Konzeptstudie „Imagine by Kia“

Elektroauto mit Emotionen und Sinn für Ironie

03/2019, Imagine by Kia Foto: Kia
Auto Salon Genf 2019

Auf dem Genfer Autosalon zeigt Kia ein Konzeptfahrzeug mit Elektroantrieb. Es präsentiert jene neue Frontansicht, die künftige Elektro-Kias auszeichnen könnte – und fächert im Innenraum nicht weniger als 21 Bildschirme auf.

Für die Elektroauto-Studie „Imagine by Kia“ fällt es schwer, Schubladen zu finden. In Kias Frankfurter Designstudio entstand ein Auto, das in erster Linie eine viertürige Familienlimousine mit Fließheck ist, aber auch Elemente eines SUVs oder Crossovers zeigt. Mit der Studie wollen die Koreaner zeigen, dass E-Mobilität nicht nur rational betrachtet werden muss, sondern auch „wärmer und menschlicher“ (O-Ton Gregory Guillaume, Kias Designchef in Europa) als bisher sein kann. Man solle „die Elektrifizierung aus einem rein emotionalen Blickwinkel“ betrachten.

Imagine by Kia im ersten Check 1:40 Min.

Die Front künftiger Elektroautos von Kia?

Da Elektroautos keinen Kühlergrill benötigen, genau dieser aber Kias Markenzeichen ist (Stichwort: Tigernase), hat Guillaumes Designteam einen Kniff angewendet: Die charakteristische, sich innen verjüngende Form wird beim Imagine von Lichtbändern nachgezeichnet, die außen die beiden LED-Scheinwerfer umranden. Diese wiederum bestehen aus einteiligen Acrylglas-Blöcken, in denen Abblend- und Fernlicht durch horizontale Leuchtstreifen getrennt sind. Guillaume zufolge könnte diese Lichtsignatur das Erkennungszeichen künftiger Kia-Elektroautos werden. Die schmalen, sich weit in die hinteren Kotflügel ziehenden Rückleuchten erinnern an jene des Kia Stinger.

Eine weitere Eigenheit des Imagine by Kia sind die fächerförmig geriffelten Strukturen an den vorderen Lufteinlässen und an den Flanken. Und die 22-Zoll-Felgen mit jeweils vier Einsätzen aus transparentem, außen glatt poliertem Acrylglas. Deren Rückseite weisen eine Diamantstruktur auf, was zu glitzernden Lichteffekten führt, sobald sich das Auto in Bewegung setzt. Die zusammen mit Goodyear entwickelten 255/35er Reifen sollen vor Sensoren-Technologie nur so strotzen.

Hohe Schulterlinie, Dach aus Glas

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Der Imagine by Kia präsentiert viele lichtbrechende Sicken und Kanten, eine Sechsschicht-Lackierung mit Chrom-Effekt und Bronze-Finish sowie eine hohe Schulterlinie und schmale Fensterflächen, die oben von einem in die C-Säule reichenden Leuchtstreifen begrenzt werden. An dessen Ende sitzt ein Blinkelement – da hat sich Guillaume wohl von der Citroën DS inspirieren lassen. Die vorderen Blinker sitzen weit oben direkt neben der Fronthaube und setzen sich in Form einer Finne Richtung A-Säule fort.

Die Frontscheibe geht nahtlos in das verglaste Dach über. Das sanft abfallende Schrägheck mit mittiger Vertiefung optimiert die Aerodynamik ebenso wie die scharfe Abrisskante. Auch der verkleidete Unterboden und die doppelwandige C-Säule, die gleichzeitig als Spoiler fungiert, verringern den Luftwiderstand. Natürlich treten Kameraaugen anstelle klassischer Außenspiegel.

Völlig ebener Ladeboden, zwei Kofferräume

Kia Elektrauto-Studie Genf 2019 Foto: Kia
Aus dem Blickwinkel des Fahrers sollen die 21 Bildschirme eine große Anzeigefläche ergeben.

Doch so ganz unpraktisch soll ein E-Auto ja auch nicht sein. Die Imagine-Studie siedelt sich im C-Segment an, präsentiert also Mittelklasse-Dimensionen. Und die will Kia optimal ausnutzen, schließlich bieten der kompakte Elektroantrieb und die sich dadurch ändernde Fahrwerksstruktur einige Möglichkeiten, Platz im Interieur zu schaffen. Zum Beispiel durch den völlig ebenen Boden, in dem die Pedale versenkt werden, wenn das Auto nicht im Betrieb ist. Oder durch den zweiten Kofferraum, der sich unter der vorderen Haube befindet. Die gegenläufig öffnenden Portaltüren dienen dagegen mehr der Show als irgendeinem Zweck. Zugleich beschränkt sich Kia auf vier mit Leder und Seide bezogene Sitze. Vorne sind die Sessel getrennt, hinten zu einer Bank verschmolzen. Auch die schmale Mittelkonsole und das stark ausgeformte Lenkrad sollen das Raumgefühl verbessern.

So ganz ernst darf man den Innenraum allerdings nicht nehmen. Eher solle man ihm „mit einem Augenzwinkern“ begegnen, sagt Interieur-Designer Ralph Kluge. Gemeint sind dabei vor allem die 21 einzelnen, extrem dünnen Bildschirme, die sich über die gesamte Breite des Armaturenträgers verteilen. „Sie sind ein ironischer Kommentar zu dem Wettbewerb zwischen Automobilherstellern, wer das Fahrzeug mit dem größten Bildschirm produzieren kann“, so Kluge. Gleichzeitig zeigen die Monitore, wohin die Reise geht im Auto-Cockpit: Weg von wenigen großen, fest installierten Bildschirmen, hin zu einem Rundum-Informations-Panel. Genau das soll das Kia-System nämlich sein. Schließlich formen die einzelnen Displays aus dem Blickwinkel des Fahrers einen großen, durchgängigen Monitor, der über alles von der Klimaanlage über das Infotainmentsystem bis zu den Bildern der 360-Grad-Kamera Auskunft gibt.

Zum Antrieb des Imagine äußert sich Kia bisher nur sehr spärlich. Es soll sich um einen kompakten Elektro-Antriebsstrang mit einer kabellos aufladbaren Batterie handeln, so viel weiß man. Zahlen und Daten gibt es bislang nicht. Warum auch? Zahlen sind ja meist eine eher nüchterne Angelegenheit – und genau das will der Imagine nicht sein.

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