DTM

Audi spielt Verstecken

Foto: DTM 7 Bilder

Erst ließ sich Audi lange bitten, um überhaupt bei den gemeinsamen Testfahrten in Spa zu erscheinen, dann fuhr der neue A4 gnadenlos hinterher. Für Aufsehen sorgten Tom Kristensen und Frank Stippler, die ihre Vorjahresautos in die Reifenstapel warfen.

Audi entwickelt sich in nur einem Jahr vom Anfänger zum obersten Geheimniskrämer des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM). Die Herren der Ringe treiben mit der Konkurrenz und der Öffentlichkeit ein Versteckspiel, bei dem selbst paranoide Formel 1-Teamchefs noch etwas lernen könnten.

Der neue A4 DTM, der intern die Bezeichnung R12 trägt, hat bereits zwei große Tests hinter sich. Wenn es um die Örtlichkeit geht, spricht man bei den Audianern immer von einer Rennstrecke in "Südeuropa". Tatsächlich handelt es sich um den Kurs im spanischen Almeria. Konkurrent Opel hatte schon beim ersten Test des neuen Audi einen kompletten Satz Fotos, Mercedes schickte seine Bilder-Spione zum zweiten Ausflug.

Zusage erst nach heftiger Debatte

Bei den aktuellen Testfahrten im belgischen Spa wollten sich die Mannen von Sportchef Wolfgang Ullrich überhaupt nicht blicken lassen. Erst nach einer heftigen Debatte in einer ITR-Sitzung bequemte sich der Meister des Vorjahres, seine Zusage zu geben. Allerdings schickte Audi nur ein neues Auto nach Belgien.

Der neue DTM-Renner basiert optisch auf der neuen A4-Generation und ist vor allem an seinem "Singleframe"-Kühlergrill zu erkennen. Der Vierliter-V8 verfügt im unteren und mittleren Drehzahlbereich über mehr Leistung, die Aerodynamik ist stark überarbeitet. Gewichtsverteilung und Schwerpunkt sind verbessert worden.

Wunder-Audi auf dem letzten Platz

Beobachter in Spa durften sich wundern, warum der geheime Wunder-Audi so langsam war. Martin Tomczyk fehlten auf die Bestzeit von Heinz-Harald Frentzen im Opel glatte fünf Sekunden. Zweiter war Jamie Green im Mercedes mit vier Zehnteln Rückstand. Bester Audi-Mann war Christian Abt mit einem Rückstand von 0,9 Sekunden. Der Allgäuer war allerdings ebenso in einem Vorjahresauto unterwegs wie Tom Kristensen, der am Vormittag in Blanchimont mit Tempo 200 von der Strecke abkam und in die Begrenzung krachte. Kristensen blieb unverletzt, das Auto ist reparabel. Mit Tempo 230 ging an gleicher Stelle am zweiten Tag wegen Aquaplanings Frank Stippler ab. Stippler musste mit einer Schnittwunde an der Hand ins Krankenhaus, das Chassis ist schwer beschädigt.

Trotz der mäßigen Rundenzeiten am Dienstag verkündete Tomczyk: "Wir haben unser Testprogramm so durchgezogen, wie wir es uns vorgestellt haben." Dass bei den DTM-Tests geblufft wird, hat Tradition. Erst beim Qualifying in Hockenheim werden Fahrer und Fans wissen, wie das wahre Kräfteverhältnis aussieht.

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