Alfa Romeo 166

Die viertürige Limousine soll den Erfolg des Alfa 156 in der Oberklasse wiederholen. Der neue 166 bietet kernige Motoren, eine umfangreiche Ausstattung und Designqualitäten.

    Auf den ersten Blick und im Gegensatz zum Alfa 156 wirkt die neue große Limousine Alfa Romeo 166 so dezent elegant, wie es dem Kleidungskodex italienischer Führungskräfte entspricht. Doch je engere Kreise um den Nachfolger des Alfa 164 gezogen werden, je besser der Auto-Focus die Augen auf das chromumkränzte Schild im Kühlergrill scharf stellt, desto mehr offenbart die Stufenheck- Limousine (auf italienisch Berlina) Stil, Charakter und Eigenständigkeit.

Die Frontpartie wirkt wie ein sperriges Riff. Scudo, Baffi, also das Alfa-Wappen samt Schild, die schnurrbärtchenähnlichen flachen Lufteinlaßschlitze – das ganze Programm aus 88 Jahren Tradition, Geschichte und Klasse ist zwischen die beiden flachen Scheinwerfer gepackt. Darunter selbstverständlich auch der Vorgänger Alfa 164, wodurch der 166 vorne erhaben, etwas streng und nicht so dynamisch frech wie der 156 aussieht. Dabei ist dieses Gesicht der betont zurückhaltende Ausgangspunkt eines Designs, das dahinfließt wie ein Abendkleid im Sommerwind.

Die Linien der Oberklasse-Limousine, die mit 4,72 Meter Außenlänge zwischen VW Passat und BMW Fünfer paßt, werden weder von scharfen Kanten noch Regenrinnen gestört. In die sanft ansteigende Keilform haben die Designer anstelle der üblichen, durch Sicken markierten Gürtellinie eine konkave Taille einfließen lassen, die von den Türöffnern bis zu den Radkästen reicht. Etwaige Assoziationen mit anderen Taillen sind durchaus erwünscht „Ich habe dabei“, gibt Walter de Silva, Chef des Centro Stile Alfa, zu, „an eine klassische Frauenfigur gedacht.“ Konsequenterweise sind die Stoßfänger und Radkästen unterhalb dieser Taille breit und satt. 

Die Rückleuchten kommen ohne Einsätze für orange Blinker und weiße Rückfahrleuchten aus, sind also durchgehend rot und ragen wie kantig geschliffene Rubine aus dem glatten Heck. Folgt die äußere Form noch der ästhetischen Funktion italienischer Eleganz, bleibt der Innenraum trotz wertvoller Lederbezüge sachlich, nämlich fahrer- und fahrtorientiert. Trotz ordentlicher Innenraumverhältnisse ist der neue Alfa 166 mehr ein 4+1- als ein Fünfsitzer.

Schuld daran sind die vier gut konturierten Schalensitze, die vorne für angenehmes Sitzgefühl und entspannte Sitzposition sorgen, im Fond wegen ihrer ausgeprägten Seitenwülste in den Lehnen allerdings nur einen schmalen fünften Notsitz in der Mitte erlauben. Die flache Heckscheibe und die Form der C-Säulen vermitteln den hinteren Passagieren dann auch prompt, in einem Abteil zu sitzen, das in früheren Salonwagen als Coupé bezeichnet wurde. Vorne wurden vier verschieden große Rundinstrumente exakt ins Sichtfeld hinter das Volant gezirkelt, und auf der Mittelkonsole sind die Schalter für Zusatzlampen, Rückspiegelverstellung und Klimatisierung endlich zu logischen Gruppen zusammengefaßt.

Wirkt die Plastikoberfläche noch angenehm weich, so sieht die Mittelkonsole mit ihren groben Tasten und einer künstlichen Metallic-Anmutung leider wie eine schlecht getarnte Holz-Attrappe aus einem ersten Designmodell aus. Ebenso gut in Form wie die Form wirkt das Fahrwerk. Ein zusätzlicher oberer Querlenker an der Vorderachse und ein Mehrlenker-System hinten sollen für deutlich bessere Radführung sorgen.

Gleichzeitig wurden Federn und Dämpfer nachdrücklich komfortabel abgestimmt, so daß der Alfa 166 Bodenwellen gut absorbieren kann. Die Motorenpalette besteht aus kräftigen Farben: dem Zweiliter- Vierzylinder-Twin Spark, zwei V6 mit 2,5 und drei Liter Hubraum und dem 2,4 Liter- Fünfzylinder-Turbodiesel JTD mit Common Rail-Einspritzung. Der prestigeträchtige Dreiliter-V6 mit 90 Grad Zylinderwinkel ist mit 226 PS zwar leistungsmäßig Spitze, bekommt aber bei Sportlichkeit und Durchzugsstärke heftige Konkurrenz.

Der Common Rail-Diesel stemmt bereits bei 2000/min sein maximales Drehmoment von beachtlichen 304 Nm auf die Kurbelwelle und wirkt bei niedrigen Drehzahlen deutlich durchzugsstärker und spontaner als die Ottomotoren. Die Serienausstattung umfaßt ABS, Airbags für Fahrer und Beifahrer, (Seitenairbags kosten Aufpreis), ein sogenanntes Integrated Control System mit Monitor für den Betrieb von Klimaanlage, Bordcomputer, Radio, GSM-Telefon und dem als Extra lieferbaren Navigationssystem.

Bei den V6-Versionen ist auch ein Sport Throttle System Standard, bei dem über Gaspedal- Kickdown oder einen Schalter am Armaturenbrett das Ansprechverhalten der Drosselklappen verändert werden kann. Im Normalbetrieb reagieren die Drosselklappen linear zur Gaspedalstellung, im Sportbetrieb öffnen sie progressiv und ermöglichen schnelleres Beschleunigen und damit kürzere Überholmanöver. Für die V6-Modelle ist ein automatisches Sportronic-Getriebe mit adaptivem Schaltprogramm lieferbar, das die Gangwechsel der jeweiligen Fahrweise anpaßt. Der Alfa Romeo 166 kommt Mitte Oktober zu Preisen von 53 000 bis 69 000 Mark auf den Markt. Der Berlina soll Alfa Romeo aber nicht nur das anstehende Weihnachts-, sondern das Geschäft des ganzen Jahres versüssen. 

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