Alfa Romeo Spider

Aero-Dynamiker

Foto: Achim Hartmann 15 Bilder

Der neue Alfa Romeo Spider setzt seine Insassen ganz klassisch durch Öffnen eines Stoffverdecks an die Luft – allerdings erst ab Herbst. Ob sich das Warten auf den flotten Zweisitzer lohnt, klärt der Fahrbericht.

Vergessen wir für kurze Zeit vermeintlich wichtige Daten und Messwerte, ignorieren all unseren Pragmatismus und genießen einfach das Design des neuen Alfa Romeo Spider.

Schwelgen in diesem durchdringenden Familien-Blick, bewundern die sich sanft aus der Heckpartie wölbenden Finnen und sagen Grazie Alfa, dass du immun bist gegen den Metalldachvirus und allergisch gegen Fondsitzplätze. Der neue Spider ist nicht nur eine konsequente Fortsetzung der Tradition italienischen Offenfahrens, er ist auch so hübsch geworden, dass sich herzschwache Alfisti nur mit ärztlichem Beistand nähern sollten. Aus dem gewiss nicht unattraktiven Brera-Coupé hat das hauseigene Centro Stile zusammen mit Pininfarina ein Traum-Cabrio modelliert. „Più bello“ wie der Italiener sagt, noch schöner als die Basis, weil harmonischer, heckleichter. In 25 Sekunden lässt der offene Italo-Keil fein surrend und vollautomatisch sein knappes Stoffdachhäubchen ausschließlich im Stand fallen. Licht flutet in ein bekanntes Interieur.

Ob 159 oder Brera – dieses Armaturenbrett kennen Alfa-Fans aus dem Effeff. Müssen sie auch, denn der Spider hat nicht nur die feinen Materialien und das fahreraffine Cockpit geerbt, sondern auch die südländisch eigenwillige Bedienung mitsamt 95-prozentiger Verarbeitungsfinesse. Das Neue sitzt den Passagieren im Nacken: die matt silbernen Überrollbügel vor den markanten Höckern oder die abschließbaren Staufächer hinter den Sitzen.

Zwischen den Bügeln hindert ein Plexiglasschott (optional) den Wind daran, die Insassen all zu sehr am Hals zu packen. Schon auf den ersten Metern Fahrt wird klar, dass der neue Spider mit seiner weit heruntergezogenen Frontscheibe und den hohen Türflanken für kleinere Fahrer kein kompromissloser Windstürmer geworden ist. Erst Insassen jenseits der 1,85 Meter zieht der Luftstrom einen sanften Scheitel. Dazu brabbelt der 3,2-Liter-V6-Motor noch eindringlicher und emotionaler, weil besser hörbar als im Coupé.

Allerdings klingt die australisch-italienische Gemeinschaftsentwicklung (Block von der GM-Tochter Holden) streng betrachtet etwas sportlich aufgeregter, als sie dann wirklich ihre Kraft entfaltet. Aber wenn Cabriofahren die gefühlvollste Art der automobilen Fortbewegung ist, dann streichelt dieser Spider die Sinne. Sportliche Fahrer dürften jedoch selbst beim stärksten Aggregat das richtige Forza vermissen. Der Spider ist kein Speeder: Es geht zügig voran, dank des je nach Gripverhältnis leicht bis heckbetonten Allradantriebs mit Torsen-C-Differenzial ohne quietschende Reifen. Aber es ist zu wenig Koffein in Durchzug und Drehwille. Und es bleibt zu befürchten, dass sich der luftige Athlet mit seinen 1690 kg Leergewicht als ähnlich trinkfreudig erweist wie der Brera mit dem identischen Triebwerk.

Ein deutlich sparsamerer und drehmomentstärkerer 2,4-Liter-Common-Rail-Diesel (ebenfalls aus dem Brera) mit 200 PS befindet sich schon auf Erprobungsfahrten. Der Spider nutzt die Gunst des verkürzten Radstandes und nimmt Serpentinen mit ESP (Serie) und italienischer Leidenschaft, eher den BMW Z4 als einen VW Eos im Visier. Knappe Lenkeinschläge reichen für enge Kurven und ein authentisch-sportives Fahrgefühl. Mit seiner agilen Art hält er, vorne mit Doppel- und hinten mit Multilenker bestückt, seinen Fahrer fit wie nach einem doppelten Espresso. Dass er dabei etwas zu nervös auf kräftig ondulierte Straßen reagiert, ist eine kleine, aber verschmerzbare Nebenwirkung der sportlichen Gangart. Das Fahrwerk stößt nicht unangenehm hart und kantig, sondern rundlich straff. Erfreulicherweise ächzt und stöhnt der schöne Italiener dabei nicht wie aufschlagende Tennisspielerinnen. Leichte Torsionsschwingungen weisen aber darauf hin, dass es dennoch steifere Cabrios gibt. Aber sicher kaum welche, die so harmonisch Dynamik und Eleganz verbinden. In einer Zeit, in der Autos immer glatter werden, wirkt der charakterstarke Alfa auch und gerade wegen seiner kleinen Eigenarten wohltuend. Wenn er dann auch noch zuverlässiger als sein Vorgänger wird, verzeihen wir ihm sogar das antiquierte Navigationssystem, den kleinen 235-Liter-Kofferraum und das relativ hohe Geräuschniveau bei geschlossenem Dach.

Ganz pragmatisch gesehen ist der Spider schon in der günstigeren seiner zwei Varianten (Basis und Exclusive) mit Klimaanlage, CD-Radio und 17-Zoll-Rädern gut ausgestattet. Für alle, die sich jetzt schon verliebt haben, heißt es bis September warten. Dann steht der schöne Italiener beim Händler.

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Technische Daten
Alfa Romeo Spider 3.2 JTS V6 24V Q4
Grundpreis 43.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4393 x 1830 x 1318 mm
KofferraumvolumenVDA 253 l
Hubraum / Motor 3195 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 191 kW / 260 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
Verbrauch 11,5 l/100 km
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