Atlis XT Elektro-Pick-up Atlis Motor Vehicles
Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis XT Elektro-Pick-up 23 Bilder

Atlis XT 2021: Elektro-Pickup mit 800 km Reichweite

Atlis XT Elektro-Pickup (2021) Für 45.000 Dollar und mit bis zu 800 km Reichweite

Immer mehr Start-ups kündigen Pickups mit Elektroantrieb an. Zu ihnen gehört auch der US-Hersteller Atlis, und die Eckdaten zum Ladeflächen-Modell XT klingen sehr verheißungsvoll. Zumal der Hersteller weit über das reine Auto hinausdenkt.

Elektro-Pickups sind gerade ein ganz heißes Thema in der US-Autoindustrie. Nicht nur bei den großen Konzernen Ford, General Motors und Fiat-Chrysler. Schon vor einiger Zeit kündigte Tesla mit großem Brimborium seinen Cybertruck an. Dann gibt es noch einige Startups, die Ähnliches planen. Bollinger entwickelt gerade den B2 zur Serienreife. Auch beim Rivian R1T EV befindet sich das Konstruktions-Team eigenen Angaben zufolge auf der Zielgeraden. Bei beiden Modellen soll die Markteinführung nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Drei Batterieoptionen, Reichweite bis 805 km

Und dann gibt es seit November 2016 noch die im US-Bundesstaat Arizona ansässige Firma Atlis Motor Vehicles. Deren Gründer und Geschäftsführer Mark Hanchett fing im Januar 2014 an, sich Gedanken über einen elektrisch angetriebenen Pickup zu machen. Außerdem über die passende Infrastruktur und ein Geschäftsmodell, mit dem sich dann auch Geld verdienen lässt. Das Ergebnis ist der Atlis XT, der 2021 auf den Markt kommen soll. Und zwar zu Preisen ab 45.000 Dollar (umgerechnet gut 37.000 Euro).

Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis Motor Vehicles
2021 soll mit dem Atlis XT ein weiterer Elektro-Pickup auf den Markt kommen.

Die Eckdaten des XT sind verheißungsvoll. Es soll ihn mit drei Batterieoptionen geben, die alle mit speziell auf die Anforderungen von Elektroautos optimierten Zellen ausgerüstet sind. Die kleinste von ihnen bietet eine Kapazität von 125 Kilowattstunden. Die Akkupakete sollen Reichweiten von bis zu 483, 644 oder 805 Kilometern zulassen. Die Elektromotoren sollen den Pick-up in fünf Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h) und auf maximal 193 km/h beschleunigen. Bei voller Ausnutzung des zulässigen Gesamtgewichtes soll der 0-auf-60-mph-Sprint immer noch in 18 Sekunden möglich sein.

Allradantrieb und anpassungsfähiges Luftfahrwerk

Das ist beeindruckend, schließlich strebt Atlis ein zulässiges Gesamtgewicht inklusive etwaigem Anhänger von knapp 16 Tonnen an. Ist der XT komplett aufgerüstet, zum Beispiel mit einer Sattelaufliegerkupplung auf der Ladefläche und Zwillingsbereifung hinten, soll er bis zu neun Tonnen schwere Anhänger schleppen können. An die normale Anhängerkupplung nimmt er bis zu 7,7 Tonnen schwere Trailer. Die Zuladung für den XT selbst liegt bei knapp 2,3 Tonnen.

Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis Motor Vehicles
Atlis will seine Skateboard-Plattform namens "XP" auch anderen Herstellern anbieten.

Um das zu bewältigen, ist Allradantrieb von Vorteil. Atlis stellt diesen sicher, indem jedes Rad mit einem Elektromotor ausgerüstet wird. Pro Achse gibt es ein Getriebe mit festem Gang. Die Räder sind einzeln aufgehängt. Die Luftfederung senkt den Pickup nicht nur ab, wenn er beladen wird, sondern reagiert automatisch auf den Beladungszustand und stellt sicher, dass die Bodenfreiheit stets gut 30 Zentimeter beträgt. Optional kann der XT aber auch mit einem Offroad-Fahrwerk ausgerüstet werden, das die Bodenfreiheit auf 38 Zentimeter erhöht.

Kofferraum unter der Fronthaube

Ein Alleinstellungsmerkmal des Atlis XT ist sein Gepäckraum unter der Fronthaube, in den Firmenangaben zufolge zwei große Koffer passen. Zur einfachen Beladung lässt sich der Bereich, in dem bei Verbrenner-Pickups der Kühlergrill sitzt, nach unten klappen. Außerdem gibt es hier zwei Stromanschlüsse, um beispielsweise Werkzeug zu betreiben. Die Ladefläche kann mit einem Druckluft-Anschluss samt Luftkompressor ausgerüstet werden und ist entweder 1,98 oder 2,44 Meter lang.

Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis Motor Vehicles
Die Ladefläche bietet Atlis in unterschiedlichen Längen an.

Aktuelle Pickup-Trucks sind ja eher robuste Low-Tech-Nutzfahrzeuge. Atlis hat einen anderen Anspruch, der sich unter anderem durch die Verwendung von Kameras statt Außenspiegeln manifestiert. Deren Bilder werden auf zwei Monitore neben dem Lenkrad projiziert. Doch damit nicht genug der Kameras. Es gibt welche an den Anhängerkupplungen, um Trailer sicher aufzunehmen. Weitere Linsen blicken nach vorne und um Ecken.

Der Atlas XT soll irgendwann autonom fahren

Langfristig soll der XT kontinuierlich derart aufgerüstet werden können, dass er auf Level 5 autonom fährt – und zwar auch, wenn er sich schon in Kundenhand befindet, und zwar per Software-Update. Anfangs muss ein Abstandsregel-Tempomat als serienmäßige elektronische Fahrhilfe reichen. Optional gibt es Assistenten zum Einparken und Spurhalten.

Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis Motor Vehicles
Digitale Instrumente, XXL-Touchscreen: der Innenraum des Atlis XT.

Die zentrale Infotainment-Einheit ist ein großer Touchscreen mit Dreh-Rückstell-Knopf. Über ihn lassen sich die Fahrzeugfunktionen – darunter Heizung und Kühlung – ebenso steuern wie Smartphones per Apple Carplay oder Android Auto. Auch die Instrumente sind digital ausgeführt. Insgesamt ist das Interieur eher funktional ausgestattet; gegen Aufpreis sind die Sitze jedoch mit Leder statt Stoff bezogen und die Vinyl-Landschaft mit Teppich ausgekleidet. Wie in den USA üblich gibt es mehrere Fahrerhaus-Varianten: Die kleinere Extended Cab bietet hinten Notsitze, während die große Crew Cab den Atlis XT zum echten Viersitzer macht.

Die Schnellladesäule ist eine Eigenentwicklung

Doch Atlis denkt über das eigentliche Auto hinaus. Mit der derzeitigen Ladeinfrastruktur ist die Firma zum Beispiel unzufrieden; sie sei bruchstückhaft, kompliziert und zeitaufwändig. Deshalb hat Atlis eine eigene Schnellladesäule entwickelt, an der der XT Stand heute in 15 und in Zukunft – die Firma nennt 2025 als Zieljahr – in nur fünf Minuten aufgeladen werden soll. Die Bezahlung soll vereinfacht werden, indem Kunden pro Jahr eine Einmalzahlung leisten und daraufhin uneingeschränkten Zugang zu den Ladesäulen erhalten, die wiederum direkt mit dem Auto kommunizieren und darüber den Kunden erkennen.

Atlis XT Elektro-Pick-up
Atlis Motor Vehicles
15 Minuten Ladezeit, und die Batterie ist voll - verspricht Atlis jedenfalls.

Schließlich will Atlis seine Skateboard-Plattform (sie heißt "XP) auf dem freien Markt anbieten. Wer also elektrisch angetriebene Wohnmobile, Vans, Pickups, Lastwagen oder Fahrzeuge anderer Kategorien bauen möchte, kann das Chassis samt darin integrierter Batterie kaufen. Wer sich für den fertigen XT-Pickup entscheidet, muss ihn nicht zwangsläufig kaufen. Er kann sich für mindestens 700 Dollar (gut 610 Euro) monatlich ein Abonnement gönnen, das Laden, Wartung und Versicherung sowie ein neues Auto alle drei, fünf oder sieben Jahre umfasst. Anfangs möchte Atlis, das eine Zehn-Jahres-Garantie für seinen Pick-up anstrebt, mit unabhängigen Werkstätten zusammenarbeiten, wenn der XT mal gewartet oder repariert werden muss. Je nach Wachstum der Firma will man aber beizeiten ein eigenes Servicenetz auf die Beine gestellt haben.

Umfrage

32378 Mal abgestimmt
Ein rein elektrischer Pickup - kann das funktionieren?
Ja, ein Elektroantrieb ist offroad und zum Ziehen von Lasten super.
Nein, wahrscheinlich zu schwer, zu teuer, zu geringe Reichweite.

Fazit

Atlis hat sich sehr viel vorgenommen und verspricht für den XT Dinge, die zu schön scheinen, um wahr zu sein. Mark Hanchett wäre nicht der erste Gründer eines E-Auto-Startups, der viel will und sich damit übernimmt. Andererseits ist sein ganzheitlicher Ansatz anerkennenswert. Irgendwie erinnert das Ganze an Elon Musk und Tesla vor rund 15 Jahren. Man darf gespannt sein, in welche Richtung Atlis nun abbiegt.

Mehr zum Thema Elektroauto
Mitsubishi ASX, Subaru XV Vergleichstest, ams 0121
Citroen e-Berlingo, Elektro-Kastenwagen
E-Auto
Kia EV Lineup
Politik & Wirtschaft