Wer einen sportlichen Kompaktwagen mit einer Leistung um 200 PS sucht, hat zwei Alternativen, die sich in elementaren Punkten klar und deutlich unterscheiden: den BMW 123d mit längs eingebautem Dieselmotor und Hinterradantrieb sowie den frontgetriebenen VW Golf GTI mit quer installiertem Benziner. Abgesehen von der Kraftstoff- Sorte sind die Unterschiede zwischen den beiden Antriebsaggregaten jedoch geringer, als es auf den ersten Blick scheint. Beides sind Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum, Direkteinspritzung und Turboaufladung. Diese technischen Gemeinsamkeiten sind auch ein Grund dafür, dass die Grenzen zwischen den Brennverfahren immer mehr verwischen. So bietet der auf Super Plus ausgelegte Vierventiler im GTI einen ehemals als dieseltypisch bezeichneten Drehmomentverlauf mit einem Maximum von 280 Newtonmeter bereits bei 1800 Umdrehungen, das bis 5000 Touren konstant bleibt. Nur 100 Umdrehungen später liegt die Spitzenleistung von 200 PS an. Vier PS mehr leistet der BMW und übertrumpft das GTI-Aggregat damit knapp – auch in der Leistungsausbeute. Der Motor im 123d ist der erste Diesel mit einer Leistung über der magischen Grenze von 100 PS pro Liter. Mit 4400/min liegt die Nenndrehzahl zudem für einen Selbstzünder ungewöhnlich hoch. Doch selbst wenn die Nadel des Drehzahlmessers beim Beschleunigen ganz dieseluntypisch schon mal locker über die 5000er-Marke hinwegschnellt: mehr als 5200 Touren sind nicht drin. Beim GTI liegt das Limit immerhin bei 6800/min. Das BMW-Triebwerk kontert mit einem maximalen Drehmoment von 400 Nm bei 2000 Umdrehungen. Bereits knapp über Leerlaufdrehzahl legt sich der neu entwickelte Vierzylinder mit Vollaluminium-Kurbelgehäuse mächtig ins Zeug, von Turboloch keine Spur. Vollkommen unaufgeregt und gleichmäßig gibt er seine üppige Leistung ab und vermittelt damit eine Souveränität, wie man sie sonst nur bei großvolumigen Triebwerken empfindet. Das ist das Verdienst der Variable Twin Turbo genannten, aufwendigen Kombination aus zwei Turboladern – einem kleinen, früh ansprechenden und einem großen für maximale Füllung. Der drehfreudige GTI-Motor agiert bei zügiger Fahrweise bissiger, ja sogar hektischer als der BMW-Diesel. Denn sein Leistungseinsatz ist schlechter dosierbar, da der Turbo zunächst leicht verzögert, dann aber umso vehementer anspricht. Wird in dieser Situation das Gaspedal nur leicht gelupft, bricht der Vortrieb stärker ein als erwartet. Typisch Turbo eben. Geht man es dagegen gelassener an, ist mit dem Sport-Golf ebenso schaltfaules und niedertouriges Fahren möglich wie mit dem BMW. Dabei legt das GTI-Triebwerk bessere Manieren an den Tag als der bis etwa 1500 Touren trotz zweier Ausgleichswellen rauer klingende und mit leichten Vibrationen laufende Einser-Motor. Bei höheren Drehzahlen bessert sich die Laufkultur zunehmend. Vom sportlichen Klang des VW-Motors mit seinem wohlklingenden Mix aus Ansaug- und Auspuffgeräuschen ist die Akustik des Diesels aber weit entfernt.
VW GTI gegen BMW 123d: Sonder-Druck
Sprintstarke Kompaktwagen hatten bisher immer einen Benziner unter der Haube. Nun fordert der BMW 123d mit Biturbo-Diesel den Platzhirsch VW Golf GTI heraus.
Autor: Hermann-Josef Stappen
Welches Antriebskonzept passt besser zu einem Kompaktsportler?



