Tesla Model S P100D - Elektroauto - Sportwagen - Test Rossen Gargolov

Überforderter Flash-Speicher

NHTSA prüft Rückruf von Model S und Model X

Weil ein kleines Speicherbauteil immer wieder ausfällt, haben ältere Tesla-Modelle Probleme mit dem Aufladen. Jetzt ermittelt die US-Verkehrssicherheitsbehörde.

Bereits seit Oktober 2019 berichten Tesla-Kunden, dass es bei älteren Modellen der Typen S und X wegen eines verschlissenen Flash-Speichers zu Problemen mit dem Bildschirm bzw. dem gesamten Multimedia-System kommt. Die Schwierigkeit: Fällt die Media-Control-Unit (MCU) aus, verabschiedet sich nicht nur das Infotainment-System, sondern das ganze Auto schaltet in einen Notfallmodus und wird damit mehr oder weniger unbrauchbar. Tesla-Chef Elon Musk versprach zwar seinerzeit Abhilfe, die ist aber offensichtlich noch längst nicht überall dort angekommen, wo es nötig gewesen wäre. Wegen anhaltender Nutzer-Beschwerden ermittelt deshalb auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA gegen Tesla. Solchen Ermittlungen folgt dann meist der entsprechende Rückruf.

Tesla NHTSA Rückruf
NHTSA
Die NHTSA untersucht jetzt die Ausfälle des Flash-Speichers und wird dann über einen Rückruf entscheiden.

159.000 Fahrzeuge betroffen?

Bei der Behörde geht man aktuell davon aus, dass die Probleme im Model S (Baujahre 2012 bis 2018) sowie im Model X (2016 bis 2018) auftreten können; laut NHTSA sind rund 159.000 Fahrzeuge betroffen. Verantwortlich für die Ausfälle ist ein Flash-Speicherchip eMMC (embedded Multi Media Card), der Teil der MCU (Media Control Unit) der ersten und zweiten Generation ist. Die eMMC ist eine Tesla-Eigenentwicklung – sie arbeitet unabhängig von sämtlichen anderen Datenströmen im Fahrzeug. Allerdings berichtet der Mediendienst CNet aus San Francisco, dass die Tesla-Software mit den Jahren immer höhere Protokoll-Kapazitäten benötigt. Und die eMMC ist Teil dieser Kapazitäten. Nach wenigen Jahren sind die Kapazitäten laut CNet komplett erschöpft, womit auch die eMMC ausgelastet durch zu viele Schreib- und Lesevorgänge ausgebrannt ist.

Tesla Model S, Frontansicht
Hans-Dieter Seufert
Ältere Versionen des Tesla Model S können vom Ausfall des eMMC-Chips betroffen sein.

Speicherkapazität nach vier Jahren erschöpft

Sobald die Kapazität der eMMC erschöpft ist, fällt sie aus. Ihr Ausfall bedingt wiederum, dass die MCU nicht hochfahren kann – und mit inaktiver MCU kommt es bei Tesla Model S und Model X zu einer ganzen Reihe von Ausfällen. Das Infotainment-System ist genauso betroffen wie die Klimaanlage, die sich nicht mehr einstellen lässt. Das Auto ist zwar noch fahrbar, aber nicht mehr aufladbar. Laut Experten tritt der Ausfall der eMMC nach zirka vier Jahren und somit außerhalb der Garantie auf, weshalb es mit Tesla Schwierigkeiten gibt. Der kalifornische Elektroautohersteller verkauft grundsätzlich keine Ersatzteile an andere Werkstätten oder Privatpersonen – wer eine Reparatur möchte, muss dafür einen kostenpflichtigen Tesla-Werkstattbesuch einplanen. In den USA hilft auch der unabhängige Tesla-Fachmann Phil Sadow betroffenen Fahrern, indem er den Chip tauscht.

Tesla Model X 2016
Wolfgang Groeger-Meier
Auch das Elektro-SUV Model X kann von dem Flash-Speicher-Ausfall betroffen sein.

Recht zur Reparatur wieder auf dem Plan

Elon Musk twitterte kurz nach Bekanntwerden der Probleme, dass inzwischen alles besser sein sollte – allerdings gestand er weder ein, dass es Probleme mit der eMMC gab, noch, wie Tesla diese lösen will. Die Debatte um die ausfallenden Chips hat in den USA den Streit um das "Right to Repair" (Recht zu Reparieren) neu entfacht. Danach müssen Autohersteller jedem die Möglichkeit geben, sein Auto selber zu reparieren. Tesla scheint dieses Recht seit Jahren zu ignorieren, indem der Hersteller keine Ersatzteile an Dritte verkauft und somit ganz allein am lohnenden Reparaturgeschäft verdient. Nach andauernden Protesten von Werkstätten, Mechanikern und Fahrern musste Tesla inzwischen seine Richtlinien lockern und gibt einige Ersatzteile für den Verkauf frei.

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Sollte Tesla seine Autos für Reparaturen in allen Werkstätten freigeben?
Nein, mit der komplizierten Elektronik kommt sicher nur der Hersteller selbst zurecht.
Klar, die wollen sich doch nur die Taschen vollstopfen.

Fazit

Ausnahmsweise hilft Tesla auch kein Over-the-Air-Update (OTA): In Teslas Modellen scheint eine umfangreiche Steuerungssoftware zu arbeiten, die ältere Hardware nach zirka vier Jahren teilweise überfordert. Dies führt unter anderem dazu, dass sich das betroffene Modell nicht mehr aufladen lässt – und nicht wiederaufladbare Elektroautos sind natürlich unbrauchbar.

Tesla hat es allerdings bislang offensichtlich nicht geschafft, das Problem zur Zufriedenheit der Kunden zu lösen. Jetzt ist die NHTSA am Zug und wird, wenn nötig, einen entsprechenden Rückruf anordnen.

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