Classic Days Schloss Dyck

Jewels in the Park

Wasserschloss, Wagenparade Foto: Arturo Rivas 14 Bilder

"Juwelen im Park“ verspricht der Concours der Classic Days Schloss Dyck - und das ist wirklich nicht übertrieben. Sieger des Schönheitswettbewerbs wurde aber ein ungeschliffener Diamant.

Eigentlich musste man auf Schloss Dyck allein schon für den Concours d'Elegance einen ganzen Tag einplanen, so wundervoll waren Kulisse und optische Bandbreite der 40 angetretenen Klassiker. Sie reicht vom spacigen Mini-Langheck-Rennwagen bis zum majestätischen Bentley Mark VI mit Graber-Karosserie.

Carraciolas Mercedes SS gewinnt - unrestauriert - den Hauptpreis

Den Hauptpreis Best of Show erhielt überraschenderweise ein unrestaurierter Mercedes-Benz 710 SS aus dem Vorbesitz von Rudolf Carracciola. Auf der Halbinsel zwischen Orangerie und Barockbrücke in Sichtweite zum neu renovierten Wasserschloss stellten sich 40 Automobile den kritischen Fragen und Blicken der 13-köpfigen Jury. Es ist schon erstaunlich, wie der noch junge, zum sechsten Mal durchgeführte Event auch mit seiner Jury ein hohes Qualitätsniveau erzielt.

Stellvertretend für die gesamte Mannschaft seien genannt: AvD-Chef Rudolf Graf von der Schulenburg, der Leiter des Porsche-Archivs Dieter Landenberger, die einstigen Automobil-Designer Johann Tomforde und George Gallion, Design-Historiker Paolo Tuminelli und Editorial Designer Wolfgang Seidl. Kennzeichen aller Juroren: die Leidenschaft für markante, formstarke und wegweisende Automobile.

Concours-Veranstalter Marcus Herfort machte es den Juroren des auf FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens) A-Niveau ausgetragenen Wettbewerbs nicht gerade einfach, ihre Favoriten zu bestimmen: zu interessant, zu wichtig, aber auch zu bunt und zu bizarr waren die 40 teilnehmenden Oldtimer. Dieser erfrischende Cocktail kam auch beim Publikum hervorragend an.

Die Mischung macht's

Natürlich durften die großen Marken und Motoren nicht fehlen, die den Glanz und Reichtum vergangener Tage stilgerecht vor der Schlosskulisse inszenierten. Fast geräuschlos, nur vom Knirschen des Kieses begleitet, rollten sie am Publikum und am Jury-Pavillon vorbei: die Mercedes 500 K und 710, ein Horch 853 Sportcabrio, ein Lincoln Le Baron V12 Coupé oder ein Talbot Lago T26 Rekord Cabrio mit Worblaufen-Karosserie aus der Schweiz und viele mehr.

Dann der futuristische, von Mario Revelli di Beaumont für Bertone entworfene Alfa Romeo 6C 2500 SS von 1942, der bereits bei den Concours-Veranstaltungen Pebble Beach und Villa d'Este Preise mitnahm. So auch auf Schloss Dyck, wo er den Designpreis der Jury erhielt.

Traumwagen der Nachkriegszeit

Dazwischen sorgten Nachkriegsträume wie ein VW Karmann-Ghia 1600 L Coupé und ein Borgward Isabella TS Coupé für Abwechslung. Genauso das motorisierte Silberfischchen vom Renault-Tuner Autobleu, das 1954 in der 750er-Klasse auf Langstreckenrennen unterwegs war. Ebenso eigenartig wie (fast) einzigartig war der Porsche Typ 64 Berlin-Rom-Wagen mit seitlich eingezogenem Greenhouse, um den Luftwiderstand zu reduzieren.

Das Automuseum Prototyp in Hamburg präsentierte auf Schloss Dyck erstmals den aus Teilen wiederhergestellten Wagen, von dem nur drei entstanden sind. Gesamtsieger wurde der schwarze, unrestaurierte Mercedes-Benz 710 SS von Peterheinz Kern. Jury-Mitglied Tomforde bei der Preisübergabe: "Originalität ist bei einem historisch so wichtigen Modell wie diesem Mercedes von großem Wert." Eine souveräne und mutige Entscheidung, mit der die Jewels in the Park ihre Eigenständigkeit bewiesen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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