Ascari KZ1

Erd-Geschoss

Foto: Charlie Magee 22 Bilder

Gegen einen Ascari KZ1 ist selbst der Porsche Carrera GT Massenware. Ascari? Den britischen Sportwagen mit dem Namen des berühmten Rennfahrers kennen vorläufig nicht einmal Kenner. Aber das könnte sich ändern, wie die erste Bekanntschaft zeigt.

In der Ölindustrie Millionen gemacht, in Spanien zum eigenen Gebrauch eine 5,4 Kilometer lange Rennstrecke gebaut, spaßeshalber mehrere Formel 1-Rennwagen gekauft, den persönlichen Traumsportwagen aus der Taufe gehoben, eine eigene Autofabrik in England aufgebaut – ist Klaas Zwart ein glücklicher Mann? Ist der Papst katholisch? Auf jeden Fall gehört der Holländer zu den Autonarren, die es sich leisten können, ihre Fantasien bis ins Letzte auszuleben. Das hat man selten.

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Noch seltener, ja einmalig, ist freilich seine soziale Ader: Alle dürfen mitmachen, gegen eine gewisse (öffentlich nicht genannte) Gebühr versteht sich, aber immerhin. Wer dem Club Ascari beitritt, kann in Zwarts „Race Resort“ nahe Sevilla nach Lust und Laune Runden drehen, sich aus Zwarts Autosammlung das Passende herauspicken oder sich vor Ort einen fünfsternemäßigen Chillout gönnen.

Die Steigerung: Man kauft sich dazu gleich noch ein Double von Zwarts Traumwagen. Maximal 50 davon wird es geben, Exklusivität ist also garantiert. Gebaut werden die Stücke in einer blitzsauberen Fabrik in Banbury nahe Oxford, und sie tragen einen berühmten Namen: Ascari, so wie der Club, aber vor allem so wie der legendäre Rennfahrer, dessen Nachkommen damit vollstens einverstanden sind.

Zuname: KZ1, die Initialen des frischgebackenen Autobauers, plus die laufende Modellnummer. Und dass der Wagen seinem Namen Ehre macht, ist nach der ersten Bekanntschaft stark anzunehmen. Skeptiker, die auf die in Kleinstserienkreisen übliche Bastelübung tippen, winken jedenfalls zu früh ab.

Der Ascari tritt an, als wolle er es den etablierten Sportwagen-Produzenten zeigen – professionell gestylt, sauberst verarbeitet und bis ins Detail durchentwickelt. Fünf Jahre schon feilen Zwart und sein 42-köpfiges Team am KZ1, über 150 000 Testkilometer wurden mit diversen Prototypen abgespult. Jetzt geht er in Produktion.

Die Hauptmerkmale: Chassis und Karosserie aus Kohlefaser, Letztere mit beispielhafter Oberflächenqualität, ein voll einstellbares Fahrwerk, längs in Wagenmitte installierter V8-Motor vom früheren BMW M5, leistungsgesteigert auf 500 PS (500 Nm), Sechsganggetriebe von Cima, aber kaum Elektronik. ABS, ASR und ESP müssen draußen bleiben. Alles zusammen wiegt nur 1275 Kilogramm und sieht aus, wie man sich ein steroidgefüttertes Mittelmotor-Coupé so vorstellt. Nur ohne Exzesse und insgesamt zierlicher: Mit 4,3 Meter Länge ist der Ascari 21 Zentimeter kürzer als ein Ferrari F430. Der Lechz-Faktor hält sich denn auch in Grenzen, Schickimickis dürfte der Anblick eines Ascari kaum amüsieren.

Wer hier Platz nimmt, beweist eine Vorliebe für Understatement, eine Geschmacksrichtung, der auch die Cockpit-Gestaltung entgegenkommt. Kein spektakuläres Design, kein pompöses Gepränge, stattdessen schlichte Eleganz, die zudem ohne billig wirkende Kleinteile aus der Großserienkiste auskommt.

Selten bei Autos dieser Spezies. Leichte Schalensitze von Sparco bieten mehr Komfort, als man ihnen zutraut, ansonsten feingenarbtes Leder von Wand zu Wand, dazu Minimalluxus in Form von Klimaanlage und CD-Radio.

Ein Startknopf weckt den BMW-V8 im Rücken, der Ascari rollt ruckfrei los und beweist schon auf den ersten Kilometern unverhofften Feinschliff. Die Lenkung, direkt, gut gedämpft, linear, liefert alle gewünschten Informationen, die Bremsen (gelochte Scheiben, Sechskolbensattel vorn, Vierkolbensattel hinten) lassen sich punktgenau dosieren, der getunte Achtzylinder spricht sauber an und ist nicht weniger elastisch als der Serienmotor.

Klaas Zwart bevorzugt offensichtlich die sublimen Genüsse des Fahrens. Der Verdacht erhärtet sich beim verschärften Gasgeben. Die Holperpisten rund um Banbury erträgt der Ascari mit bewundernswerter Fassung. Handling und Komfort bilden genau die Synthese, die eine gekonnte Fahrwerksabstimmung auszeichnet.

Eine straffe Dämpfung hält den Aufbau in Schach, relativ weiche Federn schützen vor herben Stößen und Zähneklappern und ermöglichen hohe Traktionsreserven. Wechselkurven erledigt man aus dem Handgelenk, und wer es wissen will, erlebt im Extremfall nichts Bedrohlicheres als ein leichtes Untersteuern. Zu wenig Nervenkitzel?

Der Wunsch ist bei Ascari Befehl: Dank konfigurierbarem Fahrwerk lassen sich auch individuelle Handling-Vorlieben erfüllen, wie überhaupt das Maßschneidern des Autos gemäß den Vorstellungen des Käufers zum Geschäftsprinzip gehört.

Nur in Sachen Vortrieb muss man vorerst passen, aber damit lässt es sich leben. Der Gedanke an 500 PS mag in diesen Zeiten Sportwagenfans nicht mehr den Schlaf rauben. Aber in Verbindung mit so wenig träger Masse verspricht das PS-Angebot brauchbare Resultate.

In 3,8 Sekunden soll ein KZ1 Tempo 100 erreichen, in 8,3 Sekunden 160 – da gibt es nichts auszusetzen. Auch eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h müsste für das Gros der Kundschaft eigentlich in Ordnung gehen, zumal sie – auf britischen Straßen zumindest – ohnehin graue Theorie ist.

Maximal 70 Meilen pro Stunde (112 km/h) sind erlaubt, die der Ascari, provisorisch gestoppt, in kaum 4,5 Sekunden erreicht, ohne dass der Schub die geringste Ermüdungserscheinung zeigen würde. So dürften die genannten Werte durchaus der Realität entsprechen.

Andererseits kann man sich angesichts der lockeren Art der Umsetzung des Eindrucks nicht erwehren, dass weitere 100 PS auch nicht schlecht wären. Aber das haben Sportwagen dieser Güte nun mal so an sich. Dazu passen übrigens auch die tonalen Qualitäten des Ascari: Statt mit vulgärem Auspufflärm reizt er die Sinne mit wohltemperierten Kängen – sanft beim Piano, aber hart im Abgang.

Auf jeden Fall reicht es, um Insassen und Passanten mit Gänsehaut zu überziehen. Wer sich unterdessen fragt, wo der Haken ist, entdeckt ihn spätestens beim Blick auf das Preisschild. Ein einziger Ascari kostet 235 000 Pfund. Das sind umgerechnet rund 340 000 Euro. Oder zwei Ferrari F430.

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