Im Supermarkt völlig normal: Ein und dasselbe Produkt wird in verschiedenen Packungsgrößen angeboten. Die größere Variante verspricht zumeist mehr Inhalt bei moderatem Preisaufschlag. Nach diesem Grundsatz verkaufen auch Autohersteller die gleiche Technik-Plattform in unterschiedlich großen Karosserie-Verpackungen. Nicht verwerflich, Gleichteile sparen schließlich Geld.
Mit dem Skoda Octavia Combi 1.9 TDI und dem Volvo V50 1.6D treten zwei Kombis zum Vergleich an, die auf ihren kompakten Konzern- Derivaten VW Golf und Ford Focus basieren. Besonders interessant wird das Duell, da der Octavia die Familienpackung für preisbewusste Lademeister darstellt, während der V50 mehr auf Lifestyle macht.
Schon die erste Sitzprobe fördert Unterschiede zutage: Der Volvo strahlt mit seinen klaren Linien, reduzierter Instrumentierung und der frei schwebenden Mittelkonsole die zeitlose Moderne eines Apple iPod aus, wohingegen das kleinteiligverschachtelte Skoda-Cockpit eher an ein Telefunken-Kofferradio erinnert.
Dass viele Knöpfe auch Vorteile haben, zeigen vor allem die beiden optionalen Navigationssysteme. So lässt sich der Routenführer im Skoda leichter bedienen als das Volvo-Navi, das über Lenkradtasten oder Fernbedienung gesteuert wird. Verarbeitung und Materialanmutung können sich in beiden Fällen sehen lassen, sämtliche Oberflächen bestehen Klopf- und Streichelproben ohne Probleme.
Der 4,57 Meter lange Skoda überrascht hingegen mit einem weitaus größeren Raumvorteil, als es das Plus von fünf Zentimeter Außenlänge vermuten ließe. Vor allem hinten spielt der Golf im Schafspelz bei Einstieg, Kopf- und Beinfreiheit schon in der Mittelklasse, während der V50 seine Kompaktklasse- Abstammung nicht leugnen kann. Erwachsene fühlen sich auf seinen Rücksitzen bei längeren Ausflügen so unwohl wie Fußballprofis auf der Ersatzbank.
Ähnliches Bild auch beim Kofferraum-Volumen: Ist das Gepäckabteil im Volvo bereits mit 417 Litern voll, schluckt der Skoda über 160 Liter mehr. Unter den beiden Kontrahenten gibt der Octavia also klar das Volumenmodell.
Wer die Größe eines Fahrzeuges hingegen nicht nur in Zentimetern, sondern nach Komfortkriterien misst, registriert die geschmeidig ansprechende Federung im Volvo, die auch dank der schmächtigen 15-Zoll-Serienbereifung Gullydeckel und Fahrbahnverwerfungen geschickter nivelliert als der steifbeinige Skoda mit seinen 16-Zöllern. Auch die Vordersitze sind im Octavia straffer gepolstert und auf Dauer nicht so heimelig-bequem wie beim Volvo, ohne dass sie dadurch mehr Seitenhalt bieten würden.
Erkauft wird das von der Straße stärker abgekoppelte Fahrgefühl im V50 allerdings mit ausgeprägten Karosseriebewegungen in schnellen Kurven und einer leichten Stuckerneigung der Vorderachse. Auch die stößige Lenkung kann nicht voll überzeugen. Im Fahrverhalten geben sich beide als typische Fronttriebler mit zugunsten von Sicherheit eingebremster Agilität.
Dennoch schiebt der sanfte Schwede schon bei niedrigerem Kurventempo über die Vorderräder und schaukelt sich auf Landstraßen mit Patchwork-Oberfläche früher auf als der verbindlichere Tscheche, der seinem Fahrer länger das Gefühl gibt, alles im Griff zu haben.
Das Wohlbehagen wird jedoch vom unkultivierten 1,9- Liter-TDI mit Pumpe-Düse-Einspritzung getrübt, der je nach Temperatur und Drehzahl entweder nagelt, brummt oder dröhnt. Kein Wunder, dass Konzernmutter VW die Raubeine in Pension schickt und durch neue Common-Rail-Aggregate ersetzt.
Der hubraumschwächere Selbstzünder im Volvo geht in allen Lebenslagen kultivierter zur Sache und tritt auf der Autobahn akustisch gänzlich in den Hintergrund. Doch trotz nominell vier PS mehr und nahezu Gleichstand beim Drehmoment fühlt sich der 1,6-Liter schlapper an.
Zudem reagiert er nicht so willig auf Gaspedalbewegungen wie der in Ehren ergraute, aber immer noch spritzige VW-Vierzylinder, der sich auch noch mit einem Schluck Diesel weniger zufrieden gibt.
Vor allem verlangt der Skoda-Händler mit 24 390 Euro fast 3700 Euro weniger als sein Volvo-Kollege, obwohl der Octavia Elegance gegenüber dem V50 Momentum (CD-Radio, Klimaautomatik, Tempomat, Regensensor) noch 16-Zoll-Alufelgen, Sitzheizung und hintere Parkpiepser drauflegt.
Auch Extras lässt sich Volvo teurer bezahlen. Die beliebte Dachreling kostet 250 statt 150 Euro, für Metallic-Lack werden 610 statt 390 Euro aufgerufen. Dafür lässt sich der V50 mit Luxus- Optionen wie schlüssellosem Zugangssystem (620 Euro) oder der Überwachung des toten Winkels (920 Euro) gänzlich seinem Kompaktklasse-Milieu entreißen.
Unter dem Strich entscheidet der Volvo V50 lediglich das Kapitel Komfort für sich – zu wenig, um dem günstigeren und geräumigeren Octavia ernsthaft den Sieg streitig zu machen, der sich bis auf seinen ungehobelten Motor keine gravierenden Schwächen leistet.






