Cisitalia Grand Prix-Monoposto Skizze Malte Jürgens
Cisitalia Grand Prix-Monoposto
Cisitalia Grand Prix-Monoposto Getriebe
Cisitalia Grand Prix-Monoposto Lenkrad
Cisitalia Grand Prix-Monoposto Motor 8 Bilder

Cisitalia Grand Prix-Monoposto - Neuaufbau nach 63 Jahren

Projekt 360 - langsam wird's Ernst

Der zweite Cisitalia Grand Prix-Monoposto wird nach 63 Jahren endlich komplettiert. Motor Klassik begleitet exklusiv die Fertigstellung. Ende Juli wird es Ernst: Zwei Restaurierer von Rang bewerben sich um die Ehre, den 360 das Laufen zu lehren.

Die Cisitalia-Kurbelwelle, die sich derzeit im Audi-Museum nackt und bloß den Besucherblicken darbietet, macht es unzweifelhaft klar: Das ist keine Boxerwelle, sondern die eines 180-Grad-V-Motors. Richard von Frankenberg irrte hier einst ebenso wie Boschen/Barth im Buch über Porsches Sondertypen.

550 PS bei 12.000/min

Die Kurbelwelle des Cisitalia Typ 360 ist dabei eine extrem teure mechanische Meisterleistung: Sie besteht aus einzelnen Segmenten mit zentrierenden Hirth-Verzahnungen, sodass die Montage einteiliger Pleuel möglich wird. Für die Porsche-Konstrukteure unter Karl Rabe damals eine Grundvoraussetzung, um die angestrebte Drehzahl von 12.000 Umdrehungen pro Minute und die erwartete Höchstleistung von 550 PS zu realisieren.

Der aktuell bei Audi in der quattro-Ausstellung gezeigte Cisitalia Grand Prix ist das zweite und letzte Exemplar einer 1946 unter Cisitalia-Chef Piero Dusio ursprünglich auf sechs Monoposto projektierten Serie. Es wurde einst zu etwa 80 Prozent fertiggestellt. Die Nummer eins steht - nahezu komplett - im Porsche-Museum in Stuttgart, wo sie Audi auch belassen musste; beide Firmen verpflichtet ein Vertrag dazu, sich gegenseitig keine Glanzstücke aus den Museen abzuziehen.

Gerade rechtzeitig zur Ingolstädter Schau über die Geschichte des Allradantriebs kam da das Angebot eines deutschen Sammlers, der soeben den Typ 360 Nummer zwei aus der aufgelösten Tom-Wheatcroft-Sammlung in Donington erworben hatte. Praktischerweise war der Cisitalia Grand Prix bereits zerlegt: Am Stück sind Rohrrahmen-Chassis, Achsen und Karosserie. Einzeln mit dazu geliefert wurden Motor, Getriebe und vier ominöse Holzkisten, in denen sich unter anderem Unmengen von Getriebe-Zahnrädern befinden sowie ein unschätzbares Dokument: eine kräftig vergilbte, aber noch gut lesbare Stückliste des Konstruktionsbüros Porsche, sämtliche Einzelteile des Rennwagen-Projekts notierend.

2013 soll der Cisitalia Grand Prix gegen Alfetta antreten können

Nach Ablauf der quattro-Revue im Audi-Museum wird es Ernst. Tom Fischer aus dem bayerischen Brannenburg nahe Rosenheim sowie der Engländer Dick Crosthwaite, Erbauer der neu gefertigten Auto-Union-Rennwagen aus der Kompressor-Ära, bewerben sich um die Ehre, das Projekt 360 zu vollenden. Ebenfalls Hilfe zugesagt hat der profunde Porsche-Kenner und Technikspezialist Dr. Günther Herdin, der einen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule Wien wahrnimmt. Rund 20 Prozent der notwendigen Cisitalia Grand Prix-Teile fehlen noch. Sie müssen nachkonstruiert werden - diese Aufgabe will Herdin unter seinen Studenten ausloben, vielleicht sogar als Diplomarbeit.

Die Cisitalia Grand Prix-Projektleitung hat Martin Schröder übernommen, Kurator des Prototyp-Automuseums in Hamburg und ausgewiesener Kenner der Renngeschichte von Porsche und der Auto Union. Seine Kalkulation: "Wir gehen davon aus, dass die Komplettierung des 360 rund drei Jahre in Anspruch nimmt. Im Sommer 2013 könnte er wieder laufen - mit voller Leistung, drei bar Ladedruck und dem zuschaltbaren Allradantrieb. Wir träumen davon, dann die 1,5-Liter-Alfetta herauszufordern. Denn als deren Gegner war der Cisitalia 360 ab 1950 ja gedacht."

Motor Klassik wird das ehrgeizige Projekt sozusagen im Windschatten begleiten. Bald lesen Sie bei uns alles über die Hintergründe, die Porsche, Karl Abarth, den argentinischen Diktator Juan Perón und Cisitalia-Boss Piero Dusio im Projekt 360 zusammenführten. Und verpassen Sie nicht die kuriose Story: Die nämlich über die Reise des hier gezeigten Unikats von Italien nach England. In der Hauptrolle mit dabei - Tom Wheatcroft, der Rennwagensammler.

Verkehr Verkehr Cisitalia Grand Prix Porsche 360 alias Cisitalia Grand Prix alias Autoar Especial Motor Klassik begleitet Cisitalia-Aufbau

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