Audi E-Tron 55 Sportback (2020)

Elektrisches SUV-Coupé im ersten Check

Audis neues E-Auto ist ziemlich elegant geraten, so viel lässt sich nach dem Erstkontakt feststellen. Zudem gar nicht mal so unpraktisch – und technisch fortschrittlicher als das Modell, von dem er abstammt.

Die Ausmaße sind dieselben wie beim E-Tron Quattro? „Defintiv“, antworten die Audi-Leute auf die ungläubigen Fragen der Journalisten bei der Premiere des E-Tron Sportback. Das überrascht, denn beim Erstkontakt wirkt die Coupé-Variante um Einiges zierlicher als der bekannte, als klassischer SUV konzipierte E-Tron. Ein Blick in die Daten bestätigt diese Aussage. Länge und Breite sind identisch, nur bei der Höhe fehlen dem Sportback 13 Millimeter.

Schöner und windschlüpfiger als der Standard-E-Tron

Mehr noch: Bis hinauf zur Gürtellinie sollen die Autos identisch sein. Ebenso von vorne bis zur B-Säule, weshalb beim Sportback auch die vorderen Türen des E-Tron Quattro verwendet werden können. SUV und SUV-Coupé unterscheiden sich also fast ausschließlich im hinteren oberen Quadranten voneinander. Je länger man den Sportback auf sich wirken lässt, umso stärker entsteht der Eindruck, dass hier das schönste aktuell angebotene SUV-Coupé vor einem steht. Und zwar unabhängig von der Marke, Antriebsart und Klassenzugehörigkeit.

Audi E-Tron Sportback
Audi AG
Ist der Sportback der schönere E-Tron? Es lassen sich einige Argumente finden, die diese These stützen.

„Wir haben das Dach eines A7 genommen, auf den Schultern des E-Tron aufgesetzt – und dabei gemerkt, dass das sehr gut funktionieren könnte“, sagt Marc Lichte über den Beginn des Design-Prozesses für das Coupé. Mögen wir dem Audi-Chefdesigner das mal glauben – und honorieren, dass ihm das Sportback-Heck deutlich besser gelungen ist als das des A7 (und zwar sowohl des aktuellen als auch des Vorgängermodells). Sanft fällt die Dachlinie nach hinten ab und mündet in ein Stummelheck, das – sofern das S-Line-Paket geordert wurde – von einer Spoilerlippe akzentuiert wird. Windschlüpfiger als der normale E-Tron ist der Sportback übrigens auch: Beim cW-Wert steht es 0,25 zu 0,27, aber nur mit S-Line-Paket und Kamera-Spiegeln.

Neues S-Line-Paket, bekannter Innenraum

Die Heckleuchten kennen wir vom normalen E-Tron. Anders als das S-Line-Paket, das Audi mit Start des Sportback aber für beide Modellgeschwister anbieten wird. Das macht nicht nur durch das Heckspoilerchen, sondern ebenfalls durch die sportlicher gestaltete Frontschürze mit größeren Luftdurchlässen auf sich aufmerksam. Auch die am Sportback erstmals gezeigten 22-Zoll-Räder werden ihren Weg in die Aufpreislisten aller E-Tron-Ableger finden. Die Fließheck-Variante steht damit ziemlich stämmig da. Auch die 21-Zöller eines zweiten ausgestellten Autos in der neuen Farbe Plasmablau Metallic wirken keineswegs unterdimensioniert.

Audi E-Tron Sportback
Audi E-Tron Sportback Audi E-Tron Sportback Audi E-Tron Sportback Audi E-Tron Sportback 12 Bilder

Doch wie äußern sich die Unterschiede innen? In der ersten Reihe natürlich gar nicht, hier gleichen sich die Autos komplett. Es gibt dasselbe Armaturenbrett mit 12,3-Zoll-Monitor hinter dem Lenkrad, der neben den Instrumenten wahlweise die Navikarte oder andere Fahrhinweise anzeigt. Rechts und links daneben finden sich die horizontal ausgerichteten Luftausströmer, deren mittig installierte Exemplare über zwei weiteren Displays angesiedelt sind. Das untere befehligt unter anderem alle Klima- und Komfortfunktionen, das obere dient wie gehabt als Touchscreen-Kommandozentrale des Infotainmentsystems.

Kaum weniger Platz im Sportback-Fond

Dessen Menüführung ist zwar logisch aufgebaut, aber es stecken nun mal viele Funktionen dahinter. Bis man die alle im eigenen Hirn abgespeichert hat, dürfte der erste Leasingvertrag schon wieder ausgelaufen sein. Dass die optionalen Kamera-Spiegel, die ihre Bilder an zwei weitere Monitore im vorderen Bereich der Türen senden, in der Praxis nicht problemlos funktionieren, wurde bereits in mehreren Tests festgestellt. Aber wenn der Quattro sie hat, muss sie natürlich auch der Sportback bekommen.

Audi E-Tron Sportback
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Die um 20 Millimeter geringere Kopffreiheit merkt man in der Realität kaum.

Größer sind die Differenzen im Fond. Zumindest, wenn man einsteigt: Hier heißt es: Kopf etwas einziehen, sonst macht er Bekanntschaft mit dem früher abfallenden Dach. Sobald man jedoch drin sitzt im E-Tron Sportback, fragt man sich, ob es hier überhaupt Unterschiede gibt beim Platzangebot. Um 20 Millimeter soll die Kopffreiheit hier niedriger sein als im anderen E-Tron, sagen die Audi-Leute. Das erscheint plausibel, hier mangelt es weder in dieser Hinsicht noch an Knie- oder Ellbogenfreiheit. Für die Wohlfühltemperatur der Fondpassagiere ist ebenfalls gesorgt – zumindest dann, wenn die aufpreispflichtige Vierzonen-Klimaautomatik an Bord ist.

448 statt 411 Kilometer Reichweite

Die größten Zugeständnisse erfordert der Audi E-Tron Sportback beim Kofferraum. Dieser ist mit 615 Liter 45 Liter kleiner als der des konventionellen Bruders. Beim Gesamtvolumen steht es 1.655 zu 1.725 Liter. Aber das sollte sich verschmerzen lassen, auch die Sportback-Werte dürften für die meisten Anwendungsfälle ausreichen. Und wer noch mehr Platz braucht, kann ja den 60 Liter großen „Frunk“ nutzen, den zusätzlichen Kofferraum unter der Fronthaube.

Audi E-Tron Sportback
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Der Kofferraum des Sportback ist etwas kleiner als der des Standard-E-Tron.

Wie sich die beim E-Tron Sportback neuen und bald auch für den E-Tron Quattro verfügbaren Effizienz-Optimierungen – am Fahrwerk, bei der Leistungselektronik, größere nutzbare Batteriekapazität, stärker spürbare Rekuperation – in der Realität auf die Reichweite auswirken, müssen die ersten Fahrtests zeigen. Auf dem Papier steigt der Aktionsradius von 411 auf 446 Kilometer.

Matrix-LED-Licht mit großem Sicherheits-Potenzial

Ein großes Versprechen sind nach den ersten Demonstrationen die digitalen Matrix-Scheinwerfer, bei denen ein Chip das LED-Licht in 1,2 Millionen Pixel zerlegt. Damit lassen sich feine Sachen realisieren: Lichtanimationen beim Öffnen und Schließen des Autos zum Beispiel, wobei das Auto erkennt, ob sich vor ihm eine Wand oder eine freie Fläche befindet – und das Schauspiel daran anpasst. Und natürlich ein hellerer Lichtteppich, der dennoch weder den Vorausfahrenden noch den Gegenverkehr blenden soll.

Außerdem kann das System Linien darstellen, die dem Fahrer die Fahrzeugbreite verdeutlichen. Es kann Fußgänger highlighten, damit diese besser wahrgenommen werden. Es kann ein dynamisches Kurvenlicht realisieren, was mit LED-Technik bisher schwierig umzusetzen war. Es kann die Nachbarspur ausleuchten, schon bevor das Auto überhaupt die Spur gewechselt hat. Das Sicherheits-Potenzial der Technik scheint groß zu sein. Es bleibt spannend, ob sich das in der Realität bewahrheitet.

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Fazit

Der Sportback ist der elegantere und fortschrittlichere Audi E-Tron – und gar nicht mal so unpraktisch. Allerdings ist er teurer: Das schwächere 50er Coupé kostet 71.350 Euro, während der SUV unter 70.000 Euro bleibt. Die Preise des stärkeren 55er Modells stehen noch nicht fest. Es ist sowieso noch etwas Geduld gefragt, denn der ab Ende November bestellbare Audi E-Tron Sportback kommt erst im Frühjahr – wahrscheinlich im Februar – in den Handel.

Technische Daten

Audi E-Tron Sportback 55 Quattro Audi E-Tron Sportback 50 Quattro
Grundpreis 83.150 € 71.350 €
Außenmaße 4901 x 1935 x 1616 mm 4901 x 1935 x 1616 mm
Kofferraumvolumen 615 bis 1655 l 615 bis 1655 l
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 190 km/h
Alle technischen Daten anzeigen
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