Alfa Romeo 159

Sprinter Mailand

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Kommt aus Italien endlich mehr als die aktuelle Designer-Mode? Beim neuen 159 legte Alfa Romeo die Schwerpunkte auf Technik, Qualität, Sportlichkeit und Giugiaro-Design.

Wird endlich alles gut, finalmente? Der harte Kern der Alfa Romeo-Bruderschaft, die Alfisti, glaubt so fest daran wie Giovanni Trapattoni an die Faszination des Defensiv- Fußballs. Der passionierte Italophile ist aus Erfahrung skeptisch. Zu oft wurden alle Qualitätsschwüre später von einem Achselzucken relativiert. Immerhin haben der Fiat Auto-Konzern samt Tochtermarken derartige Erdbeben hinter sich, dass tatsächlich kein Stein auf dem anderen geblieben ist.

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Die Väter des neuen Alfa Romeo 159, der ehemalige Alfa-Chef Daniele Bandiera und der Techniker Paolo Massai, sind längst verabschiedet. Die neue deutsche Eingreiftruppe mit Karl-Heinz Kalbfell an der Spitze und Harald Wester sowie Stefan Ketterer an den Flanken hat zwar erst die Warmlaufphase hinter sich, dabei aber im Bereich Qualitätssicherung und -prozessoptimierung mehr erreicht als alle römischen Legionen zuvor.

Außerdem gab es – vielleicht mit Ausnahme der ersten Alfasud-Generation – noch nie einen Alfa Romeo, an dem alles so neu ist wie an diesem 159: Plattform, Vorder- und Hinterachse, Motorengeneration, Kraftübertragung, Antrieb. Der 159 steht so da, wie alle ausländischen Italien-Urlauberinnen zwischen Lignano und Rimini ihren Urlaubsflirt am Strand erwarten. Markantes Scudetto- Profil, cooler Scheinwerfer-Blick, eine Karosserie wie aus dem Fitnessstudio mit muskulösen Radkästen und einer schlanken Taille im Bereich der B-Säule. Schließlich soll man dem 159 aus jeder Perspektive ansehen, dass er aus einer der aufregendsten Alfa Coupé-Studien entwickelt wurde, dem Brera-Prototyp von Giugiaro.

Der Brera symbolisierte derart genial alle Alfa-Emotionen, dass Bandiera damals zwangsläufig ein ganzes Modellgebinde bei Giorgetto Giugiaro bestellte: den 156-Nachfolger 159, den GTV-Nachfolger Brera, den Spider-Nachfolger Brera Spider und den 159 Crosswagon.

In enger Kooperation mit dem Centro Stile Alfa bekam der 159 gezielt Details spendiert, die den Alfisti Tränen in die Augen treiben: ein aggressives Heck im Coupé-Look, von dem andere GT-Modelle in Vollmondnächten nur träumen können, charakterisiert durch bösartig schmale Leuchten; schmetterlingshafte Rückspiegel; Eisbecher-Instrumente im XL-Format; Sitzbezüge im Rigatoni-Design; ein Schalthebel wie zu Längsmotorzeiten und endlich große Räder.

Im Innenraum wird man wie ein alter Bekannter empfangen. Das Cockpit ist so exakt um den Piloten gezirkelt wie der Fahreroverall um Fabrizio Giovanardi. Wie früher guter Standard bei BMW, wölbt sich die Mittelkonsole, deren Zusatzinstrumente ebenfalls nur auf Pilotenaugen zentriert sind, sanft dem Fahrer entgegen. Dank langer Sitzfläche und gutem Seitenhalt der Rückenlehne ist die Sitzposition von vornherein gut, mit der höhen- und längsverstellbaren Lenksäule lässt sich auch das Interface Fahrer/ Auto millimetergenau einstellen, allerdings könnte man noch etwas sportlich tiefer sitzen.

Wie bemüht Alfa nach neuen Qualitäten sucht, demonstrieren Blenden und Zierleisten aus Aluminium, deren geriffelte Oberflächen für extravagante Lichtreflexe sorgen. Die fehlende Höhenverstellung der vorderen Sicherheitsgurte wird mit der Höhenverstellbarkeit der Sitze erklärt; das ist aber nur ein schwacher Trost, wenn der Gurt am Hals kratzt. Drei Benzin- und drei Dieseltriebwerke – alle ausnahmslos mit Direkteinspritzung ausgestattet – bieten ein breites Leistungsspektrum, das bei 120 PS mit dem 1,9-Liter-Diesel-Zweiventiler beginnt.

Der neue 3,2-Liter-V6-Motor mit 260 PS ist jedoch nur als eine Mittelstation auf dem Weg zum 159 GTA gedacht. Der neue Alfa-Chef Karl-Heinz Kalbfell hat für 2007 eine scharfe Sportversion angekündigt, die mit mindestens 400 PS aus einem V6 Turbo und mit permanentem Allradantrieb ein Sportsfreund für den M3/RS4-Club werden wird. Auch mit halber GTA-Leistung ist man im 159 alfamäßig unterwegs. 200 PS leistet die jüngste Ausbaustufe des 2,4-Liter-Fünfzylinder-Multijet-Diesel mit Vierventilkopf, 400 Nm stehen ab 2000/min als maximales Drehmoment zur Verfügung.

Diese Leistungskurven verlangen typisches Alfa-Fahren. Da unterhalb von 2000 Touren der Durchzug fehlt, braucht der 159 2.4 beim Anfahren mehr Touren als nur die Leerlaufdrehzahlen.

Das serienmäßig manuelle Sechsganggetriebe unterstützt mit kurzen, exakten Schaltwegen und guten Anschlüssen die drehfreudige Motor- Charakteristik. Mit der neuen Vorderachse – Doppellenker statt McPherson – ist nicht nur das unsägliche Stuckern verschwunden. Da auch Antriebseinflüsse weit gehend gefiltert wurden, fühlt sich die Lenkung deutlich präziser und direkter an. Der Alfa 159 lenkt spontan ein und konterkariert mit seinem Kurvenverhalten die alten Vorurteile vom untersteuernden Fronttriebler.

Selbst in der Fahrwerksabstimmung hat Alfa Anschluss gefunden. Der 159 nimmt Bodenunebenheiten viel lockerer als die Vorgänger-Generation, speziell über lange Bodenwellen gleitet er mit tänzerischer Eleganz.

Die harten Schläge, früher demonstratives Bekenntnis zur Sportlichkeit, sind passé und einer straff-komfortablen Auslegung gewichen. Ab der deutschen Markteinführung, die am 23. September beginnen soll, zündet ein buntes Modellfeuerwerk: Das Brera Coupé steht auf der IAA, der 159 3.2 V6 mit permanentem Allradantrieb kommt Ende 2005, in Genf debütiert 2006 der Brera Spider, dem im gleichen Jahr noch der Sportwagon-Kombi folgen soll.

Ist endlich alles gut geworden? – Vediamo, schau’n wir mal. Immerhin hat es bereits einmal einen Alfa Tipo 159 gegegeben. Juan Manuel Fangio ist damit 1951 Formel 1-Weltmeister geworden.

Technische Daten
Alfa Romeo 159 2.4 JTDM 20V Distinctive Alfa Romeo 159 3.2 JTS V6 24V Q4 Progression Alfa Romeo 159 1.9 JTDM 8V Progression
Grundpreis 35.800 € 35.800 € 26.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4661 x 1830 x 1422 mm 4660 x 1830 x 1422 mm 4660 x 1830 x 1422 mm
KofferraumvolumenVDA 405 l 405 l 405 l
Hubraum / Motor 2387 cm³ / 5-Zylinder 3195 cm³ / 6-Zylinder 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 4000 U/min 191 kW / 260 PS bei 6300 U/min 88 kW / 120 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 228 km/h 240 km/h 191 km/h
Verbrauch 6,8 l/100 km 11,2 l/100 km 6,0 l/100 km
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