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VW Golf GTI von MTM, Wendland und Wetterauer

Drei heiße Gölfe im Härtetest

Wetterauer-VW Golf GTI Foto: Rossen Gargolov 25 Bilder

Drei VW Golf GTI im Test, dreimal Wabengitter-Grill mit rotem Streifen und dreimal Vierzylinder-Turboherz. Eineiige Drillinge? Von wegen: Im sport auto-Tuningtest rollen die Kompaktsportler mit Genen von MTM, Wendland und Wetterauer sowie drei unterschiedlichen Abstimmungen an den Start.

29.11.2011 Christian Gebhardt Powered by

Ende November verwandeln sich die Messehallen in Essen wieder zum Tuning-Mekka. Hier werden Auspuff-Endtöpfe geschultert und ganze Frontschürzen in die Höhe gestemmt und gen heimatlicher Garage getragen. Neugierig fokussieren die Blicke der Tuning-Jünger im Sekundentakt alles, was das Meer aus Teilen zu bieten hat. Auf Hochglanz polierte Tiefbettfelgen, Federn, Dämpfer - oder soll es doch gleich ein komplettes Auto von einem renommierten Tuning-Hersteller sein? Soll das Fahrzeug auf der Rennstrecke oder nur im Straßenverkehr genutzt werden?

Fragen über Fragen, die sport auto mit einem Tuningtest am Beispiel von drei unterschiedlichen VW Golf GTI-Varianten aus dem Hause Wetterauer, Wendland und MTM beantwortet. Der ganz besondere Golf GTI-Test startet in der Boxengasse von Hockenheim. "Nimm mich!" Mit sündigem Blick lächeln die sportlichen Kompaktklasse-Ikonen durch ihre Halogen-Augen und buhlen um die Gunst des Testfahrers. Jeder will der Beste sein, doch trotz ähnlicher GTI-Mimik samt Wabengittergrill und rotem Streifen hinkt der direkte Vergleich dieser sportlichen Gölfe. Zu unterschiedlich sind ihre getunten Gene.

Wetterauer VW Golf GTI sprintet in 6,1 Sekunden auf 100 km/h

Gar nicht leise springt der erste Kandidat auf die Bühne. Gestatten, Wetterauer mein Name. Grollend rollt der dunkelgraue GTI aufs leere Rund. Nach jedem Wippen-Zug am Lenkrad lauscht der Fahrer dem herzergreifendem Abgasbollern. Eine Edelstahlanlage mit zwei ofenrohrgroßen Endrohren (je 90 mm) sorgt für einen kernigen Sound. Hunde die bellen, beißen nicht? Denkste. Den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 absolviert der Wetterauer in 6,1 Sekunden und ist damit 1,1 Sekunden schneller als das von sport auto gemessene, handgeschaltete Werksmodell (Hier geht es zum Einzeltest des VW Golf GTI).

Bits und Bytes und eine Ladedruckerhöhung um 0,2 bar auf 1,1 bar maximalen Ladedruck steigern die Leistung des Vierzylinder-Reihenmotors von 210 auf 260 PS. Das maximale Drehmoment wächst von 280 auf 380 Newtonmeter. Neben der Software-Änderung optimiert der Koblenzer Tuner auch den Luftansaugtrakt mit Hilfe einer BMC-Airbox und Silica-Flexschläuchen mit 80 mm Durchmesser. Dank kürzeren H & R-Federn duckt sich der Wetterauer-GTI 35 Millimeter niedriger über dem Asphalt als seine Werkskameraden.

Wetterauer VW Golf GTI mit narrensicherem Fahrverhalten

Auch wenn die Tieferlegungsfedern mit härteren Federraten extra für das adaptive Serien-Dämpfersystem DCC entwickelt wurden, wedelt der GTI auch im Sportmodus mit spürbarer Seitenneigung durch den 18-Meter-Slalom und über die Rennstrecke. In engen Ecken untersteuert der getunte Golf mit gutmütigem, nahezu narrensicherem Fahrverhalten. Böswillige Lastwechselreaktionen sind nicht sein Ding. Schießt der Fahrer bei der Zeitenhatz doch mal über den Grenzbereich hinaus, hält das nicht mehr vollständig abschaltbare ESP ihn mit Regelimpulsen sicher auf Kurs. Für ambitionierte Fahrer bremsen die elektronischen Zügel im Verbund mit der elektronischen Differenzialsperre XDS jedoch zu früh und zu stark.

"Kunden, die ihr Fahrzeug ausschließlich ohne Zulassung im Rennstreckenbetrieb fahren wollen, offerieren wir auch eine ESP-Deaktivierung. Doch für den öffentlichen Straßenverkehr können wir dies aus Haftungsgründen leider nicht anbieten", erklärt Jörg Schramm von Wetterauer. Noch mehr als mit seiner ESP-Abstimmung und seinem Fahrwerkssetup verrät der Wetterauer vor allem durch seine Reifen, dass nicht die Rennstrecke, sondern die Straße sein primäres Auslaufrevier ist. Die 19-Zoll-Räder von Borbet passen zwar optisch perfekt zum sportlichen GTI-Outfit, doch die aufgezogenen Hankook Ventus S1 EVO (235/35 ZR 19) sind mit ihrem mäßigen Gripniveau nicht wirklich rennstreckentauglich.

Wetterauer VW Golf GTI ist deutlich schneller als Serien-GTI

Trotzdem überquert der Wetterauer- GTI die Ziellinie in 1.19,2 Minuten. So ist er immerhin sechs Zehntelsekunden schneller als das von sport auto gemessene Serienmodell (Hier geht es zum Einzeltest des VW Golf GTI) mit Michelin Pilot Exalto-Pneus. Damit die Wetterauer- Kunden auch im Straßenverkehr, trotz Leistungssteigerung und einer auf 249 km/h gestiegenen Höchstgeschwindigkeit stets sicher unterwegs sind, installiert der Tuner an der Vorderachse eine kräftig zupackende Vier-Kolben-Bremsanlage von Mov’it mit 342er-Bremsscheiben.

Wendland trimmt den VW Golf GTI auf Rennsport

Kandidat Nummer zwei der Golf GTI-Show setzt andere Prioritäten. Ein Blick unter die Radhäuser verrät sofort die Absichten des getunten Wolfsburgers von Wendland. Hier verstecken sich schwarz lackierte 19-Zoll-Räder von BBS, bestückt mit den Königen der straßenzugelassenen Semislick-Reifen - Michelin Pilot Sport Cup. Ein kurzer Blick auf das Datenblatt und rein geht's in die perfekt sitzenden Sportsitze mit dem legendären Schottenkaro-Muster.

Ebenfalls mit einer Leistungssteigerung von 50 Pferden (Ladedruck- Erhöhung um 0,3 bar bei Verwendung von 100-Oktan-Kraftstoff und Anpassung der Zündung sowie der Einspritzung) nimmt der Golf des schwäbischen Tuners den kleinen Kurs unter die Räder. Nach 6,5 Sekunden hastet er über die 100 km/h-Marke. Zack, plötzlich bricht das Heck des weißen GTI aus. ESP rattert, Pilot lenkt mit zackigen Lenkbewegungen dagegen, Gleitreibung soll wieder zu Haftreibung werden. Ein heftiger Quersteher in der Ameisenkurve bremst erst mal die Zeitenjagd.

Die Michelin-Pneus sind kleine Diven

Die Michelin-Cup-Pneus funktionieren gut, sind aber auch hinsichtlich der Arbeitstemperatur kleine Diven. Eine Runde lang wird nun hin- und hergezuckt - wie bei der Aufwärmrunde in der Formel 1. Drei, zwei, eins: Nach drei Runden zementiert der Wendland-Golf dann mit warmen Reifen eine Zeit von 1.16,2 Minuten in den Hockenheimer Asphalt. Das Rezept für eine gute Rundenzeit und Rennstrecken-Performance: Neben den Cup-Reifen und einer Tieferlegung um 30 Millimeter setzen die Wendland-Ingenieure auf Motorsport-Knowhow und ermitteln die bestmögliche Gewichtsverteilung mit einer Radlastwaage. Außerdem werden Spur- und Sturzwerte des Fahrwerks individuell für den Rennstreckenbetrieb eingestellt.

So glänzt der getunte Kompaktsportler mit perfektem Einlenkverhalten. Zudem darf der Pilot mit Hilfe des manuellen Sechsganggetriebes die Fahrstufen vollkommen selbsttätig wählen. Im direkten Vergleich eignet sich das automatisierte DSG nicht so gut für die Rennstrecke, da es bei Erreichen des Drehzahlbegrenzers und somit auch meist kurz vor Kurveneingängen automatisch hochschaltet. Dennoch bietet auch der Wendland-Golf hinsichtlich des Rennstrecken-Einsatzes Verbesserungspotenzial. Vor allem beim aggressiven Anbremsen auf Bodenwellen wird die Hinterachse leicht, und das unruhige Heck schaukelt sich durch Gripverlust auf. Für den ambitionierten Einsatz in Hockenheim oder auf der Nordschleife sollte zudem die Serienbremse gegen eine leistungsstärkere Variante ersetzt werden.

MTM bringt den VW Golf GTI auf 310 PS

Und wer ist der Dritte im Bunde? Bereits im Stand knallrot angelaufen, wartet der MTM-GTI mit seinem auffälligen Blechkleid auf seinen Einsatz. Auf dem Papier müsste der MTM seine Tuning-Kollegen aufgrund der zusätzlichen Leistung locker im Griff haben. Ein angepasster Turbolader aus dem aktuellen Audi S3 und eine Ladedruckerhöhung auf 1,45 bar kitzeln aus dem TSI-Vierzylinder noch einmal 50 PS mehr heraus als bei der Wendland- und Wetterauer-Version. Doch MTM geht nicht nur mit 310 PS, sondern auch noch mit Michelin Pilot Sport Cup an den Start. Also nichts wie raus auf den Kleinen Kurs und Cup-Reifen aufwärmen nicht vergessen.

Erste fliegende Runde mit Pneus auf Arbeitstemperatur - 1.15,8 Minuten. Vier Sekunden schneller als das Serienpendant. Doch der Pilot ist noch nicht ganz zufrieden. Der MTM vermittelt mit seinem ausgeglichen Fahrverhalten dank gelungener Fahrwerksabstimmung (Tieferlegung um 30 mm), seiner kräftigen Brembo-Bremse mit größeren Scheiben an der Vorderachse (380 mm), präzisem Einlenkverhalten und guter Traktion das Gefühl, er sei für die Rennstrecke geboren. Also noch eine Runde. Mit Schmackes durch die Nordkurve, die Ameisenkurve schnell wegschnupfen, Linksknick Querspange voll, Eingang Motodrom - die Sektorenzeiten sind schon eine gefühlte halbe Sekunde besser.

Die Zeitenjagd endet mit Öldruckproblemen und Ölverlust

Dann aber das: Ruckel, Böööööhhhhh, Ruckel - der Motor läuft im Notlauf. Die Zeitenjagd endet mit Öldruckproblemen. Diese verschwinden erst wieder beim Neustart des Motors. "Im Straßenverkehr hatten wir dieses Problem nie", erklärt MTM-Chef Roland Mayer. Der Wendland und der Wetterauer gehen zwar nicht in den Notlauf, kränkeln nach dem Rennstreckenbesuch aber ebenfalls mit auffälligem Ölverlust. "Wir nehmen an, es liegt an der Bedarfsregelung des Motors", erklärt Geschäftsführer Karl-Heinz Wendland. "Die Kühlung ist extrem wichtig, daher haben wir lange an der richtigen Einspritzung getüftelt und verwenden auch eine spezielle Airbox", sagt Jörg Schramm von Wetterauer zu den Ölverlusten. Und MTM? "Wir warten noch auf eine Antwort von VW, auch in der Serie ist das ein bekanntes Problem", erklärt Roland Mayer von MTM. Auf eine Antwort dürfen wir gespannt sein, denn eine Sportikone wie der GTI sollte auch auf der Rennstrecke sein Potenzial unter Beweis stellen können.

Technische Daten
Wetterauer Golf GTIWendland Golf GTIMTM Golf GTI
Grundpreis38.272 €32.269 €46.315 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4213 x 1779 x 1434 mm4213 x 1779 x 1439 mm4213 x 1779 x 1469 mm
KofferraumvolumenVDA350 bis 1305 L350 bis 1305 L350 bis 1305 L
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung191 kW / 260 PS (380 Nm)191 kW / 260 PS (350 Nm)228 kW / 310 PS (410 Nm)
Höchstgeschwindigkeit249 km/h248 km/h270 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,1 s6,5 s5,7 s
Verbrauch13,0 L/100 km13,4 L/100 km13,1 L/100 km
Testverbrauch13,0 L/100 km13,4 L/100 km13,1 L/100 km
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