Leapmotor S01, Exterieur Luca Leicht

Leapmotor S01 im Check

Chinas Mini-E-Sportwagen für 11.000 Euro

Auf der Shanghai Autoshow gibt es doch nicht nur Elektro-SUVs. Eines der vielen Startups will mit Crowdfunding ein Mini-Coupé mit 170 Elektro-PS auf die Straße bringen. Wir haben uns den Leapmotor S01 angesehen.

In China boomen E-Auto-Startups und von Byton bis Nio setzten die meisten auf SUVs. Ein paar wenige haben aber sportlichen Fahrspaß im Sinn. Leapmotor hat auf der Shanghai Autoshow mit der Studie C-More Concept zwar auch einen SUV auf dem Stand, mit dem S01 aber auch einen attraktiven und kompakten Elektro-Sportler. Wir haben in dem 2+2 Sitzer Probe gesessen.

Manchmal ist es der zweite Blick, der verfängt. Denn noch bevor wir beim Messebummel das knackige Heck des S01 entdecken, fallen zunächst die vier Feuerlöscher am Rand des Standes auf. Warum sie da stehen ist vermutlich ähnlich unklar wie bei den meisten Sicherheitskräften auf dem Messegelände, die meist nicht mehr Aktivität zeigen, als ein Pfosten für die Absperrbänder.

Leapmotor S01, Exterieur
Luca Leicht
Mit seinen knackigen Proportionen und der grimmigen Front und schicken LED-Rückleuchten im Krokodilmaul-Design auf, die von einer schlichten, schwarz lackierte Fläche dazwischen hervorgehoben werden.

Der kleine Leapmotor S01 steht zwar auch nur rum, fällt aber mit seinen knackigen Proportionen und der grimmigen Front und schicken LED-Rückleuchten im Krokodilmaul-Design auf, die von einer schlichten, schwarz lackierte Fläche dazwischen hervorgehoben werden. Auf ihr prangt ein einfacher silberner Schriftzug: Leapmotor. Leap steht im Englischen für Sprung, auch im Zusammenhang mit Freudensprüngen verwendet man das Wort Leap. Klingt doch irgendwie verheißungsvoll.

So wie das Fastback-Heck des S01 aussieht. Es ähnelt dem eines Fiat 850 Coupé oder dem vom BMW Z4 Coupé. Gerade einmal zwei Linien bestimmen das Seitenprofil, dazu kommen bescheidene 17-Zoll-Y-Speichenräder, rahmenlose Türfenster und eingelassenen Türgriffe. Da gibt es nach europäischem Geschmack wenig auszusetzen.

Die Front mit großem, schwarzen, verschlossenen Grill wird von den breiten Scheinwerfern flankiert, die die Haube links und rechts nach oben drängen. Das erinnert an die Studien Peugeot e-Legend oder Nissan IDx. Schönes Auto zum Spaß haben?

130.000 Euro über Crowdfunding werden gesucht

Ganz so einfach ist es nicht – und das liegt nicht nur daran, dass wir uns auf einem Messestand befinden. Denn die beiden S01, die die Autoshow zu bieten hat, sind noch Prototypen einer Crowdfundingkampagne. Die Entwicklung wird nämlich nicht von wenigen großen Investoren finanziert, sondern von vielen Menschen. Aktuell versucht das Startup auf dem chinesischen Kickstarter-Pendant zc.suning.com ein Entwicklungsbudget von 1 Millionen RNB zu sammeln. Das sind nach aktuellem Wechelkurs gerade einmal rund 130.000 Euro.

Leapmotor S01, Exterieur
Luca Leicht
Leapmotor: Leap steht im Englischen für Sprung, auch im Zusammenhang mit Freudensprüngen verwendet man das Wort Leap. Klingt doch irgendwie verheißungsvoll.

Wie bei derlei Plattformen üblich bekommen die Geldgeber je nach Summe unterschiedliche Geschenke als Dankeschön. Der Google-Übersetzer verrät: Wer einen RNB gibt, nimmt an einer Lotterie teil, bei der eine Basisvariante des S01 unter allen Teilnehmern verlost wird. Bei 1.000 RNB Einsatz erhalten die Unterstützer als Dank Zugang zu einem lebenslangen kostenlosen Rettungsdienst, können ihren Einsatz als Anzahlung verwenden oder ihr Geld, quasi als zinslosen Kredit zurückfordern, wenn der S01 gebaut wird. Für die, die bereit sind 9.900 RNB zu investieren gibt es ein umfangreiches Servicepaket, das laut zc.suning.com-Website einem Wert von 30.000 RNB entspricht, ebenfalls die Möglichkeit sein Geld in eine Anzahlung umzuwandeln, sowie eine „Ex-Gratia-Aromatherapie-Maschine für Autos“, wie der Google-Übersetzer verrät – was auch immer das sein mag.

Die Verarbeitung im Innenraum könnte besser sein

Der erste Eindruck im Auto ist leider ernüchternd. Denn der Innenraum ist recht konventionell, fast langweilig gehalten und lässt die sportlichen Ambitionen des kleinen Stromers nur durch die stark konturierten aber bequemen Sportsitze erkennen. Weder das Lenkrad noch der Automatikwählhebel im Mercedes-Stil direkt dahinter wecken das Verlangen nach flotten Touren auf der Landstraße. Hinzu kommt die einfach gestaltete Mittelkonsole, die zwar ganz puristisch mit wenigen Knöpfen auskommt, aber die Bedienung an die Tasten des Lenkrads oder den Touchscreen knüpft. Schade, denn gerade bei härter abgestimmten Sportwagen machen die modernen und oft wenig intuitiven Touchbedienungen leider selten eine gute Figur.

Leapmotor S01, Interieur
Luca Leicht
Weder das Lenkrad noch der Automatikwählhebel im Mercedes-Stil direkt dahinter wecken das Verlangen nach flotten Touren auf der Landstraße.

Aber der S01 kann gut auf Knöpfe verzichten. Als der chinesische Mitarbeiter ein paar Zauberworte durch den Innenraum ruft, öffnet sich plötzlich das Fenster. Nach weiteren Worten der Kofferraum. Eine Taste zur Aktivierung der Sprachsteuerung drückte er dazu nicht. Bei den deutschen Herstellern sucht man so etwas vergebens. Nicht, weil sie es nicht könnten, sondern vielmehr weil sie den Unmut ihrer Kunden fürchten, die ohne es zu wollen Sprachbefehle in Auftrag geben könnten oder Bedenken in Sachen Datenschutz anbringen. Immerhin, mit dem IPA (Intelligent Personal Assistent) von BMW und dem MBUX von Mercedes wagen sich die ersten langsam an das Thema und lassen die Kunden über Sprachbefehle zumindest die Heizung oder die Innenraumbeleuchtung steuern. Aber selbst hier heben Datenschützer bereits wieder die Hände und mahnen zur Vorsicht. So etwas wie Datenschutz kennt China kaum. Die Überwachung gehört zum Alltag. Überall in der Öffentlichkeit filmen Kameras jede Bewegung in Parks, an Kreuzungen und in Gebäuden.

Aber kommen wir zurück zum S01: Sein E-Motor soll laut Hersteller-Website 125 kW, also 170 PS liefern und 250 Nm an die Räder schicken. Laut Mitarbeiter am Stand soll so die Beschleunigung auf 100 km/h in 6,9 Sekunden erledigt sein. Ob das mit Frontantrieb gelingen kann? Ohnehin wäre ja Heckantrieb die sportlichere Variante. Aber an der Hinterachse hat der S01 nur eine simple Starrachse – schlecht für die Radführung, gut fürs Leergewicht, das wohl bei 1.200 Kilogramm liegen soll. Die NEDC-Reichweite (vergleichbar mit dem alten NEFZ-Verbrauchszyklus) soll immerhin bei 305 Kilometer liegen.

Was den Leapmotor S01 aber wirklich so attraktiv macht, ist der Preis. Der soll nämlich weit unter unseren europäisch geprägten Erwartungen liegen. Für das Basismodell ruft das Startup gerade mal 109.000 RNB auf, also nur 14.500 Euro. Vielleicht ergibt die Sache mit den Feuerlöschern am Ende doch noch einen Sinn.

Leapmotor S01, Exterieur
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Fazit

Der S01 mag improvisiert wirken und ob die wenn auch bescheidene Crowdfunding-Summe zusammen- und das Leapmotor-Coupé jemals auf die Straße kommt, ist fraglich. Zudem wirkt das Konzept eines elektrischen Sportcoupés mit Frontmotor und Starrachse hinten wenig stimmig. Aber der freudige Umgang der Chinesen mit den Möglichkeiten der E-Auto-Technik, die Kombination mit Designideen und die begeisterte Anwendung neuer Bedienkonzepte zeigen etwas, was auch in Zukunft Kunden bringen könnte: Spaß am Auto.

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