MM-Rückblick

Vor 50 Jahren

Foto: www.millemiglia.it 38 Bilder

1957 wird wegen eines schweren Unfalls mit zwölf Opfern das Ende des Straßenrennens beschlossen.

Formel 1 und Mille Miglia: 1957 verläuft das Gleis parallel. Die Menschen sind in zwei Lager geteilt: Das Duell zwischen Ferrari und Maserati in der Weltmeisterschaft der Formel 1 (das der Dreizack mit Fangio gewann) und in der Marken-Weltmeisterschaft (aus dem die Wagen mit dem springenden Pferd siegreich hervorgingen) lässt nicht nach. Man kann sich leicht die Aufregung der Zuschauer vorstellen, als die beiden Häuser ihre Weltmeister für die 24. Mille Miglia aufbieten.

Nach der Enttäuschung, dass er im Jahr davor im Maserati bei seiner fünften Mal Teilnahme wie vorher stets zur Aufgabe gezwungen war, geht Piero Taruffi mit einem Ferrari 4000 ccm mit 400 Pferdestärken an den Start. Der römische Gentleman, inzwischen fünfzigjährig, mit bedeutenden Gegnern wie den Teamkollegen Collins und Von Trips sowie Moss im Maserati, hat fast resigniert und ist überzeugt, seine prestigeträchtige Karriere abzuschließen, ohne seinen Rennerfolgen - Carrera Panamericana und Targa Florio - den am meisten begehrten Sieg hinzuzufügen.

Seiner besorgten Frau wiederholt er seit Jahren: "Ich höre an dem Tag mit den Rennen auf, an dem ich die Mille Miglia gewinne". Ungläubig muss er sich bei der siegreichen Ankunft in Brescia mehrfach wiederholen lassen, dass er tatsächlich der Erste ist, dass er endlich gewonnen hat. Er weiß nämlich nicht, dass Collins, der in Florenz in Führung lag, 200 km vor dem Ziel in Brescia aufgegeben hat. Freude für Taruffi, Trauer für Ferrari und für die ganze Welt.

Genau so war es: An jenem 12. Mai 1957 fand die Renngeschichte der Mille Miglia ihren Abschluss. In Guidizzolo bei Mantua, weniger als 40 km von Brescia entfernt, erleidet der offizielle Pilot der Scuderia Ferrari, der auf den Sieg der Tour de France zurückblickt, Alfonso Cabeza de Vaca, Marquis de Portago, bei fast 300 Stundenkilometern einen Reifenschaden, rast ins Publikum und stirbt auf der Stelle, zusammen mit Beifahrer Nelson und zehn Zuschauern.

Drei Tage später beschließt die italienische Regierung das Ende der Straßenrennen, vergeblich sind die Einspruchsversuche von Renzo Castagneto und Brescias Bürgermeister Bruno Boni: Eine Heldengeschichte geht unwiderruflich zu Ende.


Aber die Mille Miglia, wie Canestrini sie definierte, ist der Seelenzustand einer Stadt: Auch wenn die Rennen auf der Straße unterbunden sind, kann der Rote Pfeil nicht untergehen. Und genau so kam es.

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