Carrera Panamericana

Durch Mexiko im Porsche Panamera

Carrera Panamericana, Porsche, Impression Foto: Graeme Fordham 21 Bilder

Auch wenn der Rennklassiker Carrera Panamericana nur fünfmal stattfand, die Legende lebt bis heute – auf historischen Routen. Wir gehen in Mexiko auf Spurensuche im Namensvetter, dem Porsche Panamera.

Wir geben Ihnen jetzt mal zwei Stichworte: Mexiko. Und 3.436 Kilometer. Woran denken Sie? An den Gelbhaarigen und seinen Mauerbau? Vergessen Sie’s. Bei uns geht es um die Carrera Panamericana. Erstausgabe 1950. Kaum war der mexikanische Teil des Pan-American Highway (Panamericana), also die Straßenverbindung zwischen der Nordgrenze und dem Süden, fertiggestellt, wurde er auch schon standesgemäß eingeweiht. Mit einem sechstägigen Etappenrennen. Ausschließlich Limousinen durften es sich auf den Pisten bis El Ocotal geben. Zur Premiere sausten sie von Süd nach Nord, was Hershel McGriff auf einem Oldsmobile 88 am schnellsten gelang.

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Psst, etwas für den nächsten Benzinkopp-Stammtisch: McGriff traf dort NASCAR-Gründer Bill France und fuhr danach NASCAR, gewann 1986 die Winston West Series (mit 58 Jahren), fuhr sogar mit 84 Jahren noch ein Rennen in dieser Serie. Rennfahren scheint jung zu halten. Manchmal.

Frühes Ende in 1954

Die Tradition der echten Carrera Panamericana, obwohl mit Fahrern wie Ascari, Fangio, Lang und Hill top besetzt und auf Augenhöhe mit Mille Miglia, Targa Florio, Le Mans und Sebring, hielt jedenfalls kürzer als die Leidenschaft des Herrn Griff. Schon 1954 war Schicht, das Straßenrennen war zu gefährlich, auch die Unfälle in Le Mans und anderswo torpedierten das Image. Unsterblich hingegen machte sich zuvor jener Geier, der 1952 die Frontscheibe des 300 SL von Karl Kling und Hans Klenk zerstörte, Klenk verletzte. Was die beiden nicht am Sieg hinderte und dem Renn-SL Schutzrohre einbrachte.

Carrera Panamericana, Porsche, Impression Foto: Graeme Fordham
Stillleben an der Ruta de la Mariposa Monarca.

Auf die können wir heute verzichten, unser Porsche Panamera 4S schnuppert komplett serienmäßig den Rennspirit auf den Spuren der Carrera Panamericana, die ihm wie auch 911-Geschwistern ihre Namen einbrachte. Und das, obwohl Porsche in Mexiko nie einen Gesamtsieg schaffte, nur in einzelnen Klassen (es gab je nach Austragungsjahr vier oder fünf) nach vorn fuhr – zu Zeiten der historischen Carrera wohlgemerkt.

Rallye-Neuauflage 1988

Es gibt da ja noch den Nachfolger. Denn irgendwie fehlte einer Truppe mexikanischer Motorsportler etwas, sodass sie die Panamericana 1988 reanimierten. Seitdem balgen sich jedes Jahr eine Woche lang historische Autos zwischen Baujahr 1940 und 1966 aufgeteilt in fünf Gruppen runde 3.000 Kilometer auf öffentlichen Straßen und abgesperrten Sonderprüfungen. Im vergangenen Jahr unter anderem: 66er Mustang, 53er Studebaker, Porsche 356 und 914, BMW 2002 und Mini Cooper. Sie sind grundsätzlich original, lediglich an Fahrwerk und Sicherheitsfeatures aufgerüstet.

Bevor wir nun Rallye-Aroma auf der Special Stage Nevado de Toluca 80 Kilometer westlich von Mexiko- Stadt kosten, müssen wir erst einmal dem Moloch entrinnen. Wie viele Menschen wohnen hier gleich noch? Zehn Millionen, mit Umland 20 Millionen. Hat es geheißen. Wir glauben es gern, angesichts der Ausdehnung, die sich die Hügel hinauffrisst.

Also nichts wie raus. Du brauchst Geduld, aber irgendwie läuft es. Leben und leben lassen, Mexiko halt. Was Zeit gibt, darüber zu sinnieren, dass Mexiko-Stadt hier und da wie Los Angeles rüberkommt. Flache Häuser, bunte Farben, diverse kleine Geschäfte, spanische Aufschriften. Der Gelbhaarige wäre mit Sicherheit verwirrt.

Typische Mexiko-Klischees

Doch je weiter wir über Land fahren, so nach 30, 40 Kilometern, desto näher rücken die mexikanischen Klischees: Getränkeverkäufer am Straßenrand, verfallene Butzen, Pickups mit ein paar Kerlen auf der Ladefläche, hier mal ein Feuer, ein einsamer Reiter, ein Müllhaufen. Überraschend grün überdies, abgesehen von den Sandgruben und erntebereiten Getreidefeldern. Ja nun, so sieht es hier halt aus.

Aber dann: Nach 70 Kilometern geht es links Richtung Sultepec. Jetzt wird es ernst, oder besser: lustig. Der Panamera nimmt Witterung auf, die Luftfederung senkt ab, duckt ihn noch näher an den Asphalt, der V6-Biturbo zwitschert bei Lastwechseln schon mal fröhlich mit den Ladern, brummt bassig aus dem Auspuff (Klappen offen, das muss jetzt sein). Die Straße windet sich bergauf durch dichten Nadelwald, Gelegenheit, das Tempo anzuziehen. Auf dunklem, meist griffigem Asphalt. Nie ganz eben, was den Zweitonner immer in Bewegung hält.

Carrera Panamericana, Porsche, Impression Foto: Graeme Fordham
Die kleinen Städtchen am Rande der Strecke versprühen eine Menge mexikanischen Charme.

Langeweile kommt eh nicht auf, dafür sorgen schon die bergan schuftenden Lkw, die bei uns für Tempodifferenzen von 140 zu 17 km/h sorgen, unsere Reaktion und die Panamera-Bremsen testen. Beide bestehen. Und wie wir so hinter einem waidwunden Dieseltruck herschleichen, da fällt uns auf, wie romantisch Sonnenstrahlen durch die Baumkronen züngeln, sich in den Rußwolken des Trucks brechen. Ja, Freunde, die Schönheit im Auge des Betrachters.

Start frei auf 3.600 Metern Höhe

Jetzt aber zurück auf die Strecke, volle Konzentration auf die nächste Lücke, überholen, und weiter geht’s. Bergan in wechselnden Kurvenkombinationen durch den Nationalpark Nevado de Toluca. Die Straße ist schmal, die Kurven wechseln zwischen enger Spitzkehre und weiten, schnellen Radien. Nur den Kollisionswarner müssen wir ihm irgendwann ausknipsen. Dem missfallen die Abstände im Konvoi, weshalb er uns bei jedem scharfen Anbremsen per stramm gezogenem Sicherheitsgurt in den Sitz tackert, noch dazu die Sitzwangen aufplustert. Wobei das ja fast schon wieder Rennspirit zeigt. Um den geht es jetzt, wir stehen unterm roten Starttor – auf 3.600 Metern Höhe, was nicht nur die Kurzatmigkeit der Lkw, sondern auch die eigene erklärt. Mexiko-Stadt liegt auf etwa 2.000, was nicht groß stört, doch hier oben wird die Luft schon dünn. Den Panamera kümmert es wenig, er lauert auf Sport Plus, gleich 300 Höhenmeter auf knapp zehn Kilometern abzubauen.

Der normale Verkehr muss jetzt warten, die Strecke gehört uns. Zuständig fürs Sperren und auch sonst irgendwie ist Locio Gonzales Gomez. Polizist aus Leidenschaft. Ein Typ wie extra gecastet. Strenger Gesichtsausdruck, Lederjacke mit drei Goldwinkeln auf der Schulter und Pelzkragen, Lackschuhe, Sonnenbrille, automatisches Gewehr. Der 45-Jährige findet es stark, was hier abgeht, mag es, wenn Leidenschaft belohnt wird.

Jetzt aber: "When the flag drops, bullshit stops", es geht los. Wir starten mit reichlich Abstand zum Vordermann, das hier ist ja eine Gleichmäßigkeitsfahrt. Höhö. Sie haben uns Helme gegeben, ein Gebetbuch mit Kurvenangaben und Zielzeiten und -tempi auf den Schoß gelegt, Startnummern auf die Autoflanken sowie unsere Namen auf die Seitenscheiben geklebt und uns einen Transponder in den Wagen geklettet – da stünde selbst bei Renate Künast der Gasfuß im Motorraum. Wo sonst kannst du so einen Fünfmeterapparat mal beherzt in einer Art Asphalteiskanal durch den Wald scheuchen? Ohne Gegenverkehr, dafür mit nur rudimentärer Streckenkenntnis, was das Adrenalin schön oben hält.

Turbopunch und Allradgrip

Er war ja schon immer ein schneller Typ, nur eben etwas ausladend gebaut. Wenn du dich aber ausnahmsweise mal legal auf beiden Spuren ausbreiten darfst, fällt dieses Manko weg, verbinden sich Turbopunch, Allradgrip, Neutralität und Präzision. Zu was? Zu Yippie! Im Unterschied zu manchen Sportwagen lässt sich die Limousine von Unebenheiten nicht kirre machen. Breite Spur und ordentlich Radstand helfen beim zügigen Reinhalten, Liniekrallen und Rausfeuern. Bremse? Steht. Wir jetzt auch wieder, denn die 9,9 Kilometer Racing sind vorbei. Wir haben gar nicht auf die Uhr geguckt. Gleichmäßigkeitsdings hin oder her, Hauptsache, Spaß gehabt.

Carrera Panamericana, Porsche, Impression Foto: Graeme Fordham
Wir hatten viel Spaß auf den historischen Routen durch Mexiko, unsere Zeit bleibt da eher eine Nebensache.

Der bleibt uns auch nach der Ziellinie erhalten. Etwa beim Abbiegen auf einen verwilderten Parkplatz, den man eigentlich lieber per Pickup entdecken würde. Elegant liften wir die Karosse per Luftfederung, felsige Schürfwunden am Unterboden bleiben aus, und wir können gut gelaunt mit den Einwohnern von Raices plaudern, einer lose dahingewürfelten Straßensiedlung, deren Name "Wurzel" bedeutet. Entspannt und zufrieden sind sie, wie es scheint. Zumindest bei der 21-jährigen Maria und ihrer Mutter, die in ihrem kleinen Laden Fleisch verkaufen. Bei Ramos, 57, gegenüber gibt es alles, was man sonst so braucht. Richtig Spaß hat er, wenn der Rallyetross durch Raices kommt, sich Zuschauer und Fahrer bei ihm eindecken. Logisch, dass er ein Fan der Carrera Panamericana ist.

So wie wir. Fahren wir noch eine Runde. Vielleicht mit einem Abstecher zum Valle de Bravo oder auf die Ruta de la Mariposa Monarca, deren Schmetterlinge gerade Saison haben. Es müssen ja nicht gleich 3.436 Kilometer draus werden.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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