Alt gegen neu

Audi, BMW und Porsche

Foto: Hans-Dieter Seufert 37 Bilder

Nein, früher war nicht alles besser. Auch nicht die Autos. Aber das heißt ja nicht, dass die Vorgänger unserer sportlichen Helden weniger Spaß gemacht hätten. Zur Probe aufs Exempel eine Ausfahrt mit dem Audi Quattro, dem BMW M 535i und dem Porsche Turbo sowie deren Nachfahren.

Audi Quattro von 1980 und RS4: Alle Viere

So ist es seit gut einem Vierteljahrhundert: Die sportlichen Audi-Modelle treiben alle Viere an. Der Begründer dieser Philosophie und gleichzeitig auch „das erste schnell laufende Serien-Automobil mit Allradantrieb“ (zeitgenössische Definition des Herstellers) heißt Audi Quattro – ein fünfsitziges Coupé mit kantiger, unscheinbarer Karosserie.

Kotflügelverbreiterungen, Hartgummi- Heckflügel, Leichtmetallräder und fette Audi-Ringe an den beiden Türen können nicht kaschieren, dass es sich formal um einen Ableger der 80 Limousine handelt. Unter seiner schlichten Hülle steckt jene anspruchsvolle Technik, mit deren Hilfe Audi in knapp zwei Jahrzehnten vom Mittelklässler zum Premiumanbieter emporstieg: permanenter Vierradantrieb und leistungsstarker Fünfzylinder- Turbomotor.

Der „Vorsprung durch Technik“, den der Quattro symbolisiert, gipfelte auf sportlichem Rallye-Terrain im Gewinn je zweier Marken- (1982, 1984) und Fahrer-Weltmeisterschaften (1983: Mikkola, 1984: Blomqvist). Maßgeblicher Anteil daran gebührt natürlich dem Vierradantrieb. Damals, als Fronttriebler in Kurven noch mit Vorliebe geradeaus und Hecktriebler gerne quer fuhren, brillierte der Quattro dank ausgezeichneter Traktion und weitgehend neutralem Eigenlenkverhalten mit überragenden Fahreigenschaften.

Heute, da ESP fast jeden Kleinwagen narrensicher macht, empfindet man diese Quattro-Tugenden nicht mehr als gar so umwerfend und aufregend. Vielmehr erfordern seine um die Mittellage indirekte, aber leichtgängige Lenkung sowie das behäbige Handling und die wenig verzögerungsfreudigen Scheibenbremsen (vorne innenbelüftet) Gewöhnung.

Rasch freundet man sich hingegen mit dem Federungskomfort an: Er nimmt mehr Rücksicht auf die Insassen als die knochentrockene, stößige Fahrwerksabstimmung des RS4. Dafür baut der moderne Audi deutlich höhere Querbeschleunigungen auf, läuft aber in geradezu erschreckender Weise Fahrbahnunebenheiten aller Art nach.

Der 2,2-Liter-Fünfzylinder im Ur-Quattro ist ein Turbomotor alter Schule, aber mit 200 PS durchaus in der Lage, auch heute noch Fahrfreude zu bereiten. Seine Kraftlosigkeit im unteren Drehzahlbereich gleicht er imponierend aus – mit heftigem Schub ab 3500 Umdrehungen, der von aufgeregten Zuckungen des Ladedruckanzeigers (maximal 0,85 bar Überdruck) begleitet wird.

Die Technik-Highlights der Zweiventil-Maschine beschränken sich auf mechanische Benzineinspritzung, vollelektronische Zündung und Ladeluftkühlung. Aufregenden Sound hat er ebenso wenig zu bieten wie der unspezifisch klingende Achtzylinder im RS4. Der hat 4,2 Liter Hubraum, spritzt das Benzin direkt in die Brennräume, dreht gierig bis maximal 8250 Touren, bringt es auf 420 PS und besticht durch famose Leistungsentwicklung in allen Bereichen.

Wie weit der ebenfalls allradgetriebene RS4 fahrdynamisch die Nase vorn hat, zeigen am besten die Beschleunigungswerte von null auf Tempo 200: Da steht es 15,6 zu 40,7 gegen den Ur-Quattro. Es sind zwei Welten, die da aufeinander prallen. Das machen auch Ergonomie und Ambiente in den Cockpits deutlich. Der moderne Audi lässt sich knackig und präzise bedienen, der Pilot hockt in optimaler Position wie festgeklebt im Schalensitz. Nur das abgeflachte Lenkrad ärgert ihn, denn es rutscht häufig mit der geraden, aalglatten Alu-Unterseite völlig unkontrolliert durch die Hände. Auf solch gefährlichen Design-Schnickschnack verzichtet der Quattro. Sein Cockpit stammt aus dem damaligen Audi 80, aufgepäppelt mit Ladedruckanzeige, Lederlenkrad sowie Zughebel und Kontrollleuchten für die beiden zuschaltbaren Sperren. Dazu gibt es sehr bequeme Sportsitze und gemusterte Stoffbezüge – wie einst in Omas guter Stube.

Übersicht: Alt gegen neu
Technische Daten
Audi Quattro Audi RS 4 BMW M5 Porsche 911 Turbo 3.3 Porsche 911 Turbo
Grundpreis 71.700 € 94.700 € 143.008 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4405 x 1725 x 1345 mm 4586 x 1816 x 1415 mm 4855 x 1846 x 1469 mm 4291 x 1775 x 1310 mm 4450 x 1852 x 1300 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 720 l 500 l 105 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder 4999 cm³ / 10-Zylinder 3600 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 309 kW / 420 PS bei 7800 U/min 373 kW / 507 PS bei 7750 U/min 353 kW / 480 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h 250 km/h 250 km/h 260 km/h 310 km/h
Verbrauch 13,5 l/100 km 14,4 l/100 km 12,9 l/100 km
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