Aston Martin DB AR1

Selten schön

Aston Martin weckt Begehrlichkeiten, die der DB AR1 allerdings nur begrenzt erfüllen kann. Von dem offenen Zweisitzer mit Zagato-Karosserie werden nur 99 Stück zu einem Preis von 240.000 Dollar gebaut.

Naples, das Urlaubsparadies an der Westküste Floridas, ist an diesem Januarmorgen kein Platz an der Sonne. Die Atmosphäre ist so frostig wie normalerweise auf den Gipfeln der Rocky Mountains: Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, dazu bläst eine steife Brise aus Nordwest. Wenigstens regnet es nicht. Denn das Auto, das vor der Lobby des Ritz Carlton Beach-Hotels geparkt steht, ist so offen wie das Dekolletee von Pamela Anderson. Es hat nicht mal ein Verdeck. Wozu auch? Schließlich wendet sich Aston Martin mit dem DB AR1 an Leute, die auf der Sonnenseite stehen. Der American Roadster 1 kostet 240‑000 Dollar, und die Produktion soll im August starten. 66 Vorbestellungen macht Aston Martin, der kleinste und feinste Zweig der Premier Automotive Group von Ford, zur Bedingung für ei­ne Kleinserie von 99 Stück. Bislang existiert nur eine Studie, die auf der Los Angeles Auto-Show im Januar enthüllt wurde. Mit ihr tourt die Aston-Crew noch bis Mitte März durch 25 US-Städte, um bei Händlern und Kunden Werbung in eigener Sache zu machen. Das Zwischenresultat? Die Fans rufen: Air damit. Zugaben sind aber keine drin.

„Bereits nach wenigen Tagen lagen 125 Anfragen für den AR1 vor“, strahlt Aston-Chef Ulrich Bez, „62 Interessenten haben jeweils 50 000 Dollar Anzahlung geleistet.“ Bez, der über BMW, Porsche und Daewoo zu Aston Martin kam, hat weniger das Problem, die 99 Luftballons steigen zu lassen, als jenen Unglücklichen Trost zu spenden, die wegen des Air-Geizes mit der limitierten Stückzahl leer ausgehen: „Ich habe viele gestandene Männer weinen sehen.“ Das Gros der Sonderserie ist für die USA bestimmt, wo Aston Martin 30 Prozent seines Volumens absetzt. 1500 Autos will Aston dieses Jahr bauen. Bis 2006 soll mit neuen Modellen wie dem AM V8 die Produktion auf 5000 Einheiten hochgefahren werden. Die Exklusivität des vom DB7 Volante abgeleiteten AR1 wird darunter ebenso wenig leiden wie sein spannungsgeladenes Styling. Zagato-Karosserien gelten ja als herbe Schönheiten, aber was Andrea Zagato und Aston-Designchef Henrik Fisker – Bez: „Die letzten Feinheiten haben wir im Hinterzimmer unseres Messestandes auf dem Pariser Autosalon Ende September ausgetüftelt“ – kreiert haben, übt eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Noch lümmelt der AR1 im Morgengrauen auf dem Hotel-Parkplatz. Doch der Wille, wenn es drauf ankommt, Biss zu zeigen wie die Alligatoren in den nahen Everglades, ist ihm förmlich anzusehen. Der wie ein gefräßiger Schlund wirkende Kühlergrill scheint die vor ihm liegende Straße geradewegs verschlingen zu wollen. Die ausgestellten Radhäuser und die bauchigen Türen lassen die teilweise aus Aluminium gefertigte Karosserie sehnig und muskulös wirken. Zwei Höcker hinter den Sitzen wecken Assoziationen an den Rennsport, und die 19-Zoll-Räder mit ultra- flachen Reifen der Größe 245/35 (vorn) und 265/30 (hinten) verleihen dem Zweisitzer optisch festen Tritt. Wehe, wenn er losgelassen. Dann faucht der mit einem Sportauspuff im Ton verschärfte Sechsliter-Zwölfzylinder wie ein gereiztes Raubtier. Den Motor will Aston Martin in Kombination mit handgeschaltetem Sechsganggetriebe für den Einsatz im AR1 in der Leistung auf 441 PS anheben und mit einer‑kürzeren Hinterachsübersetzung ausrüsten. Durch den Verzicht auf ein Verdeck werden laut Ulrich Bez rund 70 Kilogramm Gewicht eingespart. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Fahrleis­tungen. Der 1700 Kilogramm wiegende Zweisitzer soll – unterstützt von einer Zweischeiben-Rennkupplung – in weniger als fünf Sekunden von null auf Tempo 100 beschleunigen und 298 km/h erreichen. Verzögert wird mit speziell an gefertigten Brembo-Bremsen und dem Pe­dalkraftverstärker vom größeren Vanquish.

Das Showcar hat keinen leistungsgesteigerten Motor und ist auch nicht mit Handschaltung, sondern Automatikgetriebe bestückt. Dem Schnellfahren setzen die aus Kunststoff gefertigten Räder des Prototyps Grenzen. Trotzdem lassen die ersten Fahreindrücke ahnen, wie im Serienauto die Post abgehen wird. Faszination verbreitet aber auch das offenherzige Wesen, das neben dem gut heizenden V12 die Herzen wärmt – mag der Fahrtwind noch so kalt sein. In Zeiten, wo Windschotts und elektrohydraulische Hardtops die Naturgewalten bändigen, sind coole Köpfe für am eigenen Leib erlebte Aerodynamik dankbar. Auch die automobilbegeisterten Gäste des Ritz Carlton in Naples, die pro Nacht 525 Dollar hinlegen und in Nobel-Karossen von Audi, BMW, Mercedes, Cadillac, Jaguar und Lexus reisen, können sich dem Spirit dieses Aston nicht entziehen. Fast jeder hält an, fragt nach Ausstattung, Motorleistung, Preis und Produktionsbeginn – und das nicht nur aus Jux und Dollarei, wie Steven Williams, Verkaufsdirektor des örtlichen Aston-Händlers, weiß. „Die Marke hatte stets einen klangvollen Namen, und seit die Leute merken, dass es auch auf der Produktseite vorangeht, ist die Begeisterung voll entflammt“, sagt Williams, der 2002 allein in Naples 15 Aston Martin verkauft hat. Und woher kommen die neuen Kunden? „Von Porsche“, berichtet der Händler, der seine Pappenheimer kennt. Unter gleichem Firmendach wird unter anderen auch Porsche vertrieben. „Seit deren Fans sich von der Aufpreispolitik abgeledert und vom Seitensprung ins SUV-Geschäft mit dem Cayenne irritiert fühlen,“ urteilt Williams hart, „hat sogar ein richtiger kleiner Aston-Run eingesetzt.“

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