Papa, wo kommt mein Mountainbike hin? Und kann ich noch meinen Freund mitnehmen? Die Checkliste von jungen Familien beim Autokauf wird oft von den Sprösslingen bestimmt. Bei der Fahrt zur Schule oder in den Urlaub werden PS-Zahlen, Höchstgeschwindigkeit und Prestige zur Nebensache. Gefragt sind stattdessen reichlich Stauraum, robuste Materialien und jede Menge Ablagen. Kurz: Ein Kasten-Kombi muss her.
In Länge und Breite haben sie zugelegt
Mit den Neuauflagen ihrer Klassiker haben Citroën und Renault die Spielräume in Berlingo und Kangoo nochmals erweitert, vor allem in Länge und Breite legten sie deutlich zu. Deutlich schmaler baut dagegen der Opel Combo, der bereits seit 2001 vom Band läuft und als Einziger seine Verwandtschaft mit einem Kleinwagen - dem früheren Corsa - optisch zu erkennen gibt. Trotzdem steht er innen nicht viel schlechter als die jüngeren Rivalen da, zumindest was die schiere Größe des Laderaums angeht.
Wie beim Renault Kangoo (Renault Kangoo im Einzeltest) passen maximal 2.700 Liter ins Heck, nur der Citroen Berlingo bietet noch 300 Liter mehr. Dafür müssen allerdings die drei Einzelsitze hinten ausgebaut werden - eine hakelige und komplizierte Angelegenheit. Viel leichter gelingt das im Renault Kangoo, wo sich die asymmetrisch geteilte Fondbank mit einem Handgriff versenken lässt und einen ebenen Ladeboden bildet.
Viele Ablageboxen im Opel Combo
Solche Finessen fehlen beim Opel Combo ebenso wie die vorklappbare Beifahrer-Sitzlehne und die zahlreichen Staufächer der Franzosen, die sich beim Citroën Berlingo auf immerhin 170 Liter Volumen summieren. Angesichts der vielen Ablageboxen am Dach und unter dem Wagenboden verliert man freilich schon mal den Überblick, wo denn nun Barbie-Puppe, Gameboy oder Sonnenbrille abgeblieben sind. Dabei ist Letztere wegen der riesigen Frontscheibe sowie der beim getesteten Topmodell serienmäßigen Dachverglasung beinahe unverzichtbar.
Immerhin macht der Berlingo Multispace Exclusive seinen rund 2.600 EUR höheren Einstandspreis mit vielen Extras (Berganfahrhilfe, Regen- und Lichtsensor, separat öffnende Heckscheibe) wieder wett, die bei den anderen Zuschlag kosten oder gar nicht angeboten werden. Dafür mangelt es ihm wegen der breiten Türablagen und Mittelkonsole an Kniefreiheit.
Guter Blick auf das Verkehrsgeschehen
Durchweg serienmäßig sind die leicht erhöhte Sitzposition und der gute Blick auf das Verkehrsgeschehen. Allerdings schränkt die sehr breite B-Säule des Citroën beim Spurwechsel das Sichtfeld ein. Im Interieur des Berlingo können auch die straff gepolsterten Sitze mit gutem Seitenhalt nicht über die mäßige Qualitätsanmutung hinwegtäuschen. Die scharfkantigen und unsauber verarbeiteten Kunststoffe hinterlassen keinen hochwertigen Eindruck.
Auch im Renault Kangoo (Vergleichstest Citroen Berlingo und Skoda Roomster) kommt viel Hartplastik zum Einsatz, das dank geschickter Maserung aber ansehnlicher wirkt. Dafür stört der sogar in der getesteten Topversion Privilège ausgefranste Filzboden im Laderaum. Die Stärke des Renault: sein luftiges Raumgefühl. Hinter der weit nach vorn gerückten Panorama-Frontscheibe thront der Fahrer vantypisch hoch, im Vergleich zum Berlingo jedoch mit wesentlich mehr Beinfreiheit. Den Sitzen fehlt es an Kontur und Oberschenkel-Auflage, dennoch sind sie langstreckentauglich.
Schiebetüren erleichtern den Fondeinstieg in den Opel Combo
Selbst in der Spitzenversion Sport fühlt sich die zu weiche Combo-Bestuhlung dagegen wie ein altes Sofa an. Abgesehen von der nachgiebigen Polsterung wirken die solide verarbeiteten, aber streng in Grau gehaltenen Materialien überholt und trist. Trotz seines fortgeschrittenen Alters bietet der Kasten-Corsa vor allem beim Raumgefühl seinen jüngeren Kontrahenten Paroli und gibt sich deutlich geräumiger als der Berlingo mit seinem verbauten Innenraum. Dank der seitlichen Schiebetüren (Basisversion nur Schiebetür rechts serienmäßig) gelingt der Fondeinstieg bei ihm wie bei den Rivalen reibungslos.
Und wie fahren sich die Familien-Transporter? Trotz des höchsten Leergewichts von 1.570 Kilogramm glänzt der Berlingo (Vergleichstest Citroen Berlingo und Renault Kangoo) mit einem agilen, leicht untersteuernden Kurvenverhalten und bleibt dabei stets sicher beherrschbar. Auf kurzen Bodenwellen gibt das straffe Fahrwerk allerdings Stöße an die Insassen weiter. Zudem poltern Vorder- und Hinterachse hörbar.
In engen Biegungen zwingt die stößige Lenkung immer wieder zu lästigen Korrekturen. Dagegen wirkt der Kangoo komfortabler und langstreckentauglicher. Die weichere Federung sorgt für gutes Schluckvermögen, aber auch spürbare Vertikalbewegungen auf langen Bodenwellen. Bei flotter Kurvenfahrt wankt der hohe Aufbau wie ein Schiff bei Seegang, so dass empfindsame Personen bisweilen Übelkeit verspüren. Besonders auf verwinkelten Serpentinen stört außerdem die schwammig und entkoppelt wirkende Lenkung.
Sicherheitsausstattung zeigt Lücken
Beim Combo sind Fahrwerk und Lenkung straffer und direkter, aber nicht unkomfortabel abgestimmt. Mehr als das leichte Stuckern auf Autobahn-Querfugen nervt hier das stets präsente Motorgeräusch des 1,7-Liter-Diesels mit 100 PS. Windgeräusche auf der Autobahn gehören bei allen drei hochstirnigen Kasten-Kombis zum Programm. Leiser und nicht aufdringlich arbeitet der kultivierte 1,5-Liter-Selbstzünder von Renault (103 PS). Mit einem merklichen Turboloch und dem lang übersetzten Sechsgang-Getriebe offenbart das Triebwerk allerdings kleine Durchzugsschwächen. Der 1,6-Liter-Diesel von Citroën (109 PS) spricht besser an. Alle drei Selbstzünder bieten genügend Durchzug und Reserven bei fast identischen Verbrauchswerten, nur der Combo hat unter anderem wegen des niedrigsten Gewichts (1.371 Kilogramm) hier leichte Vorteile.
Im Gegenzug kommt er mit voller Zuladung (514 Kilogramm) aus Tempo 100 erst nach 41 Metern zum Stillstand und zeigt auch erhebliche Schwächen beim Bremsen auf unterschiedlich griffigen Belägen, während die Bremsen beim französischen Kasten-Doppel bissiger zupacken und beide schon nach 39 Metern stehen. Auch die Sicherheitsausstattung des deutschen Oldies zeigt Lücken, ESP gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Gleiches gilt sogar für die Basismodelle der beiden taufrischen Rivalen, während es bei allen anderen Versionen serienmäßig (Citroën Berlingo 1.5 dCi FAP) oder gegen 300 EUR extra (Renault Kangoo 1.5 dCi FAP) zu haben ist.
Basisvarianten keine Alternative
Neben der Sprudelkasten-Kinderwagen-Nutzraumwertung entscheidet der Renault Kangoo auch die Gesamtwertung knapp vor dem Citroen Berlingo für sich, der Opel Combo fällt besonders beim Thema Fahrkomfort und bei sämtlichen Sicherheitsfaktoren zurück. Mit über 20.000 EUR Grundpreis stellt keines der getesteten Topmodelle ein Sonderangebot dar. Nicht blenden lassen sollte man sich jedoch von den günstigeren Basisvarianten (Combo ab 14.750 EUR, Kangoo ab 15.150 EUR, Berlingo ab 15.550 EUR). Sie sind wegen ihrer mageren Sicherheitsausstattung keine ernsthafte Alternative.






