Alpina D3

Nagel-Feile

Foto: Rossen Gargolov 12 Bilder

Da hat BMW eine Nische frei gelassen zwischen den Diesel-Modellen 320d und 330d. Für den BMW-Veredler Alpina ist sie groß genug, um sich dort breit zu machen. Der neue D3 mit seinem 200 PS starken, drehfreudigen Zweiliter – Vierzylinder füllt sie aus.

Nach D10 jetzt also D3. Warum auch nicht? Schließlich hat sich das erste Diesel-Auto der Marke Alpina, der Vorgänger des aktuellen Fünfer mit technisch sehr aufwendigem, bärenstarken Dreiliter-Biturbo (245 PS, 500 Nm), ja gut verkauft. In fünf Jahren fand es immerhin fast 250 Abnehmer.

Ganz so hochkarätig geht es beim D3 nicht zu. Er ist auch völlig anders positioniert: Mit einem Grundpreis von 35 900 Euro übernimmt er die Rolle des Einsteigermodells. Das bedeutet aber nicht, dass sich das Alpina-Team die Sache leicht gemacht und lediglich Chip-Tuning betrieben hat. „Dazu sind wir zu dumm“, kokettiert Alpina-Chef Burkard Bovensiepen mit dem Technik- Know-how seiner Entwicklungs- Mannschaft, „wir können nur technische Aufrüstung betreiben.“

Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch die Steuerung der D3-Maschine einschließlich des komplizierten Arbeitsprogramms ihres Partikelfilters – der Motor schafft Euro 4 auch ohne ihn – wurde im eigenen Haus modifiziert. Diese Programmierung ist aber nur ein Teil der Maßnahmen und trägt viel weniger zur Leistungssteigerung bei als die intensive Überarbeitung der gesamten Luftzufuhr.

Im Gegensatz zum Basismotor, der einen IHI-Turbolader besitzt, verwendet Alpina einen in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Firma Garrett entwickelten Lader. Der entspricht auf der Turbinenseite (mit dem Abgaskrümmer verbunden) in den Abmessungen etwa dem Turbolader des Serienmotors, ist aber auf einen deutlich höheren Wirkungsgrad getrimmt (siehe Spotlight).

Alle Maßnahmen auf dieser Laderseite dienen hauptsächlich der Reduzierung des Turbolochs beim Gasgeben. Auf der Verdichterseite ist der Lader eine Nummer größer als das 320d- Pendant. Er erzielt mit seinen insgesamt zwölf Schaufeln einen um rund 15 Prozent höheren Luftdurchsatz in einem breiteren Motor-Drehzahlband. Der verpufft nahezu wirkungslos, wenn nicht die weiteren Wege der Luftführung entsprechend angepasst werden.

Das geschieht mit voluminöseren Kanälen und vor allem dem um rund 50 Prozent größeren Ladeluftkühler vom Sechszylinder-Diesel 330d. Er stellt sicher, dass die mit etwa 190 Grad Celsius einströmende, verdichtete Verbrennungsluft auf rund 70 Grad abgekühlt wird. Gelangen größere Luftmengen in die Brennräume, muss auch die Kraftstoffzufuhr erhöht werden. Dafür sorgen vom 330d stammende, durchsatzfreudigere Einspritzdüsen.

Das Plus des mit maximal zwei bar Überdruck aufgeladenen D3-Motors beträgt in Relation zur 320d-Maschine bei vergleichbarer Rohemission gut 20 Prozent in Nennleistung und maximalem Drehmoment. Die spezifische Ausbeute von 100 PS pro Liter ist aller Diesel-Ehren wert und unterstreicht den betont sportlichen Charakter des Motors.

Unterwegs äußert sich der vor allem durch kraftvollen Antritt im mittleren Drehzahlbereich und unverhohlene Drehfreudigkeit, die den Diesel bis 4700 Touren schnurren lässt.

Dabei geht er angenehm leise zu Werk, lässt aber bei Volllast und in den oberen Regionen doch eine gewisse Rauigkeit spüren – ein Hinweis auf sein Verbrennungsverfahren. Mit dem Attribut sportlich entschuldigt der D3-Diesel auch seine Schlappheit unter 2000 Umdrehungen und die kleine Verzögerung, mit der er aus dem Schiebebetrieb heraus auf Gasbefehle reagiert.

Den durchaus freudvollen Kontakt mit dem leichtgängigen, exakt geführten Schaltstock des Sechsganggetriebes zu suchen ist vor allem in den oberen Gängen häufig sinnvoller, als auf den großen Bums zu warten. Dass der Motor gut bei Kräften ist, versprechen die von Alpina genannten Fahrleistungen: In der Beschleunigung von null auf 100 km/h nimmt der D3 (7,4 s) dem 320d fast eine Sekunde ab, als Höchstgeschwindigkeit soll er Tempo 238 schaffen (plus 13 km/h). Und wie steht es um den Verbrauch?

Obgleich der ECE-Wert mit 5,7 Litern exakt dem des 320d entspricht, wirdwohl auch in diesem Fall das Sprichwort „Von nichts kommt nichts“ seine Gültigkeit behalten. Warten wir auf den Testwagen. Handling und Fahreigenschaften des D3, der etwas straffer abgestimmt ist und für 800 Euro Aufpreis auf üppigen 19-Zoll-Rädern rollt, bereiten auf freier Landstraße große Freude.

Einem Wiesel gleich wetzt dieser Dreier um Kurven jeglicher Art, folgt wie ein großes Kart behände allen Lenkbefehlen und weckt mit nahezu neutralem Eigenlenkverhalten, hervorragender Traktion und sanft eingreifendem ESP großes Vertrauen in die Fahrkünste des Wagens und seines Lenkers. Beim Anblick der breiten Räder mit ihren extrem niedrigen Reifenflanken verfliegt alle Hoffnung auf ansprechenden Federungskomfort.

Eine Fehleinschätzung, denn seine Güte überrascht trotz ungepflegter Steifbeinigkeit auf kleinen Verwerfungen und lauten Abrollens. Störender ist hingegen der unbefriedigende Geradeauslauf bei sehr hohem Tempo, der den Verdacht schürt, die Reifen wollten den Unebenheiten der Autobahn nachlaufen.

Dennoch wird der D3 seinen Weg finden – durch die Lücke direkt in die Herzen sportlicher Diesel-Freunde. Zumal sein Preis (5200 Euro Aufschlag gegenüber dem 320d) für Alpina-Verhältnisse geradezu Schnäppchen-Charakter hat.

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Technische Daten
Alpina D3
Grundpreis 36.828 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1413 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h
Verbrauch 5,9 l/100 km
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