Entstehung des Kaiserpreis-Rennens

Foto: Kaiserpreis-Rennen 43 Bilder

Im Juni 1904 auf der Saalburg, einem historischen Römerkastell auf dem Taunuskamm in der Nähe von Frankfurt am Main säumen fast eine Millionen Zuschauer die Rennstrecke des Gordon-Bennett-Rennens, dem ersten internationalen Automobilrennen in Deutschland.

Nachdem ein Jahr zuvor Camille Jenatzy auf Mercedes das Rennen in Irland gewann, wurde es nun in Deutschland ausgetragen. Unter den Augen des Kaisers, der auf der prunkvollen Tribüne bei Start und Ziel das Geschehen beobachtete und einen Wagen deutscher Produktion gewinnen sehen wollte, entwickelte sich ein dramatischer Kampf um die Spitze. Nach fünf Stunden und 50 Minuten überfuhr Léon Théry auf einem französischen Richard-Brasier als erster die Ziellinie. Mit 11 Minuten Rückstand folgte Jenatzy mit dem deutschen Mercedes knapp auf dem zweiten Platz.

Der Kaiser war nicht begeistert. Zwar wechselte er noch mit dem überglücklichen Konstrukteur des französischen Wagens, Monsieur Brasier, einige Worte, doch würdigte er dem siegreichen Fahrer nicht einmal eines kaiserlichen Händedrucks. Denn er war als "Berufsfahrer" von niederem Stande und hatte gerade einen deutschen Wagen geschlagen.

Der deutschen Wirtschaft ging es gut, jedoch hat sich die Industrie, mit Ausnahme eines Werkes, an den großen, internationalen Prüfungen nicht beteiligt. So entstand im Ausland und vielfach auch bei den deutschen Konsumenten die irrtümliche Meinung, dass es keine leistungsfähige, deutsche Automobilindustrie gebe.

Dieser Irrtum hat bewirkt, dass die deutsche Automobilwirtschaft auf dem Exportmarkt von Ländern wie Frankreich und Italien erheblich zurückgedrängt wurden. Auch der heimische Markt wurde von "oft minderguten, im besten Falle aber den unseren gleichwertigen, ausländischen Fabrikaten überflutet", so der "Offizielle Führer" des Kaiserpreis-Rennens von 1907.

Um diese wirtschaftliche Misslage zu beseitigen, hat der Kaiserliche Automobilclub und der Verein deutscher Motorfahrzeug-Industrieller eine internationalen Geschwindigkeitskonkurrenz in Deutschland beschlossen. Seine Majestät, der Kaiser, hat durch die Stiftung von Ehrenpreisen und durch die Genehmigung der Bezeichnung "Kaiserpreis, internationales Rennen für Tourenmaschinen" dem Unternehmen eine ganz besondere Bedeutung verliehen.

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