Alfa Romeo GT

Alfantastico

Foto: Hans-Dieter Seufert 8 Bilder

Hinter der schlichten Modellbezeichnung GT verbirgt sich ein schnittiges Coupé mit 2+3 Sitzen und einem variablen Kofferraum. Ab Mitte Februar 2004 steht das Alfa-Coupé bei den Händlern.

Gestern oder so noch auf den Showbühnen diverser Autosalons, ab Mitte Februar bereits beim Autohändler im Show-room: Von Wolfenbüttel bis Palermo können sich die bekennenden Liebhaber der Marke Alfa Romeo über die Karriere des neuen Coupés freuen, das zunächst als reines Konzept des Karossiers Bertone entstanden war, um wegen der alten Zeiten auch in den neuen wieder ins Geschäft zu kommen. Alfa Romeo reagierte smart und rasch und übertrug dem Schöpfer so berühmter Vorbilder wie Giulietta Sprint, 2000 Sprint, Giulia Sprint GT und Montreal neben dem Design auch die vollständige technische Entwicklung bis zur Serienreife. Allen Zwängen einer Vernunftehe mit der Bodengruppe des Alfa 156 zum Trotz zauberte Bertones ebenso leichte wie routinierte Hand ein Coupé, das keinerlei Vergleich zu den Ikonen der Zunft zu scheuen braucht. Obwohl der Radstand von 2,59 Metern unverändert übernommen wurde, bescherte das spielerische Verschieben von einigen Zentimetern hier und da dem GT ein markant eigenständiges Profil. Der stolze vordere Überhang, das steile Scudetto und die keilförmige Motorhaube gestatten durchaus Assoziationen mit ebenso deutlich ausgeprägten Cäsaren-Nasen. Ab der A-Säule wirken das Dach und die sanft geschwungene Gürtellinie so kompromisslos nach hinten gebürstet, wie es eigentlich nur durch das Zusammenwirken von Windkanal und Haargel zu erreichen ist. Die schmalen Katzenaugen der Rückleuchten im Rundheck, die tropfenförmige Heckscheibe samt der eigenwilligen Abrisskante am Kofferraumdeckel animieren nicht nur Schöngeister zum anerkennenden Nachpfeifen. Das Heck hat es nicht nur formal in sich. Die Heckklappe öffnet bis zum Dach und erleichtert damit praktisch das Beladen eines Kofferraums, der mit 320 Liter Volumen kaum kleiner ist als jener des Alfa 156 Sportwagon mit 360 Liter.

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Die asymmetrisch geteilte und umklappbare Rücksitzbank erlaubt auch den Transport sperriger Coupé-Accessoires wie Golftasche, Skier oder eines Fahrrads. Die Homologation als 2+3-Sitzer – ja wirklich, laut Gesetz dürfen es sich auch drei Erwachsene in der intimen Lederhöhle des Fond gemütlich machen – führt zu neuen Varianten des Personentransports. Wie in der Holzklasse der Verkehrsflugzeuge sind aber auch im GT-Fond wegen der größeren Ellbogenfreiheit, der körpergerechten Schalen und der besseren Aussicht die beiden äußeren Plätze zu empfehlen. Wer es sich tatsächlich hinten gemütlich machen will, sollte im Bereich der Kniefreiheit Langstreckenerfahrung in Charter-Fliegern haben und wegen der geringen Kopffreiheit unter dem abfallenden Coupédach die Haare keinesfalls toupieren, sondern eng an den Schädel bürsten. Vorn dagegen ist – auf gut deutsch – alles paletti: Schweres Gestühl, vollnarbiges Leder und kunstvoll auf Titanium geschminkte Plastikblenden zeichnen das Bild eines schörkellosen sportlichen Cockpits. Alfa Romeo bietet innerhalb von drei Ausstattungslinien neben dem patentierten Stoffbezug Alfatex unterschiedliche Lederpakete an, die zum GT gehören wie die Fliegerjacke zum Doppeldecker-Piloten. Der GT liegt dank griffigem Lenkrad und Lederschalthebel einfach gut in der Hand, und an der ordentlichen Sitzposition lässt sich lediglich monieren, dass die üppig konturierten Sitze ruhig noch etwas tiefer montiert sein könnten. Erst dann würde den Passagieren dieser unvergleichliche Eindruck vermittelt, tief im Rumpf der Maschine, nahe am Motor und knapp über der Straße zu sitzen, zu leben und zu fühlen. Die Motoren umfassen einen Leistungsbereich von 140 bis 240 PS. Neben dem Einsteigertriebwerk 1.8-Twin Spark wird vor allem der 1.9-Multijet-Common-Rail-Diesel mit 150 PS eine interessante Alternative zu entsprechenden zweitürigen Vernunftversionen in der Kompaktklasse. Der nicht mehr ganz taufrische, quer eingebaute 3.2-V6-Motor sorgt wie immer zuverlässig für erhöhte Pulsfrequenzen. Eigenartigerweise ist es dem wohligen Gänsehautgefühl egal, ob dabei zehn PS mehr (wie im GTA) oder weniger (wie im GT) an den Vorderrädern zerren. Wichtiger wäre endlich, dass bei diesem V6 nicht nur die polierten Ansaugkrümmer glänzen. Mehr Drehmoment bei einem gleichzeitig flacheren Verlauf der Drehmomentkurve gilt schon längst nicht mehr als unsportlich.

Die kurzen, präzisen Wege des trockenen Sechsganggetriebes lassen keinerlei Sehnsucht nach den Schaltwippen des Selespeed-Getriebes entstehen, das nur in Verbindung mit dem Zweiliter-Benzin-Direkteinspritzer JTS erhältlich ist. In engen Spitzkehren gehen dem GT aber alle sportlichen Attribute verloren. Der üppige Wendekreis-Durchmesser von 11,5 Metern verlangt dann nämlich nach spitzen Fingern und sanftem Gasfuß. Dabei ist die hydraulisch unterstützte Zahnstangen-Lenkung an sich fabelhaft, leichtgängig und lebendig, beinahe karthaft aus der Mittellage, und vermittelt ähnlich vergnüglichen Fahrbahnkontakt. Den hält auch das Fahrwerk souverän und komfortabel, solange die Straßenoberfläche glatt und zivilisiert ist. Unebenheiten begegnet der GT aber mit einer Härte im Dämpferbereich, die längst auch bei Sportwagen als nicht mehr gesund gilt. Obwohl der GT auf Retro-Elemente dankend verzichtet, gelingt es ihm, jenes unverfälschte und pure Fahrvergnügen aus den Alfa-Genen zu kitzeln, das einst zwischen Giulietta Sprint und Alfetta GTV zur Serienausstattung eines jeden Coupés gehörte. Beim GT wäre dieses Fahrvergnügen sogar nach oben offen, denn Bertone hätte einen GT Spider nicht nur parat, man könnte ihn in Grugliasco auch zügig produzieren.

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