. Mercedes A 190 Elegance
554 Punkte

Die vorbildliche ­Sicherheitsausstattung mit Sidebags und ESP spricht ebenso für den kleinen Mercedes wie der kräftige und kultiviert laufende Motor. Die Fahrwerksabstimmung allerdings erscheint einem Mercedes nicht adäquat. Das Handling des A 190 leidet unter starkem Untersteuern, der wenig Fahrbahnkontakt vermittelnden Lenkung und der schlechten Traktion. Auch der Federungskomfort, obwohl ­besser geworden, vermag immer noch keine gehobenen Ansprüche zu erfüllen.

2. Chrysler Neon LE 2.0
539 Punkte

Die Chrysler-Limousine schlägt sich wacker. Zu einem sehr günstigen Preis bietet sie einen reellen Gegenwert. In Federungskomfort und Fahreigenschaften ist der Neon der A-Klasse überlegen, aber der un­kultivierte Motor kostet ihn ebenso wichtige Punkte wie die unbefriedigende Sicherheitsausstattung, der höhere Verbrauch und die weniger standfesten Bremsen. Für kostenbewusste Käufer allerdings bildet der Neon auch wegen seiner Drei­jahresgarantie eine gute ­Alternative zur A-Klasse.

Technische Daten
Chrysler Neon 2.0Mercedes A 190
Grundpreis17.225 €20.136 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4390 x 1715 x 1421 mm3575 x 1719 x 1587 mm
KofferraumvolumenVDA390 bis 1040 L
Hubraum / Motor1996 cm³ / 4-Zylinder1898 cm³ / 4-Zylinder
Leistung98 kW / 133 PS (177 Nm)92 kW / 125 PS (180 Nm)
Höchstgeschwindigkeit200 km/h198 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h10,8 s8,8 s
Verbrauch8,0 L/100 km7,7 L/100 km
Testverbrauch9,5 L/100 km9,0 L/100 km
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