Renault TRM 200 Rustikab Expeditionsmobil

Fernweh-Truck zum Spartarif

Renault TRM 200 Rustikab Expeditionsmobil Foto: Rustikab 23 Bilder

Mit wenig Kohle ganz weit weg: Weniger als 20.000 Euro investierte Horst Fischer in seinen Expeditions-Lkw. Für vergleichsweise kleines Geld baut er jetzt auch im Auftrag für Kunden deren Lkw zum Reisefahrzeug um.

Massivbau aus Siebdruckplatten

Back to the roots – das könnte das Motto von Horst Fischer und seiner Firma "Rustikab" sein. Der Name ist Programm, denn die Kabinen sehen in der Tat ein wenig rustikal aus. Hier folgt tatsächlich die Form der Funktion, denn Fischer hat sehr eigene Vorstellungen davon, wie man eine fernreisetaugliche Wohnkabine aufbaut. Stabil muss sie sein, so Fischer, also baut er stabil. Aus Siebdruckplatten, viele kennen das Material von den Bodenplatten in Auto-Anhängern. Ziemlich schwer im Vergleich zu modernen Sandwich-Kunststoffplatten, aber auch so gut wie unzerstörbar. So hat er sich seine eigene, erste "Rustikab" aufgebaut, mit der er demnächst auch auf große Südamerika-Tour geht. Und weil es so gut gelang, fertigt Fischer mit seiner Firma Rustikab längst auch im Kundenauftrag.

Der Holzaufbau wird mit Aluprofilen durchgeführt, eine Innenisolierung aus PUR-Hartschaum und eine abschließende Sperrholz-Innenverkleidung lassen die Wandstärke auf bis zu 85 mm anwachsen. Gegen Witterungseinflüsse sind alle Schnittkanten mit Klebstoff versiegelt, der fertige Ausbau ist so stabil, dass man das komplette Fahrzeug daran aufbocken kann.

Das Basisfahrzeug ist dabei relativ egal, die Standard-Kabine ist für Lkw bis 7,5 Tonnen ausgelegt – ob jetzt ein größerer MAN oder ein kompakter Iveco die Rustikab-Kabine schultert, ist weitgehend unerheblich.

Expeditionsmobil auf Basis Renault TRM 2000

Fischer hat allerdings einen klaren Favoriten für seine eigenen Fernreisen – den Renault TRM 2000. In der Offroadszene ist der Franzose eher ein Fall für Insider. Der Renault TRM 2000 wurde Anfang der 1980er Jahre erstmals ausgeliefert und ist entsprechend seiner Bestimmung als Militär-Lkw mit handfester Geländetechnik ausgestattet. Ein Vorteil des Sechstonners ist seine Kompaktheit – mit 2,2 Meter Breite und 5,5 Meter Länge beansprucht er nur wenig mehr Verkehrsfläche als ein normaler Doppelkabiner-Pickup.

Der leer 3,4 Tonnen leichte Renault verfügt außerdem über eine Besonderheit: Portalachsen. Diese mit Radvorgelege ausgerüsteten Achsen bescheren dem TRM 2000 eine enorme Bodenfreiheit. 117 PS leistet der 3,6 Liter-Motor, genug für ein Maximaltempo von 90 km/h bei einem Verbrauch zwischen 20 und 25 Liter. Der größte Vorteil des Renault ist allerdings sein Preis: verglichen mit einem ähnlich großen Unimog ist er geradezu ein Sonderangebot, gute Exemplare finden sich ab rund 6.000 Euro bei den einschlägigen Militärfahrzeughändlern vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden.

Pragmatismus statt Protz

Vergleicht man die Kostensituation für Fischers Rustikab mit den Anbietern der repräsentativen Allrad-Villen, wie sie etwa bei Action Mobil die Hallen verlassen, fühlt man sich ohnehin wie im Schnäppchenparadies. Fischer selbst hat nach eigenen Angaben weniger als 20.000 Euro in sein Expeditionsmobil gesteckt – die Arbeitszeit natürlich nicht eingeschlossen. Für Kunden, die sich beim Innenausbau selbst verwirklichen wollen, baut er eine Leerkabine für rund 14.000 Euro. Die Preise für fertig ausgebaute Kabinen sind natürlich in gewissem Rahmen nach oben offen – je nachdem, was der künftige Globetrotter an Ausstattung wünscht.

Dabei bleibt Fischer allerdings geerdet: seine Möbel baut er zweckmäßig, ohne Schnickschnack, aber ebenso stabil wie die Kabine. Pappelsperrholz hat Hausverbot im Rustikab-Möbelbau, dafür werden die Schränke so gefertigt, dass sie von Heizungsluft durchströmt und damit auch bei extremen Witterungsbedingungen trocken gehalten werden.

Mit neuen Kundenfahrzeugen geht es allerdings erst ein bisschen später weiter, im August nimmt sich Fischer eine Auszeit und geht mit seiner eigenen Rustikab auf Entdeckungsfahrt durch Südamerika.

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