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BMW M4 DTM für Alex Zanardi

Spezial-Technik für DTM-Handwerker

Alex Zanardi - BMW M4 DTM - Technik - 2018 Foto: BMW 15 Bilder

Für den Gaststart von Alex Zanardi in Misano hat BMW seinen DTM-Renner umfangreich umgebaut. Wir zeigen die technischen Modifikationen im Detail und haben Bilder der ersten Testrunden in Vallelunga.

07.08.2018 Tobias Grüner

Bei BMW hat man schon Erfahrung beim Umbau von Sport- und Tourenwagen für Alex Zanardi. Der italienische Rennfahrer, der bei einem Unfall 2001 auf dem Lausitzring beide Beine verlor, ging für die Bayern zwischen 2005 und 2009 in der Tourenwagen-WM regelmäßig auf Punktejagd. Vor zwei Jahren war der mittlerweile 51-Jährige zuletzt in einem BMW Z4 GT3 beim 24h-Rennen in Spa-Francorchamps am Start.

Nun steht für Zanardi vor einem erneuten Comeback. Beim DTM-Rennen in Misano absolviert der ehemalige F1-Pilot einen Gaststart im M4-Tourenwagen. Für 2019 ist zudem ein Einsatz beim 24h-Rennen in Daytona im M8 GT-Rennwagen geplant. Beide Autos müssen für die speziellen körperlichen Anforderungen umgebaut werden. Nun gewährten die Ingenieure erstmals einen tieferen Einblick in die Modifikationen.

BMW baut neue Hand-Bremse für Zanardi

Alex Zanardi, ams022015, interview Alex Zanardi im Interview Deutsche fahren besser als Italiener

So steht Zanardi bei seinem DTM-Start in Misano zum ersten Mal ein neu entwickeltes Handbremssystem zur Verfügung. Es löst die Kombination aus Bremspedal mit daran fixierter Beinprothese ab, mit der Zanardi bei seinen bisherigen Einsätzen in BMW Rennautos gebremst hat. Vorteil des neuen Systems ist, dass es weniger Kraftaufwand erfordert und somit deutlich leichter zu handhaben ist.

Der Bremshebel befindet sich rechts neben dem Fahrer im Bereich der Mittelkonsole. Die Bremsleitungen wurden verlängert und vom Fußraum dorthin verlegt, wodurch die Pedalbox mit Gas-, Brems- und Kupplungspedal wegfällt. Der Fußraum in Zanardis BMW M4 DTM ist leer.

Die Größe der Bremszylinder wurde leicht angepasst, damit Zanardi mit der Hand nicht genauso viel Druck aufbringen muss wie ein gewöhnlicher DTM-Fahrer mit dem Fuß, um die erforderliche Bremswirkung zu erzielen. Drückt ein gewöhnlicher Fahrer 100 bis 120 Kilogramm, reichen bei Zanardi maximal 70 Kilogramm aus.

Neben der Größe der Bremszylinder erleichtert auch die bessere Hebelwirkung des Handbremshebels den Bremsvorgang. Damit das neue System funktioniert, haben die BMW Motorsport Ingenieure die Funktionsweise der Bremszylinder umgekehrt. Während das Bremspedal in einem normalen BMW M4 DTM Zugkraft auf den Bremszylinder ausübt, erzeugt der Handbremshebel in Zanardis Fahrzeug Druck auf den Zylinder.

Automatische Fliehkraft-Kupplung

Alex Zanardi - BMW M4 DTM - Technik - 2018 Foto: BMW
Geschaltet wird wahlweise am Lenkrad oder am Bremshebel.

Die Kupplung wurde ebenfalls modifiziert. In einem gewöhnlichen DTM-Fahrzeug nutzen die Fahrer für den Rennstart und das Anfahren eine hydraulische Kupplung. In Zanardis Fahrzeug kommt dagegen eine vollautomatische Fliehkraftkupplung zum Einsatz. Diese öffnet und schließt bei bestimmten Drehzahlen automatisch und muss nicht mehr vom Fahrer betätigt werden. Die passenden Drehzahlen werden von den Ingenieuren in akribischer Abstimmungsarbeit festgelegt.

Für Zanardi hat das System den großen Vorteil, dass er mit einer seiner beiden Hände nicht auch noch einen Kupplungshebel bedienen muss. Erste Tests mit der Fliehkraftkupplung verliefen sehr positiv. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist vergleichbar schnell wie mit dem herkömmlichen System.

Auch bei der Schaltung haben die BMW-Ingenieure Hand angelegt. Grundsätzlich kann Zanardi die Gänge im BMW M4 DTM genauso über die Schaltwippen am Lenkrad wechseln wie seine Fahrerkollegen. Dazu ist in keinem modernen DTM-Fahrzeug das Betätigen einer Kupplung mehr erforderlich. Zum Hochschalten der Gänge nutzt Zanardi wie alle anderen Fahrer die Schaltwippe auf der rechten Seite des Lenkrads.

Runterschalten kann er bei Bedarf ebenfalls ganz normal an der entsprechenden Schaltwippe. Da dieser Vorgang allerdings in der Regel mit einer Bremsung verbunden ist, für die er die rechte Hand benötigt, kann Zanardi zudem über eine Schaltwippe am Kopf des Bremshebels durch die Gänge herunterschalten.

Gas-Ring am M4-Lenkrad

Alex Zanardi - BMW M4 DTM - Technik - 2018 Foto: BMW
Auf der Strecke in Vallelunga drehte Zanardi die ersten Testrunden.

Das System, mit dem Zanardi im BMW M4 DTM Gas gibt, wurde aus den GT-Fahrzeugen, die zuvor für ihn umgebaut worden waren, übernommen. Die Beschleunigung erfolgt über das Ziehen mit den Fingern an einem Gasring auf der Rückseite des Lenkrads. Der durchgehende Ring kann mit beiden Händen bedient werden oder nur mit links oder rechts. Das spielt für das Funktionieren des Systems keine Rolle. Der Gasring wird über die gleichen Sensoren gesteuert wie das normale Gaspedal.

Das Lenkrad inklusive des Gasrings ist im Prinzip das gleiche, das in den GT-Fahrzeugen, die Zanardi bereits gefahren ist, eingesetzt wurde. Für das DTM-Gastspiel wurde lediglich die Belegung der Knöpfe angepasst. Es kam zum Beispiel ein DRS-Knopf hinzu, dafür haben die Drehknöpfe im unteren Bereich, über die im GT-Fahrzeug Fahrhilfen wie ABS eingestellt werden, im BMW M4 DTM keine Funktion.

Im italienischen Vallelunga drehte Zanardi am Dienstag (7.8.2018) die ersten Testrunden mit seinem umgebauten DTM-Renner. In der Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder der Probefahrt und die technischen Modifikationen im Detail.

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