ADAC statt DEUVET

FIVA setzt neue deutsche Vertretung ein

Foto: FIVA, ADAC, DEUVET

Die in Paris residierende FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) hat überraschenderweise dem DEUVET (Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge e.V.) den ANF-Status (FIVA National Authority) entzogen. Somit darf der DEUVET nicht mehr offiziell die Interessen der deutschen Oldtimerfahrer vertreten.

Die Entscheidung wurde getroffen, ohne den DEUVET anzuhören - während einer Tagung des FIVA-Generalkomitees in den Räumen des ADAC in München. Der ANF-Status soll auf den ADAC übertragen werden, der damit ab dem 1. Oktober 2008 die Interessen der deutschen Oldtimerfahrer offiziell vertreten soll. Die Nachricht kam plötzlich, selbst Kenner der Szene hatten nicht mit einer solchen Entwicklung gerechnet.

DEUVET seit zwei Jahrzehnten aktiv - ADAC seit sechs Monaten

Verwundert nehmen viele Insider die rasante Entwicklung des ADAC in Sachen Oldtimer wahr: Erst am 6. November 2007 wurde der größte deutsche Automobilclub in die FIVA aufgenommen. Schon ein halbes Jahr später löst er den DEUVET als offizieller Vertreter der deutschen Oldtimer-Szene ab.

Mitgliederzahl als Argumente für und wider
Insider befürchten ein Machtmonopol

Der ADAC hat nach eigenen Angaben rund 100.000 Oldtimerfahrer unter seinen insgesamt 16 Millionen Mitgliedern – der FIVA wurde vom ADAC 90.000 oldtimerfahrende Mitglieder gemeldet. In der Mitgliedszahl sehen viele den Grund für die Entscheidung.

Der DEUVET musste in den letzten Jahren einen Mitgliederschwund von 50.000 auf 30.000 hinnehmen. Somit meldet der ADAC drei Mal so viele Oldtimerfahrer. Die vom ADAC an die FIVA gemeldeten 90.000 Oldtimerfahrer bedeuten einen prozentualen Anteil an den Gesamtmitgliedern von 0,56 Prozent – von vielen wird befürchtet, dass die Belange der Oldtimerfahrer entsprechend des prozentualen Anteils im ADAC vertreten werden könnten.

Insider befürchten durch den Eintritt des wirtschaftlich agierenden ADAC ein Machtmonopol und eine deutliche Veränderung der Oldtimer-Club-Landschaft: Von gemeinnütziger Clubs, die das Hobby Oldtimer pflegen, hin zu einer wirtschaftlichen Ausrichtung.

Mitgliederschwund beim DEUVET

Unter anderem war in letzter Zeit mit dem Mercedes Benz R/C 107 SL-Club Deutschland e. V. einer der größten Clubs aus dem DEUVET ausgetreten: Jürgen Kreuer , Vorstand des R107-Clubs mit rund 2.700 Mitglieder in Deutschland, zu den Gründen: "Wir haben die Mitgliedschaft wegen der Beitragserhöhung von fünf auf sieben Euro pro Mitglied – und damit um 40 Prozent – gekündigt. Bei unserem Club wären das 5.000 Euro Mehrbelastung gewesen. Wenn uns etwas entgegenkommen worden wäre, beispielsweise mit einer geringeren Erhöhung, dann hätten wir das sicherlich mitgetragen." Alleine mit diesem Austritt fehlen dem DEUVET nun 18.900 Euro jährlich in der Kasse.

Die aktuelle Entwicklung weist für Kreuer allerdings nicht in die richtige Richtung: "Der Deuvet war ein Produkt der Clubs, jetzt übernimmt ein Wirtschaftsunternehmen. Der ADAC verhandelt derzeit mit allen Mercedes-Clubs – auch mit der Club-Betreuung des Werkes." Für den DEUVET-Präsidenten Maik Hirschfeld bricht Kreuer eine Lanze: "Maik Hirschfeld hat sich ein Bein ausgerissen, um den DEUVET nach vorne zu bringen."

Stellungnahme des DEUVET

Der DEUVET-Vorstand nimmt wie folgt Stellung: Die Übertragung des ANF-Status "... geschah ohne vorherige Anhörung des betroffenen DEUVET und der anderen FIVA-Mitglieder aus Deutschland (ASC und DAVC). Dieses Vorgehen entspricht weder den Rechtsordnungen Europas, noch den FIVA-Statuten. [...] Der DEUVET-Vorstand ist von diesem Vertrauensbruch des FIVA-Gremiums enttäuscht und wird nach sorgfältiger Beratung mit seinen Beiräten in den nächsten Tagen entsprechende Maßnahmen ergreifen."

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