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Alfa Giulia 1300, Fiat 124, Lancia Fulvia Berlina

Italienische Oldtimer-Limousinen im Fahrbericht

Alfa Romeo Giulia 1300 Super, Fiat 124 Special und Lancia fulvia Berlina – drei kantige italienische Familienautos mit unterschiedlichem Charakter, aber jedes auf seine Art liebenswert und faszinierend.

Der Begriff Familienkutsche birgt eine gewisse Gähngefahr. Sofort denkt jeder dabei an langweilige Vans, Kombis oder Limousinen, die alle im Alltag anfallenden Fahrten und Transportaufgaben brav erledigen. Doch genau wie heute gab es auch schon vor 50 Jahren praktische und familientaugliche Autos jenseits dieser emotionsfreien Zone.

Damit sind aber nicht solche gemeint, die mit ständigen Defekten ihren Besitzer zur Weißglut brachten und ihn in die Luft gehen ließen wie das HB-Männchen – eine Werbefigur der Zigarettenmarke HB, die in den 60er-Jahren 96 Prozent aller Fernsehzuschauer kannten. Nein, es geht eher um positive Emotionen, um Charaktereigenschaften von Autos, die den Fahrer erfreuen oder gar begeistern. Beim Thema Emotionen, so wollen es viele Klischees, sind die Italiener ganz vorn mit dabei, und so ist die Zusammenstellung der drei Limousinen in dieser Geschichte kein Zufall. Letzterer spielte aber dann doch noch eine Rolle, denn bei dem auf italienische Klassiker spezialisierten René Goudberg von Montagna d’Oro in den Niederlanden fanden wir exakt die gesuchten Wagen beisammen: einen Alfa Romeo Giulia 1300 Super, einen Lancia Fulvia Berlina und sogar einen Fiat 124 Special.

Der Fiat ist eine Rarität

Obwohl von der Fiat-Limousine an die zwei Millionen Exemplare produziert wurden – ohne die diversen Lizenzbauten –, haben nur wenige davon die Rostattacken überlebt. Das ist höchst bedauerlich, schließlich ist der Fiat ein überaus sympathisches Automobil. Schon bei seiner Vorstellung 1966 stieß der 124 als völlige Neukonstruktion auf ein beachtliches Interesse – Fahrzeuge von Fiat waren damals in Deutschland sehr beliebt.

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Obwohl der Fiat 124 millionenfach produziert wurde sind viele Modelle dem Rost zum Opfer gefallen. Gepflegte Modelle sind sehr schwer zu finden.

Dass der Konstrukteur Dante Giacosa und sein Team eigentlich einen Wagen mit Frontantrieb und quer eingebautem Motor entwickelt hatten, blieb damals weitgehend unbekannt. Dieses Auto wurde schlussendlich als Autobianchi Primula verwirklicht. Die Herren in den oberen Etagen des Fiat- Imperiums bevorzugten eine konservative Konstruktion, weshalb beim 124 die Hinterräder angetrieben werden. Seine kantige Karosse bietet optimale Raumausnutzung; die großen Glasflächen und die kleinen 13-Zoll-Räder sind Merkmale, die ihn als modernste Konstruktion in unserem Trio ausweisen. Da der 124 als Massenautomobil gedacht war, wagte Fiat keine Experimente, weshalb sich der Vierzylindermotor mit einer biederen seitlichen Nockenwelle begnügen muss. Die Basisversion bekam 1,2 Liter Hubraum und 60 PS. Bei unserem Fotoauto aber handelt es sich um einen 124 Special mit 1,4 Litern Hubraum und 70 PS, den es ab 1968 gab.

Der Fahrer thront im Fiat

Dieses Modell begeisterte viele Familienväter. Die Front mit den Doppelscheinwerfern verleiht diesem 124 etwas mehr Rasse, und die Holzfolie am Armaturenbrett täuscht einen Hauch von Luxus vor, obwohl die Instrumentierung eher spartanisch ausfiel. Ausstattungsdetails, mit denen sich der Special vom Grundmodell abhebt, sind heute üblich, wie etwa eine Intervallschaltung der Wischer oder ein mehrstufiges Gebläse. Was aber den damals vergleichsweise günstigen Fiat von anderen viertürigen Limousinen abhebt, spürt der Fahrer noch immer: Er thront auf einem großzügig bemessenen Sitz und genießt beste Rundumsicht, um den kompakten Wagen zentimetergenau rangieren zu können.

Das Vierganggetriebe erweist sich beim Schalten als hart und knochig, die Schaltwege sind aber kurz. Dank des geringen Gewichts von 920 Kilo gibt sich der Wagen trotz der geringen Leistung recht munter. Der drehzahlfreudige und nicht unsportlich klingende Motor, die sicheren Fahreigenschaften und die gute Bodenhaftung stacheln zu einer flotten Gangart an. Ja, dieses mittlerweile seltene Auto zu fahren macht Spaß – und nebenbei bemerkt hat es im Vergleich zum Alfa und Lancia den kleinsten Wendekreis und die direkteste Lenkung.

Der Lancia ist eigenwillig

Auf eine völlig andere Art fasziniert der Lancia Fulvia Berlina. Der Schriftzug auf der Heckscheibe liefert einen entsprechenden Hinweis: „Lancia confortevola“. Doch die Fulvia bietet mehr als nur Komfort. Dieses 1963 präsentierte Auto ist durch und durch eigenwillig. Die hohe Gürtellinie, die fast gleich langen Karosserieüberhänge vorn und hinten sowie die steile Front- und Heckscheibe sorgen für eine etwas bleierne, aber individuelle Optik. Unser Fotomodell gehört zur 1969 eingeführten zweiten Serie, die ohne einige skurrile Elemente des Vorgängers wie eine an der Oberkante des Kofferraumdeckels entlanggeführte Zierleiste oder den Trommeltachometer im Inneren auskommen muss.

Mit verschwenderisch gepolsterten Ledersitzen, einem gut bestückten Instrumentenbrett und einem Holzlenkrad wirkt der Innenraum keinesfalls ärmlich. Die Oberkanten der Vorderkotflügel avancieren aus der Fahrerwarte zu Peilhilfen, um die solide gebaute Fulvia Berlina vielleicht nach Rom oder gar Sizilien zu dirigieren. Das hat, je nach Kurve, mit viel Kurbelarbeit zu tun, die Lenkung arbeitet ziemlich indirekt.

Spitzwinkliger V-Motor

Besonders stolz ist der Lancia-Lenker aber auf die Antriebsquelle seines Wagens: Es handelt sich um einen Nachkommen des spitzwinkligen V-Motors mit versetzten Zylindern, wie ihn Firmengründer Vincenzo Lancia schon 1915 patentieren ließ. Der enge Zylinderwinkel des Leichtmetallmotors von 12° 53” 28’ erlaubt einen gemeinsamen Kopf für alle vier Zylinder, zudem ist der Motor um 45 Grad zur Seite geneigt.

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Der enge Zylinderwinkel des Lancia V-Motors erlaubt einen gemeinsamen Kopf für alle vier Zylinder.

Die Fulvia besitzt übrigens Frontantrieb, der bei Lancia im Jahr 1960 mit dem Modell Flavia eingeführt wurde, von dem auch im Prinzip das Fahrwerk und die Konstruktion mit dem vorderen Hilfsrahmen stammen. Was die Fahreigenschaften anbelangt, so erweist es sich nicht von Nachteil, dass die Fulvia als einzige der drei Limousinen mit Blattfedern ausgerüstet ist, wie zeitgenössische Testberichte ebenfalls bestätigten.

Gelobt wurde schon damals den hervorragenden Federungskomfort, und so ist es ein Vergnügen, in Begleitung des kräftigen Brummtons aus dem Maschinenraum gemütliche Reisen zu unternehmen. Denn das trotz 87 PS Nennleistung recht verhaltene Temperament verleitet den Lancia-Piloten nicht zum Rasen. Insofern sorgt das weich und mit langen Gängen zu schaltende Fünfganggetriebe, mit dem die Berlina ab 1970 zu haben war, für Verwunderung. Denn seine Auslegung mit dem ersten Gang links hinten ist eher typisch für Sport- und Rennwagen. Andererseits passt es wieder zu diesem Auto, das einfach nicht so sein will wie alle anderen.

Der Alfa ist eine Sportlimousine

Wer nach Fiat und Lancia direkt in die Giulia umsteigt, kann vor den Alfa-Ingenieuren nur den Hut ziehen – besonders unter dem Aspekt, dass diese Limousine schon 1962 vorgestellt wurde. Die Giulia wirkt aber so lebendig und fahraktiv, als sei sie das jüngste Modell im Feld. Eine Ausnahme mag die Optik sein, doch nicht in allen Belangen. Denn die Giulia ist nicht nur markant, sondern aerodynamisch günstig geformt, mit einer für damalige Verhältnisse schon überdurchschnittlich schräg gestellten Frontscheibe.

Auch wenn die 1965 herausgekommenen Giulia Super mit dem 1,6-Liter-Motor als das ausgewogenste aller Giulia-Modelle gilt, so verstehen auch andere Versionen wie etwa unser Fotoauto 1300 Super den Charakter der damals betont sportlich orientierten Marke zu transportieren. Es stört nicht, dass dieses Modell nur eine Holzfolie am Armaturenbrett hat, aber kein Holzlenkrad, oder dass die Armaturen ohne Chromring auskommen müssen. Die Faszination dieses Autos hat auch nichts damit zu tun, dass es die im Jahr 1970 eingeführten verbesserten Sitze oder das von da an hängend angeordnete Brems- beziehungsweise Kupplungspedal besitzt.

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Die Giulia besticht durch eine markante Optik und ein tolles Fahrgefühl.

Butterweiche Schaltvorgänge

Der Spaß beginnt, wenn die weiße Nadel des großen Drehzahlmessers zuckt und das Zweinockenwellentriebwerk mit sonorem Ton seine Arbeit aufnimmt. Das erregt sogar die Aufmerksamkeit der Kinder, die sonst auf der Rücksitzbank gelangweilt Kekse verkrümeln oder dauernd fragen, wann man endlich da sei.

Schon nach wenigen Kilometern weiß der Fahrer die leichtgängige und exakte Lenkung zu schätzen, genießt jeden Gangwechsel mit dem butterweich zu schaltenden Fünfganggetriebe und erwischt sich beim Ausloten der Kurvengrenzgeschwindigkeit. Faszinierend, wie flott sich ein 1,3-Liter-Wagen dieses Alters bewegen lässt. Die Giulia ist der Idealfall einer sportlichen Limousine, und sie bringt garantiert niemand zum Gähnen.

Fazit

Der Lancia Fulvia Berlina ist ein Auto für Individualisten, für traditionsbewusste stille Genießer. Der funktionelle Fiat 124 ist sympathisch und bringt Spaß beim Fahren. Allerdings wäre mir der Special T mit Zweinockenwellenmotor und etwas mehr Leistung lieber. All das finde ich bei der Giulia – eine rundum gelungene Sportlimousine.

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