Aston Martin Jet 2

Richtig nett ist’s nur im Jet

Foto: Uli Jooß

Mit dem Einzelstück will Bertone die Königsklasse der Luxuswagen wieder aufleben lassen: das individuell maßgeschneiderte Automobil. Aus dem Prototyp könnte eine Kleinserie entstehen.

Ebenso ungewöhnlich wie die Außenhaut – der Jet 2 sieht aus, als wäre er mit flüssigem Metall übergossen - ist die Philosophie, die hinter dem Einzelstück mit Aston Martin-Technik steckt. Bertone will mit dem Jet 2 das maßgeschneiderte Blechkleid wieder aufleben lassen. Der Wegfall des separaten Chassis durch die selbsttragende Karosserie, die zunehmende Automatisierung der Produktion und ein immer dichter werdendes Netz von Sicherheits- und Homologationsvorschriften beendeten diese schillerndste Epoche in der Autogeschichte.

Einzelstück mit Vanquish-Genen

Da auch die Bertone-Ingenieure keine Wunder bewirken können, gründen sich ihre ehrgeizigen Pläne auf ein raffiniertes Täuschungsmanöver. Denn was aussieht wie ein völlig neues Auto, entpuppt sich in seiner Struktur als kaum modifizierter Aston Martin Vanquish.

Die Bodengruppe, die Crashstruktur des Vorbaus, die A-Säule mit Windschutzscheibe, die Innereien der Türen einschließlich integriertem Seitenschutz und der Seitenfenster, die Elektrik und Elektronik sowie das Innenleben des Armaturenbretts stammen aus dem Vanquish. Die Marken-Identität wird durch den unveränderten Kühlergrill gewahrt.

Die 1330 Millimeter flache Karosserie lässt eine vergessen geglaubte Karosserieform wieder aufleben: den zweitürigen Shooting Break. Um Platz für zwei zusätzliche Notsitze und Gepäck zu gewinnen, wurde der Radstand um 21 Zentimeter auf 2,90 Meter verlängert. Der Einstieg in den Fond erfordert angesichts der Enge allerdings die Geschmeidigkeit eines Entfesselungskünstlers, der Knieraum reicht allenfalls für halbwüchsige Kinder.

Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, wird sofort eines klar: Der Jet 2 verleugnet trotz seines Kombi-Hecks keineswegs seine reinrassigen Sportwagen-Gene. Die 460 PS des Sechslitermotors reagieren extrem spontan auf Gasbefehle und katapultieren den 2+2-Sitzer mit brachialer Wucht nach vorn, verbunden mit herrlichem dumpfem Grollen, das sich bei höheren Drehzahlen zu orchestraler Klangfülle steigert.

Dass man dennoch kaum versucht ist, die Leistung auch wirklich auszunutzen, liegt an dem völlig anderen Ambiente des Jet 2-Cockpits. Italienische und englische Stilwelten sind hier eindrucksvoll miteinander kombiniert.

Birnbaumholz und Leder im Innenraum

So findet sich die metallisch gleißende Außenfarbe auch im Cockpit. Wo die Füße der Passagiere den Boden berühren, breitet sich ebenso wie auf der bis zu den Rücksitzen reichenden Mittelarmlehne feinstes Birnbaumholz aus.

Der Gepäckraum ist ebenfalls mit matt polierter Birne verkleidet, das Ganze soll bewusst an das Interieur italienischer Riva-Boote erinnern. Das edle Naturmaterial findet sich sogar an den Rücksitzlehnen, die sich zusammenklappen lassen wie die Schalen einer Muschel.

Der Jet 2 reizt zum souveränen Gleiten im Stil eines klassischen Gran Turismo. Dank des riesigen Glasdachs, dessen Mittelstrebe die Innenbeleuchtung beherbergt, zieht die Natur in dem lichtdurchfluteten Innenraum wie auf einer Großbildleinwand vorbei. Der längere Radstand geht ein wenig zu Lasten der Handlichkeit, sorgt aber im Gegenzug für mehr Souveränität auf unebener Fahrbahn.

Zwischen 30 und 100 Exemplare könnten in einer Kleinserie gebaut werden, falls sich genügend zahlungskräftige Kunden anmelden. Der Mehrpreis gegenüber dem 236.460 Euro teuren Vanquish soll etwa 20 bis 30 Prozent betragen.

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