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Der VW Tiguan im Test gegen den BMW X1

Die beiden Zweiliter-Diesel VW Tiguan und BMW X1 im Vergleich

Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

In die Kiesgrube zieht es Kompakt-SUV längst nicht mehr. Sowohl BMW X1 20d als auch VW Tiguan 2.0 TDI wollen auf der Straße punkten – als Alternative zu traditionellen Kombis.

11.12.2009 Powered by

Auch optisch entwickeln sich die SUV langsam zu dem, was sie von ihrer faktischen Nutzung her längst sind: eine Variante des Kombis. Neuestes Beispiel ist der BMW X1, gegen den der bereits seit einem Jahr gebaute VW Tiguan fast schon althergebracht wirkt.  Beiden gemeinsam ist ihre klare Ausrichtung auf normalen Straßen- und Alltagsbetrieb sowie der Verzicht auf ausgeprägte Klettertalente.

Der Tiguan bietet mehr Laderaum

Als Derivat des Golf bekennt sich der Tiguan zur praktischen Kompaktklasse und erfüllt selbst die Bedürfnisse von Kleinfamilien. Sie werden besonders seinen Laderaum und die hohe Sitzposition schätzen, während wohl nur die wenigsten auf vier angetriebenen Rädern bestehen dürften. Gleiches gilt für den X1, der sich schon äußerlich stark von einem typischen Offroader entfernt und seine Kunden mit einer dynamischen Linie lockt. Allerdings geht besonders sein flacher, rundlicher Dachabschluss zu Lasten von Laderaum und Übersichtlichkeit. Das Thema Geländetauglichkeit steht bei ihm ebensowenig im Vordergrund, und so ist es nur logisch, dass BMW den X1 im nächsten Frühjahr nicht nur vier-, sondern auch zweirad-getrieben an den Start bringt.

Die Bergabfahrkontrolle ist beim BMW X1 serienmäßig

Selbst wer den X1 der besseren Traktion wegen als x-Drive kauft, weil er bisweilen Wiesen, Hänge oder Schotterpisten bezwingen möchte, muss statt mit Kupplungen, Sperren oder Zusatzgetrieben mit Bremseneingriffen zur Kraftverteilung vorliebnehmen. Zudem hilft eine Hill-Descent-Control auf steilen Abfahrten. Doch das Hauptinteresse gilt ohnehin den Fahreigenschaften auf normalen Straßen, wo schon der vergleichsweise niedrige Schwerpunkt Erwartungen an die Querdynamik weckt. So wedelt der BMW seinem Konkurrenten aus Wolfsburg im kurvigen Geläuf auf und davon. Dabei muss der Fahrer nicht etwa zirkeln oder kurbeln. Im Gegenteil: Harten Einsatz fordert der X1 nur von sich selbst – und lässt ihn seinen Piloten von perfekt ausgeformten und tief montierten Sportsitzen (580 Euro) aus genießen.

Der BMW X1 ist ausgesprochen fahraktiv

Wer will, erzielt per Lastwechsel sogar typische Hecktriebler-Reaktionen, indem der X1 willfährig in die Kurve eindreht. Dank der Performance Control (150 Euro) genannten Bremseneingriffe scheint der BMW beim Einlenken wie auf Pfiff  den engstmöglichen Radius zu wählen. Natürlich erwartet man von einem kombiähnlichen Fahrzeug auch einen sehr guten Federungskomfort, doch da ist der Agilitäts-Drang des BMW vor. Das Fahrwerk verschreibt sich voll und ganz der Rückmeldung, was negativ formuliert bedeutet, dass auf schlechten Straßen Stöße in Rücken und Lenkung landen.  Hier setzt VW einen Kontrapunkt. Nicht als Sportlichster seiner Klasse will sich der Tiguan beweisen, sondern als Ausgewogenster. Der Testwagen verfügt über das optionale adaptive Fahrwerk (1045 Euro) mit den vorwählbaren Stoßdämpfer-Kennungen Komfort, Normal und Sport, wobei die Namen schon sehr treffend den Charakter beschreiben.

So federt der VW hervorragend, lenkt dennoch ausreichend präzise ein und bleibt stets neutral. Aus dem Tritt lässt sich ein Tiguan nicht so schnell bringen, schließlich ist er ein Abkömmling des Golf, und der lässt sich hier nichts zuschulden kommen. Andererseits wird auch niemand nach einer Ausfahrt zu verbalen Emotions-Ausbrüchen neigen. Die wiederum kann der äußerst fahraktive X1 durchaus bei seinem Piloten hervorrufen. Der Tiguan-Käufer erfreut sich stattdessen daran, dass sich die hintere Sitzbank in der Länge verschieben und die Lehne des Beifahrersitzes für den Transport von XXL-Ladegut umlegen lässt. Zudem passt in den Kofferraum einfach deutlich mehr hinein, auch wenn beim Einräumen von sperrigem Transportgut die hohe Ladekante negativ auffällt.

Die Motorenwertung geht an BMW

Als klarer Fortschritt sind hingegen die heutigen VW-Dieselmotoren zu werten, seitdem sie von Pumpe-Düse- auf Common-Rail-Einspritzung umgestellt wurden. Allerdings erreicht der VW 2.0 TDI weder die Geschmeidigkeit noch den Drehwillen des BMW-Motors, der aus ebenfalls zwei Liter Hubraum noch sieben PS mehr holt. Der längs eingebaute Reihen-Vierzylinder geht laufruhiger zu Werke, legt schon bei niedrigen Drehzahlen kraftvoll los und schwingt sich behände dem roten Bereich entgegen. Trotz seines lobenswerten Einsatzes verbraucht der X1 im Test rund einen halben Liter weniger Sprit auf 100 Kilometer, was sich natürlich auch im Kostenkapitel positiv bemerkbar macht. Dass er hier dennoch nicht auftrumpft, liegt in seinem enorm hohen Preis begründet: Der hochgerüstete Testwagen kostet 48.494 Euro. Wie groß muss die Enttäuschung für BMW-Fans sein, wenn sie sich näher mit der Qualitätsanmutung beschäftigen. Zu wenig Premium-Charme ist im X1-Innenraum zu entdecken. Stattdessen breitet sich Hartkunststoff bis in den Instrumententräger aus. Schon als Grundpreis veranschlagt BMW für den hinterradgetriebenen X1 20d mindestens 32.400 Euro – inklusive einer umfangreichen Sicherheitsausstattung, welche auch effektive Bremsen enthält. Doch selbst hier entfernt sich der BMW nicht weit genug vom VW und holt nur wenige von den Punkten zurück, die er bei der Karosserie-Wertung eingebüßt hat. Zu negativ machen sich seine geringe Zuladung, der kleine Kofferraum und die schlechte Rundumsicht in der Gesamtwertung bemerkbar.

Fazit

Wer vor allem einen SUV mit schickem Auftritt, sportlichem Fahrverhalten und markentypischem Temperament sucht, dürfte trotz mancher Defizite mit dem teuren, aber charakterstarken BMW X1 glücklich werden.  Der VW Tiguan zeigt dagegen, wie man eine Auseinandersetzung als Gewinner verlässt: Indem man Ausgewogenheit pflegt und sich weder besonderen Extremen hingibt noch sich eklatante Schwächen leistet. Auf diese Art spielt der Kompakt-SUV aus Wolfsburg seinen vermittelnden Charakter zwischen Alltagsbedürfnissen einerseits und Abenteuergelüsten andererseits voll aus. Als Offroad-Variante des VW Golf bietet der Tiguan eine gelungene Mischung aus Komfort, Platz und Alltagsnutzen. Damit gewinnt er den Vergleichstest gegen den teuren BMW X1. 

Technische Daten
BMW X1 20d xDriveVW Tiguan 2.0 TDI CR 4Motion
Grundpreis35.650 €32.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4477 x 1798 x 1567 mm4427 x 1809 x 1683 mm
KofferraumvolumenVDA480 bis 1350 L470 bis 1510 L
Hubraum / Motor1995 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung135 kW / 184 PS (380 Nm)125 kW / 170 PS (350 Nm)
Höchstgeschwindigkeit215 km/h201 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,1 s8,9 s
Verbrauch5,5 L/100 km6,6 L/100 km
Testverbrauch8,6 L/100 km
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