Dirk Johaes Klassiker-Blog

Joyride mit Mika Häkkinen

Mika Häkkinen, Nardo Foto: Daimler 10 Bilder

Bei einer Veranstaltung in Nardò hatte ich Gelegenheit zu einer schnellen Runde mit dem zweifachen Formel 1-Weltmeister Mika Häkkinen in einer fast 500 PS starken AMG-Mercedes-C-Klasse. Es wurde die lustigste Taxifahrt meines Lebens.

Ein weißes AMG-Mercedes schießt mit grollendem V8 an der Boxenmauer. Spätestens jetzt wird aus der bisweilen trockenen Geschichts-Veranstaltung anläßlich der Nardò-Weltrekordfahrt vor 30 Jahren ein Vergnügungs-Ausflug. Der C 63 aus dem Jahr 2011 hat ordentlich Qualm und den lässt Häkkinen deutlich aufsteigen. Der 45-jährige lässt die Räder der Hochleistungslimousine quietschen und treibt den Viertürer quer durch die Kurven.

Ich bin an der Reihe

Kurz vor den Boxengasse bremst der Finne das Auto ab und rollt zum Wechselplatz: Jetzt bin ich an der Reihe. "Na, welches Auto hat Dir bis jetzt am besten gefallen?", will er von mir wissen. "Der Evo 1", antworte ich kurz. Er setzt sein schelmisches Lächeln auf und will damit wahrscheinlich sagen: "Das ist alles nichts gegen das, was die gleich erlebst."

Ich war neidisch

Als wir eher gemächlich aus der Boxengasse rollen, bin ich neidisch auf Häkkinens Fahrgäste zuvor. Mit denen ist er mit durchdrehenden Rädern gestartet. Doch draußen auf der Strecke beschleunigt er voll. „Du weißt, dass da unten eine scharfe Linkskurve kommt?“, fragt er. Weiß ich nicht, aber ich nicke freundlich. 150 Meter, Häkkinen schmeißt den Anker, lenkt ein. "Oijoijoi", ruft Häkkinen. Das ist scheinbar Finnisch und heißt wahrscheinlich: "Ich habe mich etwas verschätzt." Wir sind zu schnell und den AMG drückt es zum Kurvenaußenrand.

Saubere Linie?

Aber Mika Häkkinen macht das alles mit Absicht. Saubere Linie: Wer will das schon? Ein Finne liebt das Querfahren und das Spiel mit den Kräften. Alles kein Wunder: Häkkinen nicht nur im Kindergartenalter mit dem Kart fahren. In einer Zirkusschule absolvierte er außerdem eine Ausbildung zum Akrobaten. Beides bringt er hier zusammen. "Oijoijoi, ooooh", vernehme ich von der Fahrerseite. Das Auto rutscht durch die 180-Grad-Linkskurve zurück Richtung Boxengasse.

Noch eine Runde

Häkkinen lässt sich weit nach außen tragen. Er wird doch nicht schon abbiegen? Nein, er gönnt mir noch eine zweite Runde. Er komme aus dem Lachen nicht mehr heraus, als am Ende der Geraden noch verwegener am Scheitelpunkt vorbeirutscht und mit Gasstoß das Auto wieder in die gewünschte Richtung bringt. Akrobat Häkkinen ist in seinem Element. Letzte Kurve: "Oijoijoijoi - upps". Beinahe hätte uns das Heck überholt. Wir stehen jetzt quer zur Fahrtrichtung und Häkkinen muss selbst lachen. Später bekommt er an gleicher Stelle sogar noch einen Donut hin.

Applaus, Applaus

Ich jubele auf dem Beifahrersitz. Das war das beste Taxifahrt meines Lebens: mit einem Formel-1-Weltmeister in seiner Manege. Stehende Ovationen für Mika.    

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