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BMW X3 2.0i gegen VW Tiguan 1.4 TSI

Born to be mild

Foto: Hans-Dieter Seufert 35 Bilder

Eher selten zieht es kompakte SUV ins Gelände. Meist ist der BMW X3 als Kombi- oder Van-Alternative unterwegs. Mit dem Tiguan bringt VW in dieses Segment einen Gegenvorschlag ein. 

21.12.2007 Marcus Peters

Van folgte auf Kombi, SUV nun auf Van. Diese Erfolgsreihe widerlegt alle, die mit Beginn der Verbrauchs-Diskussion der multifunktionalen Variante des Geländewagens baldiges Siechtum vorausgesagt hatten. Im Gegenteil: Allrad-Modelle wie der VW Tiguan ziehen als repräsentative Familienautos verstärkt in die Wohngebiete ein.
Dort, wo der BMW X3 schon seit Längerem heimisch ist. Sowohl VW Tiguan 1.4 TSI
als auch BMW X3 2.0i sind geeignet, den Familienfrieden zu wahren: Der Dame des Hauses vermittelt die hohe Sitzposition das Gefühl, beschützt und sicher zu sein. Dem Manne suggeriert der Gelände-Appeal Abenteuer und Freiheit. Und die Kinder genießen den Ausblick vom Hochsitz der Rückbank oder nutzen die Klapptische an den Lehnen der Vordersitze als Spielfläche.

Die hintere Sitzbank des Tiguan lässt sich sogar in der Länge verschieben und die Lehne des Beifahrersitzes umlegen – für extralanges Transportgut. Kleinkram dagegen wandert in Fächer unter dem Ladeboden. Dieser liegt allerdings so hoch, dass die Kante für kleine Personen bereits eine schwere Hürde darstellt.
Der Kofferraum des BMW ist größer und besser zugänglich. Gurte, Wannen, Netze und Matten lassen sich als Zubehör bestellen, Halterungen für Sportgeräte ebenso. Speziell in der Stadt vermitteln die üppigeren Glasflächen und das limousinenähnliche Armaturenbrett eine bessere Übersicht – hingegen fühlen sich die vorne Sitzenden im VW eingemauert.

Einfache Instrumente für einfache Bedienung: Der X3 ist noch ein BMW traditionellen Stils und verzichtet sowohl auf i-Drive als auch auf eine elektronische Parkbremse oder einen Startknopf. Außerdem ist sein Tempomat noch wie früher vom Multifunktionslenkrad aus zu aktivieren.
VW setzt auf die zwiespältige Errungenschaft der elektrischen Parkbremse: Sie ist via Knopf bedienbar und sorgt für einen aufgeräumten Kardantunnel, lässt sich aber nicht annähernd so intuitiv einsetzen wie ein Handbremshebel. Daran ändert auch die Autohold Funktion nichts; sie verhindert ein Zurückrollen am Berg beim Lösen.

Weitere Helferlein sind bestellbar: Für alle, die mit dem Allradler tatsächlich ins Gelände ausrücken möchten, gibt es das Paket Offroad-Technik (94 Euro). Es beinhaltet Bergabfahrassistent, digitalen Kompass sowie Reifendruck-Kontrollanzeige. Zudem regelt die Elektronik beim Anfahren die Motordrehzahl. Wichtiger ist im 4×4-Einsatz jedoch die Wahl der richtigen Variante: Als „Track and Field“ liefert VW den Tiguan mit einer angeschrägten Front, was den Böschungswinkel erhöht.
Der Testwagen dagegen setzt als „Sport and Style“ mit 17-Zoll-Alufelgen eher auf den Onroad- Gebrauch. Basis der Traktionskünste ist eine Haldex-Kupplung; weitere Kletterhilfen wie etwa ein Untersetzungsgetriebe oder zuschaltbare Sperren gibt es nicht. Dafür darf der Tiguan mehr laden und mit Anhängerkupplung (750 Euro Aufpreis) mehr ziehen als der X3 (Anhängerkupplung: 770 Euro).

Zudem trägt er bereits serienmäßig eine Reling auf dem Dach (BMW: 230 Euro). Seinen kleinen Ausstattungsnachteil macht der BMW im Sicherheitskapitel mehr als wett: Zweistufige Frontairbags und einen optionalen Telematik-Notruf hat er dem VW voraus.
Hier wird der X3 der Erwartungshaltung an seinen hohen Preis von 34 900 Euro für den Basis-Benziner ebenso ge- recht wie bei der Auswahl der Materialien – Hartplastik verkneifen sich die Münchner sogar im Fuß- oder Kofferraum. Gleichwohl will das BMW-typische Luxus-Ambiente mit Holz- oder Aluleisten sowie Ledergarnitur über Optionen teuer erkauft werden – ebenso wie die elektrisch verstellbaren Komfortsitze des Testwagens (2110 Euro). Da diese in die Bepunktung einfließen, werden sie zum bewerteten Grundpreis des X3 2.0i addiert.
So schnellt er in die Premium-Höhe von 37 010 Euro und liegt fast 10 000 Euro über dem Tiguan 1.4 TSI Sport and Style. Damit hat der BMW das Kostenkapitel verloren, zumal er bei der Versicherung höher eingestuft wird. Einzig an der Tankstelle schont der X3 den Geldbeutel seines Eigentümers stärker als der Tiguan. Mit seinem kleinen, per Kompressor und Turbo aufgeladenen Vierzylinder benötigt der VW im Schnitt einen halben Liter mehr Kraftstoff auf 100 Kilometer. Doch nicht allein das stellt das Downsizing-Konzept im Tiguan in Frage.

Trotz seiner 150 PS wirkt der 1,4-Liter bemüht, wenn er den hohen 1,7-Tonner in Fahrt bringen muss, und drückt seinen Unmut auf der Autobahn durch Vierzylinder-Dröhnen aus. In der Stadt dagegen irritiert die ungleichmäßige Gasannahme, was sich auch in Ruckeln nach dem Schalten äußert.
Positiv wirkt sich die doppelte Aufladung nur beim Durchzug aus: In dieser Disziplin hängt der Tiguan den X3 ab. Dessen deutlich sanfter laufender Vierzylinder wird der BMW-typischen Fahrdynamik ebenso wenig gerecht.

Er will durch fleißiges Schalten mit dem nicht gerade exakten Sechsganggetriebe bei Drehzahl gehalten werden, soll es flott vorwärts gehen. In einem SUV von fast 1,8 Tonnen sind 150 PS nicht mehr als eine Mindestmotorisierung.

Dynamik bietet erst das BMW-Fahrwerk.

Die präzise Lenkung informiert detailliert über die anliegenden Haftverhältnisse an den Rädern. Wenn schon nicht der Motor, so hinterlässt doch wenigstens die Federung den Eindruck von Sportlichkeit. Gemessen an der Höhe des X3 ist seine Karosserieneigung in Kurven gering – das hat seinen Preis: Lange Bodenwellen schießen als unangenehme Stöße in die Rücken der Passagiere. Eine echte Komfort-Einbuße.
Der VW kokettiert nicht mit straffer Sportlichkeit, er federt stattdessen die meisten Unebenheiten klaglos weg. Und bleibt dem BMW dennoch selbst auf kurvigen Sträßchen beharrlich auf den Fersen. Auch die Fahrdynamik- Tests weisen ihn als nahezu ebenbürtig und beim Bremsen sogar als besser aus.

Offensichtlich ist Agilität nicht zwangsläufig mit einer unnachgiebigen Federung gekoppelt. Abgesehen von seinem ruckelnden Antrieb und dem hohen Verbrauch erlaubt sich der deutlich günstigere Tiguan keine großen Schwächen. Damit ist er eine perfekte Alternative für Familien, denen das Leben in einem Kombi oder Van zu langweilig ist.

Fazit

1. VW Tiguan 1.4 TSI Sport & Style
465 Punkte

Bis auf seinen unwilligen Motor ist der Tiguan ein rundum gelungener Kompakt-SUV. Sein Federungskomfort ist erstaunlich gut, zumal der VW gleichzeitig über hohe Agilität verfügt.

2. BMW X3 2.0i
428 Punkte

Der X3 ist einseitig auf sportliches Fahrverhalten getrimmt, was ihm das Komfortkapitel gründlich verhagelt. Auch bei den Kosten hat er gegen den günstigeren Tiguan keine Chance.

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Technische Daten
VW Tiguan 1.4 TSI 4MotionBMW X3 xDrive20i
Grundpreis29.425 €35.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4427 x 1809 x 1683 mm4569 x 1853 x 1674 mm
KofferraumvolumenVDA470 bis 1510 L480 bis 1560 L
Hubraum / Motor1390 cm³ / 4-Zylinder1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (240 Nm)110 kW / 150 PS (200 Nm)
Höchstgeschwindigkeit192 km/h198 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h9,6 s11,5 s
Verbrauch8,3 L/100 km9,0 L/100 km
Testverbrauch11,5 L/100 km11,2 L/100 km
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