Atlis XT Elektro-Pick-up Atlis Motor Vehicles
Atlis XT Elektro-Pick-up
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Atlis XT Elektro-Pick-up (2020)

Als Doppellader und mit 800 Kilometern Reichweite

Immer mehr Start-ups kündigen Pick-ups mit Elektroantrieb an. Nun tritt Atlis auf den Plan, und die Eckdaten zum Ladeflächen-Modell XT klingen sehr verheißungsvoll. Zumal der Hersteller weit über das reine Auto hinausdenkt.

Elektro-Pick-ups sind gerade ein ganz heißes Thema in der US-Autoindustrie. Nicht bei den großen Konzernen Ford, General Motors und Fiat-Chrysler; die halten vorerst an ihren Ladeflächen-Modellen mit drehmomentstarken Verbrennern fest. Aber bei Tesla zum Beispiel, das seinen Pick-up im Jahr 2021 auf den Markt bringen möchte. Dann gibt es noch einige Start-ups, die Ähnliches planen. Bollinger entwickelt gerade den B2 zur Serienreife. Auch beim Rivian RT1 EV befindet sich das Konstruktions-Team eigenen Angaben zufolge auf der Zielgeraden. Beide Autos sollen 2020 auf den Markt kommen.

09/2019, Bollinger B2
E-Auto

Drei Batterieoptionen, Reichweite bis 805 km

Und dann gibt es seit November 2016 noch die Firma Atlis Motor Vehicles. Deren Gründer und Geschäftsführer Mark Hanchett fing im Januar 2014 an, sich Gedanken über einen elektrisch angetriebenen Pick-up zu machen. Außerdem über die passende Infrastruktur und ein Geschäftsmodell, mit dem sich dann auch Geld verdienen lässt. Nun wurde mit dem Atlis XT das Ergebnis präsentiert, das ebenfalls 2020 – im Dezember – auf den Markt kommen soll.

Die Eckdaten des XT sind verheißungsvoll. Es soll ihn mit drei Batterieoptionen geben. Nähere Angaben dazu bleibt Atlis noch schuldig, aber die Akkus sollen Reichweiten von bis zu 483, 644 oder 805 Kilometern zulassen. Die Elektromotoren sollen den Pick-up in fünf Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h) und auf maximal 193 km/h beschleunigen. Bei voller Ausnutzung des zulässigen Gesamtgewichtes soll der 0-auf-60-mph-Sprint immer noch in 18 Sekunden möglich sein. Das ist beeindruckend, schließlich strebt Atlis ein zulässiges Gesamtgewicht inklusive etwaigem Anhänger von knapp 16 Tonnen an. Ist der XT komplett aufgerüstet, zum Beispiel mit einer Sattelaufliegerkupplung auf der Ladefläche und Zwillingsbereifung hinten, soll er bis zu neun Tonnen an den Haken nehmen können. Die Zuladung für den XT selbst liegt bei knapp 2,3 Tonnen.

Allradantrieb und anpassungsfähiges Luftfahrwerk

Tesla Model Y
Alternative Antriebe

Um das zu bewältigen, ist Allradantrieb von Vorteil. Atlis stellt diesen sicher, indem jedes Rad mit einem Elektromotor ausgerüstet wird. Pro Achse gibt es ein Getriebe mit festem Gang. Die Räder sind einzeln aufgehängt. Die Luftfederung senkt den Pick-up nicht nur ab, wenn er beladen wird, sondern reagiert automatisch auf den Beladungszustand und stellt sicher, dass die Bodenfreiheit stets gut 30 Zentimeter beträgt. Optional kann der XT aber auch mit einem Offroad-Fahrwerk ausgerüstet werden, das die Bodenfreiheit auf 38 Zentimeter erhöht.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Atlis XT ist sein Gepäckraum unter der Fronthaube, in den Firmenangaben zufolge zwei große Koffer passen. Zur einfachen Beladung lässt sich der Bereich, in dem bei Verbrenner-Pick-ups der Kühlergrill sitzt, nach unten klappen. Außerdem gibt es hier zwei Stromanschlüsse, um beispielsweise Werkzeug zu betreiben. Die Ladefläche kann mit einem Druckluft-Anschluss samt Luftkompressor ausgerüstet werden und ist entweder 1,98 oder 2,44 Meter lang.

Der Atlas XT soll irgendwann autonom fahren

Aktuelle Pick-up-Trucks sind ja eher robuste Low-Tech-Nutzfahrzeuge. Atlis hat einen anderen Anspruch, der sich unter anderem durch die Verwendung von Kameras statt Außenspiegeln manifestiert. Deren Bilder werden auf zwei Monitore neben dem Lenkrad projiziert. Doch damit nicht genug der Kameras. Es gibt welche an den Anhängerkupplungen, um Trailer sicher aufzunehmen. Weitere Linsen blicken nach vorne und um Ecken. Langfristig soll der XT kontinuierlich derart aufgerüstet werden können, dass er auf Level 5 autonom fährt – und zwar auch, wenn er sich schon in Kundenhand befindet, und zwar per Software-Update. Anfangs muss ein Abstandsregeltempomat als serienmäßige elektronische Fahrhilfe reichen. Optional gibt es Assistenten zum Einparken und Spurhalten.

Atlis XT Elektro-Pick-up
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Digitale Instrumente, XXL-Touchscreen: der Innenraum des Atlis XT.

Die zentrale Infotainment-Einheit ist ein großer Touchscreen mit Dreh-Rückstell-Knopf. Über ihn lassen sich die Fahrzeugfunktionen – darunter Heizung und Kühlung – ebenso steuern wie Smartphones per Apple Carplay oder Android Auto. Auch die Instrumente sind digital ausgeführt. Insgesamt ist das Interieur eher funktional ausgestattet; gegen Aufpreis sind die Sitze jedoch mit Leder statt Stoff bezogen und die Vinyl-Landschaft mit Teppich ausgekleidet. Wie in den USA üblich gibt es mehrere Fahrerhaus-Varianten: Die kleinere Extended Cab bietet hinten Notsitze, während die große Crew Cab den Atlis XT zum echten Viersitzer macht.

Die Schnellladesäule ist eine Eigenentwicklung

Atlis XT Elektro-Pick-up
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15 Minuten Ladezeit, und die Batterie ist voll - verspricht Atlis jedenfalls.

Doch Atlis denkt über das eigentliche Auto hinaus. Mit der derzeitigen Ladeinfrastruktur ist die Firma zum Beispiel unzufrieden; sie sei bruchstückhaft, kompliziert und zeitaufwändig. Deshalb hat Atlis eine eigene Schnellladesäule entwickelt, an der der XT Stand heute in 15 und in Zukunft – die Firma nennt 2025 als Zieljahr – in nur fünf Minuten aufgeladen werden soll. Die Bezahlung soll vereinfacht werden, indem Kunden pro Jahr eine Einmalzahlung leisten und daraufhin uneingeschränkten Zugang zu den Ladesäulen erhalten, die wiederum direkt mit dem Auto kommunizieren und darüber den Kunden erkennen.

Schließlich will Atlis seine Plattform auf dem freien Markt anbieten. Wer also elektrisch angetriebene Wohnmobile, Vans, Pick-ups, Lastwagen oder andere Fahrzeuge anderer Kategorien bauen möchte, kann das Chassis samt darin integrierter Batterie kaufen. Wer sich für den fertigen XT-Pick-up entscheidet, muss ihn nicht zwangsläufig für Preise ab 45.000 Dollar (aktuell etwa 39.300 Euro) kaufen. Er kann sich für mindestens 700 Dollar (gut 610 Euro) monatlich ein Abonnement gönnen, das Laden, Wartung und Versicherung sowie ein neues Auto alle drei, fünf oder sieben Jahre umfasst. Anfangs möchte Atlis, das eine Zehn-Jahres-Garantie für seinen Pick-up anstrebt, mit unabhängigen Werkstätten zusammenarbeiten, wenn der XT mal gewartet oder repariert werden muss. Je nach Wachstum der Firma will man aber beizeiten ein eigenes Servicenetz auf die Beine gestellt haben.

Um das Kapital dafür zu beschaffen, beschreitet Atlis mehrere Wege. Einer davon ist Crowdfunding. Die aktuelle Kampagne auf der Plattform StartEngine startete im März 2018 mit 10.000 Dollar und steht etwa einen Monat vor Schluss bei der angestrebten Million Dollar – mit einem Investment von mindestens 203 Dollar ist man dabei. Reservieren kann man den XT oder dessen Plattform natürlich auch.

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Fazit

Ob man das fertige Auto dann auch wirklich erhält, muss freilich die Zukunft zeigen. Atlis hat sich sehr viel vorgenommen und verspricht für den XT Dinge, die zu schön scheinen, um wahr zu sein. Mark Hanchett wäre nicht der erste Gründer eines E-Auto-Start-ups, der viel will und sich damit übernimmt. Andererseits ist sein ganzheitlicher Ansatz anerkennenswert. Irgendwie erinnert das Ganze an Elon Musk und Tesla vor rund 15 Jahren. Man darf gespannt sein, in welche Richtung Atlis nun abbiegt.

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