auto motor und sport im neuen Design
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Abt eCaddy im Fahrbericht

Erste Ausfahrt mit der E-Postkutsche

Abt eCaddy - Elektro-Caddy - VW - Elektromobilität - Elektrofahrzeug - Elektroauto - E-Mobilität - Deutsche Post Foto: Beate Jeske 17 Bilder

In diesem Jahr nimmt Fahrzeugveredler Abt als einziges deutsches Team an der neuen Formel E teil. Doch nicht nur im Rennsport befassen sich die Kemptener intensiv mit der Elektrotechnik. Im Allgäu werden aktuell mehrere VW Caddy unter Strom gesetzt. auto motor und sport ist eines der E-Autos gefahren, die für die Deutsche Post umgebaut werden.

Auf dem Firmengelände der Abt Sportsline GmbH treffen sich in diesem Moment Gegenwart und Zukunft. Vom Hof rattert ein gelber VW Caddy - beplankt mit Aufklebern der Deutschen Post - während ein weiterer Caddy - in Schwarz gehalten, noch versehen mit Stickern der Tuningschmiede - in die Gegenrichtung zischt. Das Verb verrät den technischen Stand des Autos. Der dunkle Caddy wird nicht mehr von einem Verbrenner befeuert, sondern setzt auf ein alternatives Antriebskonzept.

Abt eCaddy auf 88 PS gedrosselt

Eigentlich steht das Unternehmen Abt, das an seinem Hauptstandort in Kempten rund 160 Mitarbeiter beschäftigt, für spektakuläres Fahrzeugtuning konventioneller Modelle. Doch in einem Großprojekt elektrisiert der Tuner derzeit mehrere VW Caddy; unter anderem für die Deutsche Post. Vier Stück sind bereits seit Oktober 2013 in Bonn und Landau als aufgeladene Briefzusteller im Einsatz. In Kempten düsen bislang fünf eCaddys durch die Gegend. Erfolgreich, wie es aus dem Hause Abt heißt. Insgesamt 30 eCaddy sind in Planung - nicht nur für die Post, sondern auch für weitere Unternehmen. Es könnten aber noch mehr werden, sollten sich noch Auftraggeber finden.

Unter der Haube des Abt eCaddy sitzt ein 65 kW (88 PS) starker E-Motor, der vom Unternehmen ATE (Antriebstechnik und Entwicklungs GmbH) auf die Vorstellungen von Abt hin gefertigt wurde. Bis zu 130 kW (176 PS) könnte das Elektroaggregat maximal leisten. Doch für den Postdienst zügelte Abt die Leistung. "Das Anfahrdrehmoment ist sehr hoch. Das Auto würde alle drei Wochen neue Reifen brauchen, was nicht Sinn der Sache ist", erklärt Jens Häberle, bei Abt zuständig für Elektromobilität.

Teile aus dem VW Touareg Hybrid für den Abt eCaddy

Zusammen mit einer Batterie und dem im zweiten Gang fixierten Getriebe wird der Elektromotor von einer Aluminiumschale geschützt. Dazu verbaute Abt im Motorraum Teile aus dem VW Touareg Hybrid, wie etwa elektrische Unterdruckpumpen und -Sensoren. Außerdem zu finden: eine zweite Steuereinheit, die dem Auto vorgaukelt, es werde noch von einem konventionellen Verbrenner befeuert.

Warum? "Weil ansonsten nicht nur alle Warnleuchten angehen würden, sondern das Auto nur Fehler anzeigen und gar nicht fahren würde", sagt Häberle. ABS, Airbag und Co.: Alles hängt an der ursprünglichen Steuereinheit. Daher der Umgehungstrick.

Doch genug der Technik. Wie fühlt sich der Postbote, der mit dem Abt eCaddy sein tägliches Werk verrichtet. Im Cockpit erwartet den Fahrer eine Landschaft aus Hartplastik. Wohlfühlfaktor? Geht gegen null, wären da nicht die bequemen Stoffsitze. Nicht vergessen: Es handelt sich um ein Nutzfahrzeug und keine Edellimousine.

Abt eCaddy maximal 130 km/h schnell

Beim Tritt aufs Gaspedal wuselt die e-Postkutsche bis 45 km/h flink los, im weiteren Verlauf geht dem Abt eCaddy jedoch mehr und mehr die Puste aus, ehe bei Tempo 130 das höchste der Gefühle erreicht ist. "Theoretisch sind 170 km/h drin. Aber das wäre erstens nicht gut für das Getriebe und zweitens energetisch nicht sinnvoll", berichtet Häberle. Fahrten auf der Autobahn machen folglich mit dem eCaddy keinen Spaß. Es fehlt die Durchzugskraft, was sich insbesondere auf dem Beschleunigungsstreifen bemerkbar macht.

Schnell und spurtstark muss der Abt eCaddy, der mit der maximalen Leistung von 130 kW in ca. neun Sekunden auf 100 km/h rennt, jedoch nicht sein. Sondern zuverlässig seine Pakete ausliefern. In der Stadt mit vielen Beschleunigungs- und Bremsphasen liegt sein Revier.

Überlandfahrten meistert der Abt eCaddy ohne größeres Unbehagen. Die Platzierung der Batterieeinheiten am Unterboden - je vier vor und nach der Hinterachse - sorgt für die richtige Gewichtsverteilung. Bei zügiger Kurvenfahrt neigt das Auto am Eingang zum Untersteuern, während in der Mitte der Kehre das Heck leicht Richtung Fahrbahnaußenseite drängt. Doch alles kein Problem. Über die präzise Lenkung lässt sich das Postfahrzeug jederzeit sicher manövrieren. Besonders gelungen: die wohldosierte Bremse.

35.000 Euro kostet ein Abt eCaddy

Fahrbahnunebenheiten schluckt der Abt eCaddy, der knapp 1,7 Tonnen auf die Waage bringt, zum Wohlergehen des Fahrers. Und die Reichweite? Laut Häberle sind mit vollgeladenen Akkus über 200 Kilometer drin. Allerdings nur bei gemäßigter und gleichmäßiger Fahrt. Ein nervöser Gasfuß sorgt dementsprechend für schnelleres Entladen. Jedoch ohne dass dem Piloten des 35.000 Euro teuren Abt eCaddy Angst und Bange werden muss. Sollte der Saft einmal leer sein, lässt sich das Fahrzeug an einer Haushaltsteckdose in etwa 10 Stunden aufladen. Mit einer speziellen Vorrichtung reduziert sich der Ladevorgang auf 3 bis 3,5 Stunden.

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