Classic Days Schloss Dyck

Racing Legends

BMW Typ 51/3, Renngespann Foto: Frank Herzog 16 Bilder

Auf dem Rundkurs begeisterte ein Starterfeld der Extraklasse, hochkarätig wie noch nie zuvor bei den Classic Days Schloss Dyck.

"Crispy" nennen die Engländer den Sound eines kultivierten Rennmotors. Wie das klingt, führt jenes V6-Aggregat in Reinkultur vor, welches nur Zentimeter vom Sprecherhäuschen entfernt durch zwei Flammrohre an der Seite zornig brabbelt. Zwei, drei Gasstöße dienen als Ouvertüre für ein gewaltiges Konzert wie aus sechs rauchigen Saxofonen in der Lautstärke eines Heavy-Metal-Konzerts.

Ultimatives Klangerlebnis

Das blauweiße Coupé mit dem mächtigen Heckspoiler schießt durch den Startbogen Richtung Dycker Weinhaus. Ganz so wie 1974, als Ford unter Rennleiter Michael Kranefuss im Duell um die europäische Tourenwagenkrone gegen den Erzrivalen BMW mit einem neuen, 455 PS starken Cosworth-Motor konterte.

Wenn ein Motor besonders "crispy" klingt, ist mein Sprecherkollege Walter Zipser förmlich aus dem Häuschen. Dann lässt er mich in unserer weißen Sprecherhütte allein und steckt sein Funkmikrofon Richtung Auspuff, um das Ausatmen der Zylinder unmittelbar über die Lautsprecher zu den voll besetzten Zuschauerrängen zu übertragen.

Wieder ist Walter auf der Jagd nach dem unmittelbaren Klangerlebnis. Diesmal ist es ein Song aus den Fünfzigern von "M 196". Mit diesem Kürzel bezeichnete Mercedes den 296 PS starken Rennsportwagen, der 1955 die Markenweltmeisterschaft möglich machte. Doch Hans Herrmann, der damals nur wenige Minuten hinter Fangio startete, braust im zweisitzigen Nachkriegs-Silberpfeil mit der Startnummer "658" am Start vorbei und zaubert mit dem einzigartigen Klang des zwangsgesteuerten Achtzylinders die Atmosphäre der Mille Miglia von 1955 auf die Landstraße am Miscanthusfeld - eine Hommage an den fünffachen Formel-1-Weltmeister und Mercedes-Werkspilot Juan Manuel Fangio, der im Juni 100 Jahre alt geworden wäre.

Hommage an Graf Berghe von Trips

Da gibt es keinen Halt, schade für meinen Kollegen Walter. Doch der Klang des schwäbischen Reihenmotors ist viel ausdrucksstärker, als es flüchtige Worte wären. Ehemalige Le Mans Sieger. Als "Trips Memorial" erinnern die Classic Days auch an den vor 50 Jahren tödlich verunglückten Wolfgang Graf Berghe von Trips. Der Rennfahrer aus dem Rheinland war 1955 im 300 SLR Teamkollege von Fangio. Bei der Tourist Trophy in Dundrod wurde Trips mit André Simon Dritter, genau in dem Auto, mit dem Fangio einige Monate zuvor die Mille Miglia bestritten hatte.

Eine Hommage an den ehemaligen Porsche-Werksfahrer war der Auftritt des "State of Art"-Teams, das gleich drei Porsche 550 Spyder aus dem Jahr 1955 auf den Dreieckskurs an Schloss Dyck schickt. Gefahren werden die offenen Rennsportwagen aus Stuttgart von den ehemaligen Le Mans-Siegern Gijs van Lennep und Jürgen Barth.

Horst Lichter im Porsche Monoposto

Der Boxer mit vier obenliegenden Nockenwellen ebnete Porsche einst auch den Einstieg in den Formelsport. Bei den Racing Legends erlebten die Zuschauer den ehemaligen Werks-Monoposto aus dem Hamburger Automuseum "Prototyp". Hier bei den Classic Days Schloss Dyck entert der Fernsehkoch Horst Lichter das Cockpit des 180 PS starken Einsitzers. "Das ist ja ein Träumchen", sagt Lichter schmunzelnd, während er seinen Helm mit dem Wappen der Scuderia Colonia aufsetzt, wie ihn auch von Trips trug.

Die Gleichmässigkeitsprüfung gewann ein junger Motorradfahrer: Moritz Richter reichten die 4,5 PS seiner NSU 201 R von 1928, um mit der Trips-Trophäe ausgezeichnet zu werden. Der kleine 200-cm3-Einzylinder würde zwar von den Engländern nicht das Qualitätssiegel "crispy" erhalten, die seltene Maschine aber sicher ein begeistertes "lovely".

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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