Aston Martin DBS

Donner und Gloria

Foto: Hersteller 10 Bilder

Zwölfzylinder- Posaunensound trifft stilvolle Eleganz – der 517 PS starke Aston Martin DBS liftet mit seiner Mischung aus Muskeln und Manieren würdevolles Schnellfahren auf eine höhere Ebene.

Sicher, auch ein VW Passat startet per Einschub-Schlüssel. Nur dass der beim Aston Martin DBS aus Glas ist und in seinem ebenfalls verglasten Dock rot aufglimmt. Kein Wunder, dass die Aston-Leute das Ding „Emotion Control Unit“ (ECU) tauften.

Denn sobald der handliche Knubbel zu schimmern beginnt, glühen nicht nur Enthusiasten vor. ECU schürt bei jedem das Verlangen, den zwölf Brennräumen Flamme zu geben. Zornig bellend erwacht der Sechsliter- V12, markiert akustisch sein Revier, um danach sofort in einen schneidigen Ruhepuls zu verfallen.

Und den Blick ins Innere von Astons neuer Spitzenkraft zu lenken: gewandet in Alcantara und Glattleder, verkleidet mit kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) und Klavierlack. Finger greifen nach gedrehten Aluminium-Reglern für Klimaanlage und Unterhaltungselektronik, Zigarettenasche endet in einem mattgläsernen Becher.

Distinguierter Salon-Stil, wie ihn der Briten-Affine von seinem 240 000 Euro teuren Nobel-Kokon erwartet. Supercars dulden keinen Kunststoff. Na ja, außer vielleicht an den Lenkradhebeln und -tasten. Die kommen einem irgendwie bekannt vor, was ja beim Bedienen grundsätzlich kein Fehler ist. Schließlich soll sich das neue Aston- Topmodell auch nicht als verschrobener Hardcore-Exot, sondern als drahtiger Gentleman-Sportler profilieren.

So atmet der Vanquish-Thronfolger durch eine gegenüber dem DB9 modifizierte Airbox samt Steuerklappe sowie überarbeitete Zylinderköpfe mit von 10,3 auf 10,9:1 erhöhter Verdichtung. Mit der um 60 auf 517 PS gestiegenen Leistung und der längeren Endübersetzung ist der DBS ein sicherer Kandidat im 300-km/h-plus-Club. Er begrüßt die anströmenden Elemente mit einem tief reichenden Spoiler samt Wind-Splitter, ein angedeuteter Diffusor verabschiedet sie.

Der Heckabschluss besteht wie die Motorhaube und weitere Verkleidungsteile aus gewichtsparendem CFK und verleiht den fließenden Formen des Coupés einen maskulineren, definierteren Habitus. Um klare Definition bemüht sich die modifizierte Lenkung. Sie arbeitet mit etwas mehr Servounterstützung als bei DB9 und Vantage, reagiert leichtgängig, ohne die nötige Exaktheit über Bord zu kippen. Umgänglich und kompromissbereit zeigt sich auch das Fahrwerk des DBS, dessen Karosserie aus einem leichten, steifen Verbund aus Aluminium und Magnesium besteht.

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Die Doppeldreiecksquerlenker vorn und hinten bekamen Verstärkung: zum einen durch eine Keramikbremse, die trotz üppiger Abmessungen (398-Millimeter- Scheiben vorn) und kapitaler Sechskolbenzangen pro Rad eine Ersparnis von drei Kilogramm ungefederter Masse erzielt.

Zum anderen parieren die neuen, nunmehr adaptiven Dämpfer selbst harte Schläge gelassen. Im Komfortmodus verpuffen viele Unebenheiten im Dämpferöl, auf Knopfdruck stellt der DBS im Sportmodus auf stur, wird zum konsequenten, fast wankfreien Oberflächen-Kopierer.

Zumal bereits die 20-Zöller harsch abrollen – um im Gegenzug ordentlich Grip aufzubauen: Der DBS entert Kurven weitgehend neutral, wozu der über der Vorderachse platzierte Motor ebenso beiträgt wie das in Transaxle-Bauweise montierte Getriebe.

Wie er sich dabei anfühlt? Mühelos, völlig unaufgeregt. Leider zwingt der hohe Mitteltunnel den Schaltarm in eine verkrampfte Haltung, für die man ihn eigentlich doppelt brechen und im 90-Grad-Winkel neu zusammennageln müsste.

Deutlich hilfreicher: das elektronische Stabilitätsprogramm. Es regelt in Normalstellung fein und sicherheitsbewusst, gewinnt in Sport-Position spürbar an Dynamik oder lässt sich gleich komplett deaktivieren. Egal wie – Passagiere sind nach den ersten schnellen Kurven dankbar für die aufpreisfreien Options-Sportsitze.

Die von Aston Martin überarbeiteten Recaro-CFK-Schalen leisten den G-Kräften erfolgreich Widerstand, ohne zu klemmen, und sparen gegenüber ihren Komfort-Pendants 20 Kilogramm ein – pro Stück. Die Rücksitze spart sich der DBS sowieso.

Im belederten Fond reist lediglich Gepäck, gegen Aufpreis im handgefertigten Lederset in Sattelform. Serienmäßig ist die lineare Kraftentfaltung des Sechsliters. Er schiebt von 1000 bis jenseits 6500/min, kennt weder dunkle Täler noch blitzende Höhen, zaubert einfach eine gerade Linie aufs Subjektiv-Diagramm.

Untermalt von komponierter Auspuffklappen-Akustik: untenrum freizügig, bis rund 3500/min geschlossen und obenraus wieder frei. Abseits vom Bollern oder Schreien profaner Achtzylinder serviert der V12 ein stilvolles Brodeln, das sogar noch im Schiebebetrieb Köpfe dreht und Augenpaare magnetisiert, sie aber nicht rollen lässt. Business as usual eben – jedenfalls für einen Aston Martin.

Technische Daten
Aston Martin DBS
Grundpreis 249.516 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4721 x 1905 x 1280 mm
KofferraumvolumenVDA 155 l
Hubraum / Motor 5935 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 380 kW / 517 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 307 km/h
Verbrauch 16,4 l/100 km
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