Alfa Romeo Brera

Coupé der guten Hoffnung

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Die marode Fiat-Tochter Alfa Romeo braucht rasche Erfolge, und der neue Brera scheint sie zu ermöglichen. Das 2+2-sitzige Coupé hält sportlich, was die rassige Karosserie von Giorgetto Giugiaro verspricht.

An wen darf Giorgetto Giugiaro die Dankadresse richten dafür, dass sein genialer Prototypentwurf aus dem Jahr 2002 ohne jeden erkennbaren Reibungsverlust in ein Serien-Coupé transferiert wurde, das ebenfalls Alfa Brera heißt?

Zunächst an sich selbst. Italdesign Giugiaro hat auch gleich die Serienentwicklung übernommen, beschäftigt man in Moncalieri bei Turin doch inzwischen mehr Techniker und Entwickler als Designer. Außerdem wurden in einem konzertanten Kraftakt alle Ressourcen gebündelt, um dem ebenso renommierten wie geschundenen Markenemblem Alfa modernes Leben einzuhauchen.

Alfa selbst lieferte als Fundament seine Premium- Plattform 159 samt weiter verfeinerten Allradantrieb Q4, und Pininfarina übernimmt die Serienproduktion. Zum ersten Mal finden sich die drei italienischen Legenden Alfa, Giuguaro und Pininfarina zum gemeinsamen Automobil. Obwohl um 25 Zentimeter kupiert, erweist sich die 159- Plattform als ideales Fundament für dynamische Proportionen: Breit und bullig steht der Brera auf der Straße, Linien und Formen derart akzentuiert, als würden unterm Blech die Muskeln so gespannt, dass Adern und Nerven sichtbar werden.

Um die Quermotoren samt Frontantrieb anstelle des ursprünglich längs eingebauten Maserati V8 unter die Motorhaube zu wuchten, waren im Bereich von Alfa-Grill, – -Scheinwerfern und -Sicken in der Motorhaube einige illusionistische Tricks nötig, damit der wuchtige vordere Überhang kompensiert werden konnte.

Das Alfa-Emblem im Heck fängt strahlenförmig alle möglichen Linien in den Flanken, der Heckscheibe und der Heckscheinwerfer auf, um so eine geschmeidige Bootsheckoptik zu inszenieren. Trotzdem wirkt das Coupéheck gespannt wie der Rücken eines 100-Meter-Sprinters am Start.

Zur Markteinführung in Deutschland, die für den Jahreswechsel vorgesehen ist, werden ein 2,2-Liter-Vierzylinder- Direkteinspritzer mit 185 PS und der 260 PS starke 3,2-Liter- V6-Direkteinspritzer angeboten, ein 200 PS starker Fünfzylinder- Multijet-Diesel kommt im April.

Für den Vierzylinder reicht Frontantrieb, während der neue V6 ausschließlich mit dem permanenten Allradantrieb Q4 kombiniert wird. Da beide Modelle ab Ende 2006 wahlweise auch mit automatischem Sechsstufengetriebe angeboten werden, spürt der geneigte Alfa Romeo-Fan den neuen Wind als markante Brise.

Innen Alfa purissimo, wobei Centro Stile-Chef Wolfgang Egger die letzte GTV-Generation einfach ausblendete und sich bei den Modellen aus jener Ära bediente, in der Alfa- Coupé und -Spider die einzigen offiziellen Transportmittel für Sportsfreunde waren. Die Instrumentierung mit zwei großen, übersichtlichen Instrumenten und drei kleinen Uhren auf der Mittelkonsole orientiert sich an Bertone-GTV und Spider mit Heckantrieb, wirkt aber dank moderner Grafik und zeitgenössischen Materialien nicht gewollt nostalgisch.

Die Blenden aus gebürstetem Alu für Mittelkonsole und Lenkrad erscheinen ebenso hochwertig wie das genarbte Plastik am Armaturenbrett und das Leder, deren Häute in der Option Pieno Fiore sogar von Luca di Montezemolos Luxusleder- und Möbelmarke Poltrona Frau stammen.

Das Cannelloni-Design der Sitze weckt gleichermaßen Reminiszenzen wie die Sitzposition: Hohe Sitze, wenig Kopffreiheit, etwas angewinkelte Knie – das erinnert an die Froschposition der sechziger Jahre. Für den Film „Die Reifeprüfung“ ist Dustin Hoffmann im Alfa Spider so durch halb Amerika gefahren, um Katherine Ross zu entführen.

Wie damals liegt auch der kurze Schalthebel quasi al dente zur Hand, und selbst die hydraulisch unterstützte Servolenkung zeigt beim Kontakt mit der Straße Biss, der darüber hinweg hilft, dass trotz der erhöhten Sitzposition die Wagenschnauze nicht zu sehen ist.

Der neue V6-Motor (siehe Kasten links) lässt den klassischen Alfa-V6 nur soundmäßig vermissen, gleicht das fehlende Vibrato im Auspuff aber durch eine gleichmäßige Leistungsentfaltung sowie eine flache Drehmomentkurve auf hohem Niveau aus. Beim Fahrverhalten werden alle äußeren Versprechungen von Sportlichkeit eingelöst.

Beim ISO-Wedeltest vernascht der Brera laut Alfa mit Tempo 135 km/h den sehr guten 159, der bei den Fahrdynamiktests von auto motor und sport hervorragende Werte lieferte. Anfangs untersteuernd, besinnt sich der Brera im Grenzbereich und bei Lastwechsel auf die Drehmomentverteilung des Torsen C-Twin Diff, das 57 Prozent an die Hinterräder leitet.

Das VDC (Vehicle Dynamic Control) titulierte elektronische Stabilitätsprogramm fängt den Bera allerdings sicher ab, lässt sich zur Erhöhung des Adrenalinspiegels allerdings auch ausschalten. Was bleibt an Wünschen? Vielleicht eine Version B Lungo mit längerem Radstand und stärkerem V6-Turbo-Triebwerk.

Italo-Fans würden sogar den Maserati- Dreizack im Kühlergrill anstelle des Alfa-Scudetto akzeptieren. Es bleibt ja alles in der Familie.

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