Abt Audi RS6 Avant im Fahrbericht

Gelungene Kombination

Fahrleistungen wie ein Porsche Turbo kombiniert mit dem Platz eines Kombi. Mit dem auf 505 PS erstarkten Audi RS6 Avant hat Tuner Abt den fast perfekten Familiensportler geschaffen.

Wenn aus Sportwagenfahrern Familienväter werden, heißt es meist, vom sportlichen Wegbegleiter Abschied zu nehmen. Für alle, die sich trotz des gewandelten Familienstandes nicht dem Sportwagenvirus entziehen können, hat der Tuner Abt aus Kempten einen ganz besonderen Audi RS6 Avant aufgelegt.

Sicher, schon von Haus aus ist das Leistungsangebot des RS6 nicht ohne, doch der Abt RS6 bietet eben von allem etwas mehr – vor allem mehr Leistung und mehr Drehmoment. Durch gezielte Eingriffe ins Motormanagement – neudeutsch: Chiptuning – kitzeln die Allgäuer satte 371 kW (505 PS) aus dem 4,2-Liter-Biturbo-V8, das sind 55 PS mehr als beim Serien-RS6.

Ebenfalls angehoben wurde das maximale Drehmoment des Fünfventilers: um 70 auf jetzt 630 Nm, die bereits ab 2.500 /min anliegen. Ganz nebenbei programmierten die Ingenieure auch die elektronische Tempobremse des Audi um, so dass der Abt RS6 erst bei echten 280 km/h sanft abregelt.

Bis dahin stürmt der Kombi aber voran, als sei der Teufel höchstpersönlich hinter ihm her. In nur 4,6 Sekunden fällt die 100-km/h-Marke. Und wer glaubt, jetzt lasse der Spuk merklich nach, sieht sich getäuscht. Mit unvermindertem Druck, der den Fahrer in den Sitz und den nachfolgenden Verkehr aus dem Rückspiegel verschwinden lässt, reißt der Quattroantrieb den Asphalt unter den vier Rädern schlupffrei hindurch, stets untermalt von der sonoren Bassbegleitung durch den Vierrohr-Edelstahlsportauspuff. Erst wenn die voreilende Tachonadel die 310-km/h-Marke ankratzt – was echten 280 km/h entspricht – , wird der Vortrieb eingestellt. Ging es nur um den Audi-Treiber, dürften es auch noch mehr sein, liegt der fast zwei Tonnen schwere Kombi doch auch bei diesen Tempi satt auf der Straße und hält stoisch den eingeschlagenen Kurs.

Weil aber nicht jeder Zeitgenosse mit einer derart flotten Familienkarosse rechnet, hat Abt auch bei der Bremse mächtig aufgerüstet. Bei Bedarf verbeißen sich vorn die Sechskolben-Bremssättel derart vehement in die 380 Millimeter großen Scheiben und die Vierkolbensättel in die 322 Millimeter große Scheiben an der Hinterachse, dass der Fahrer glaubt, seine Augen verlassen kurzzeitig die angestammten Höhlen. Um Platz für die Energievernichter zu schaffen, füllen Abt die Radhäuser mit 20 Zoll großen Leichtmetallfelgen mit Reifen der Dimension 255/30 ZR 20.

Wer nun glaubt, dass diese extreme Bereifung ein ordentliche Portion an Komfort-Einbußen mit sich bringt, wird vom Abt RS6 eines Besseren belehrt. Straff, aber nicht unkomfortabel rollt das aus der Serie übernommene Fahrwerk über Bodenunebenheiten ab. Es erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten, erfreut mit einem hoch angesiedelten Grenzbereich und einer wieselflinken Gangart auch über kurvige Nebensträßchen. Hier zeigt sich dann jedoch, dass der aufgepeppte RS6 nicht nur Freude verbreiten kann. Wer die Souveränität des aufgeladenen V8-Motors nutzen und aus den Tiefen des Drehmomentgebirges schöpfen will, hat nicht mit dem Starrsinn der Fünfstufen-Automatik gerechnet. Ganz auf Sportlichkeit getrimmt schaltet der Wandler in Fahrstufe D schon bei der kleinsten Gaspedalbewegung zurück, um dem Fahrer einen ordentlichen Schlag ins Kreuz zu verpassen und die Drehzahlmessernadel in Windeseile Richtung Begrenzer zu jagen. Die sportlichere S-Abstimmung macht die Kraftübertragung noch nervöser. Selbst ein Ausweichen in den handgeschalteten Tiptronic-Modus kann die Automatik nicht dazu bewegen, das Drehmoment des Motors ausreichend zu würdigen.

Hier bietet sich für Abt und sein 113.780 Euro teures Spaßmobil dann doch noch Entwicklungspotenzial, denn ein absolut wünschenswertes manuelles Schaltgetriebe ist auch ab Werk für den RS6 nicht lieferbar.

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