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VW Passat, Audi A4, Mercedes C-Klasse im Vergleich

Teamleistung statt einzelne Stars

Audi A4, Mercedes C-Klasse, VW Passat, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 39 Bilder

Das Echo des Trommelwirbels liegt noch in der Luft, da hinten schieben sie gerade die Showtreppe zur Seite. Ja, der Auftritt des neuen Passat war beeindruckend. Aber ob er es wirklich mit der Premium-Konkurrenz aufnehmen kann, ist jetzt die große Frage. Die große Antwort bringt der Vergleichstest mit Audi A4 und Mercedes C-Klasse.

03.12.2014 Sebastian Renz

Vergessen wir den Weg, das Ziel ist das Ziel. Deshalb nehmen wir an, nach Vorstellungen, Hintergrund-Storys und Fahrberichten wollen Sie endlich wissen, wie gut der VW Passat wirklich ist. Kein Geplänkel, holen wir Audi A4 3.0 TDI Quattro, Mercedes C 300 Bluetec Hybrid und VW Passat 2.0 TDI 4Motion aus der Tiefgarage. Und ab dafür.

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Vergleichstest Audi A4, Mercedes C-Klasse, VW Passat
auto motor und sport 25/2014
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Audi und der Reiz der Reife

Schon aus dramaturgischem Geschick gilt es, mit dem Audi vor dem VW Passat und der C-Klasse zu beginnen – und aus Höflichkeit, immerhin ist er, Jahrgang 2007, der Alterspräsident der Premium-Mittelklasse. Ein weiteres Jahr wird er das bleiben, bei Audi tüfteln sie am Nachfolger, der noch besser werden soll. Was so leicht nicht sein dürfte. Das liegt nicht nur an der Reife des A4, die sich zuerst in der Selbstverständlichkeit seiner hervorragenden Verarbeitungsqualität zeigt. Gleichzeitig gelingt es ihm, sein Alter zu verbergen. Ja, das MMI-Infotainment hat sich dereinst schon umständlich mit dem iPhone 1 gekoppelt, die Bedienung wirkt teils umstandskrämerisch. Aber das war es schon an Alterszipperlein des A4.

Sein kompaktes Platzangebot gründet in der knappen Außenlänge und dem längs eingebauten Motor. Fahrer und Beifahrer kommen dennoch behaglich auf den serienmäßigen Sportsitzen unter. Auch im etwas engen Fond reisen Erwachsene bequem. Und sie erleben doch noch etwas von altem Schlag: den Dreiliter-Diesel (C-Klasse 2,1 und VW Passat 2 Liter). Wir reden vom Volumen, nicht dem Verbrauch des V6, den wir wegen schlechterer Nachhaltigkeit tadeln müssten. Aber sollen die Halbfett-Yogis mit zyklusoptimierten Downsizern herumeiern? Wir starten den V6, lauschen sachtem Selbstzünderprasseln, das klingt wie ein entferntes Kaminfeuer. Eine Zehenspitze Gas, der TDI legt ein paar Scheite nach, stemmt den A4 ohne Turbohänger voran.

Derweil doppelverkuppelt die S tronic ohne Hektik ihre sieben Gänge. Ginge alles auch manuell mit Schaltpaddelei, was der A4 aber ebenso wenig nötig hat wie adaptive Stoßdämpfer. Trotz der eher straffen Grundstimmung steckt er Unebenheiten sorgsam weg – leer etwas ungehobelter nur als die Rivalen VW Passat und Mercedes C-Klasse, beladen dagegen am besten.

Und obwohl er sich in dieser Generation keine gefühlsechtere Lenkung mehr aneignen wird, fährt sich der A4 hier am agilsten. Er biegt direkt, präzise und neutral in Kurven, umrundet sie mit fast unerschütterlicher Sicherheit und stemmt sich mit der Wucht des Allradantriebs heraus. Nur: Teuer ist er, ausstattungsbereinigt liegt er rund 8.700 Euro über dem VW Passat. Aber: Der A4 hat es noch immer drauf.

Mercedes schickt Hybrid ins Rennen

Ein Hybrid? Jepp, die Leistungsklasse des stärksten VW Passat erreicht die C-Klasse mit der Kombination des 204 PS starken 2,1-Liter-Biturbo-Diesels mit dem 20-kW-E-Werk. Sie finden sich zu rund 230 PS Systemleistung und feiner Antriebsharmonie zusammen. In den 250 Nm der Elektromaschine liegt die Kraft der Ruhe. Sie überboosten die nagelige Anfahrschwäche, die den OM 651 normalerweise plagt, lassen ihn kultivierter und homogener erscheinen als sonst.

Zudem knipst die Antriebssteuerung den Vierzylinder im Schiebebetrieb bis Tempo 130 eilig aus. Die perfekt koordinierte Kooperation der Motoren unterstützt die gelassene, mitunter fast zu gelassene Siebengangautomatik. Bei sachter Fahrweise wiegen der höhere Antriebskomfort und der geringe Verbrauch die Nachteile des Hybrids (120 Kilo Mehrgewicht, der Lithium-Ionen-Akku räubert 45 Liter Kofferraum) auf.

Wegen der knappen Batteriekapazität von 0,8 kWh fährt die C-Klasse allerdings selbst in der Stadt nur selten und kurz rein elektrisch. Auf der Autobahn muss es der Diesel meist alleine richten – und sich anstrengen, den stärkeren Rivalen VW Passat und Audi A4 hinterherzukommen. Das treibt dann den Verbrauch hoch. Wobei die ganze Eile trotz des netten Handlingtalents nicht so zum C passt, ebenso wenig wie die im Sport-Modus giftig ansprechende Lenkung oder das Lastwechseldrängen in den Fahrdynamik-Prüfungen. Lieber schmeichelt der Mercedes ohnehin mit der flauschigen Luftfederung.

Die Passagiere bringt er bequem unter. Zwar stört auf der Rückbank die starke Lehnenneigung, vorn kann man es sich auf den straffen Polstern durchaus gemütlich machen, während es gilt, sich in die umständliche Infotainment-Bedienung einzuarbeiten. Auf Anhieb überzeugt die C-Klasse mit ihrem umfassenden Sicherheitsarsenal und den vehementesten Bremsen – wobei sich das Pedal wegen des spürbaren Wechsels aus Rekuperieren und Bremsverzögern schlechter dosieren lässt. Doch das ist wie die bemühtere Traktion des hinterradgetriebenen Mercedes eine Kleinigkeit – anders als der Preis des C 300, der ausstattungsbereinigt 9.300 Euro mehr als der VW Passat kostet.

VW Passat überzeugt mit Teamleistung

Und dann tritt der VW Passat auf, bei dem es gar nicht mehr aufs Geld ankommen wird am Ende. Am Anfang fällt es schwer, seine Qualität zu fassen. Aus dem A4 steigst du aus, betört vom grandiosen V6-TDI und der hingebungsvollen Verarbeitung; der 300er-Mercedes begeistert mit Antriebseffizienz und Komfort. VW fährt einen Zweiliter-Biturbodiesel mit 240 PS auf, eine Siebengang-Doppelkupplungsbox, Allrad mit Haldex-Kupplung, Adaptivdämpfer und volldigitale Instrumente. Doch es sticht kein einzelnes Detail heraus – das Team ist der Star.

Alles beginnt mit VWs modularem Querbaukasten, der schon im Golf durch Raumeffizienz ein üppiges Platzangebot schafft. Der 61,1 Zentimeter längere VW Passat erreicht vor allem im Fond die Opulenz der Luxusklasse. Drei Erwachsene kommen behaglich unter auf der gemütlichen Rückbank. Den Vordersesseln mag der Seitenhalt der Audi-Sportsitze abgehen, dafür sind sie vielfach verstellbar und sehr bequem. Ach, bevor wir es vergessen, ganz hinten hängt noch das Kofferabteil, mit 586 Litern deutlich umfangreicher als bei den – viel kürzeren – Rivalen.

Kriechen wir nun durch den VW Passat auf der Suche nach Makeln. Und finden als einzigen den labberigen Schaumstoffkeil, der die Stufe zwischen Kofferraumboden und der umgeklappten Rücksitzlehne überbrückt. Sonst nichts. Auch die volldigitalen Instrumente muss nicht jeder mögen, man muss sie aber auch nicht bestellen (für 500 Euro). Wobei sie sich leicht ablesen lassen und die Navi-Karte zwischen Tacho und Drehzahlmesser besonders gut im Blick liegt. Doch es dauert, bis man diese Funktion im verschachtelten Bordcomputer gefunden und mit den Lenkradtasten ausgewählt hat. Das bleibt die einzige Bedien-Komplexität.

VW Passat leistet 240 PS

Sehr unkompliziert zieht – nach einer kleinen Anfahrschwäche – der Zweiliter-Biturbo los. 500 Nm, 240 PS und die hervorragende Traktion des Allradantriebs stanzen den Passat in 6,3 Sekunden auf Tempo 100. Da bleibt der Mercedes zurück – und ein paar gute Manieren, weil das Verbrennungsnageln durch die Schalldämmung dringt. Temperaments- und Laufkulturnachteile gegenüber dem A4 gleicht der VW Passat mit dem niedrigeren Verbrauch aus. Das schafft er nicht nur mit dem kleineren Motor, sondern auch mit einem Trick der Doppelkupplungsbox: Sie legt im Eco-Modus im Schiebebetrieb den Leerlauf ein. Ansonsten schaltet das Getriebe ebenso schnell und fugenlos wie die Box des Audi – sowie am besten unbeeinflusst von scheinbarer Besserwisserei des Fahrers.

Der VW Passat kurvt auch ebenso sicher über Land, etwas weniger bissig im Handling, aber neutral, gripstark, mit viel Rückmeldung und Präzision in der Lenkung. Doch die Langstrecke beherrscht er noch besser, steckt ohne Zuladung selbst herbe Unebenheiten sacht weg. Nur volle Zuladung und extrem schlechte Straßen brauchen die Reserven des adaptiv gedämpften Fahrwerks auf.

Die Passagiere umtüddelt der große Volkswagen dabei außer mit Komfort auch mit einer umfassenden Sicherheitsausstattung. Neben Spurhalte-/ Spurwechselhelfer gibt es den Notfallassistenten. Er bringt den VW Passat auf der Fahrspur zum Halten, sollte der Fahrer nicht mehr reagieren – etwa weil er kollabiert ist.

Emergency Assist ist Teil des Fahrassistenz-Pakets, zu dem auch der Adaptivtempomat bis 160 km/h zählt. Der VW Passat kostet sonst – weil er wenig Rechnerleistung benötigt – nur 370 Euro extra. Für 955 Euro hält der Passat bis 210 km/h Tempo und Abstand zum Vorausfahrenden.

Wobei es jetzt die Konkurrenz ist, die Abstand zum VW Passat hält und sich mühen muss, mit seinem Tempo mitzuhalten. Wenn das Ziel das Ziel war, hat es der VW erreicht: Erster.

Anmerkung der Redaktion:

Wir bemühen uns bei jedem Vergleichstest um bestmögliche Vergleichbarkeit der getesteten Fahrzeuge, sind dabei jedoch von Seiten der Hersteller davon abhängig, ob die passenden Testwagen zum entsprechenden Zeitpunkt auch verfügbar sind. Für diesen Test hatte sich Mercedes explizit für einen C 300 Bluetec Hybrid entschieden. Einen weiteren Vergleichstest mit dem neuen VW Passat – diesmal als Variant – finden Sie in der neuen Ausgabe von auto motor und sport. Ausgabe 1/2015 liegt ab 24. Dezember am Kiosk.

Fazit

1. VW Passat 2.0 TDI 4Motion
513 Punkte

So richtig strahlend ist der Sieg nach dem Kostenkapitel. Doch der VW Passat ist auch sonst top: sicher, komfortabel, sparsam. Schwächen? Nein.

2. Audi A4 3.0 TDI Clean Diesel Quattro
490 Punkte

So richtig hat mit Silber keiner gerechnet. Über Jahre gereift, ist der solide, komfortable Audi mit V6 noch immer modern – und noch immer teuer.

3. Mercedes C 300 Bluetec Hybrid
482 Punkte

So richtig vorwerfen kann man dem teuren C 300 nichts. Der Hybrid funktioniert gut und effizient, die anderen bieten mehr bei Platz und Dynamik.

Technische Daten
Mercedes C 300 Bluetec HybridVW Passat 2.0 TDI SCR 4Motion BMTAudi A4 3.0 TDI Clean Diesel Quattro
Grundpreis49.415 €45.500 €48.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4686 x 1810 x 1442 mm4767 x 1832 x 1456 mm4701 x 1826 x 1427 mm
KofferraumvolumenVDA435 L586 bis 1152 L480 bis 962 L
Hubraum / Motor2143 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung170 kW / 231 PS (500 Nm)176 kW / 240 PS (500 Nm)180 kW / 245 PS (580 Nm)
Höchstgeschwindigkeit244 km/h240 km/h250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h6,4 s6,1 s5,9 s
Verbrauch3,6 L/100 km5,3 L/100 km5,7 L/100 km
Testverbrauch7,0 L/100 km7,6 L/100 km8,3 L/100 km
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