Aston Martin V8 Vantage Roadster

Eiliger Martin

Foto: Nick Dimbleby 19 Bilder

Der Aston Martin V8 Vantage Roadster ist ein Auto, nach dem sich die anderen Verkehrsteilnehmer den Hals verrenken. Mit betörendem Stil und Sound soll er der Konkurrenz den Marsch blasen.

Bei 4000 Umdrehungen geht im Auspuff eine Klappe auf. Im Idealfall ist dann das Dach weggefaltet und eine solide Felswand zur Rechten. Dann kommt der Auspuff- Sound so richtig kehlig, lüstern, mächtig – Pfeffer für die Trommelfelle. Sicher, der Aston Martin V8 Vantage Roadster kann auch anders, vor allem diesseits der 4000er-Markierung.

Gut so, denn ein Aston ist auch ohne Trompeten- von-Jericho-Auspuffgetöse ein Auto, nach dem sich die anderen Verkehrsteilnehmer den Hals verrenken. Denn er ist schön und selten. 2006 wurden gerade mal 7010 Aston gebaut – nicht wöchentlich, nicht monatlich, sondern verteilt über das ganze Jahr.

Knapp 400 davon gingen nach Deutschland, der immerhin drittwichtigste Markt weltweit. Trotz des neuen Roadsters sollen es nicht mehr werden. Ulrich Bez, Aston Martin-Chef auch nach dem Verkauf der Sportwagen- Schmiede an eine Investorengruppe, hat nicht vor, die Produktion auszuweiten. 7100 Stück jährlich wären drin, mehr geht nicht. Für Roadster-Interessenten bedeutet das: warten.

Wer heute einen der 122 200 Euro teuren Zweisitzer bestellt, muss sich neun Monate in Geduld üben. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude, und das Warten wird sich lohnen, nicht nur wegen des Fanfaren- Auspuffs. Beim ersten Kontakt entpuppt sich der vom Coupé abgeleitete Roadster als Gentleman.

Natürlich ist er ein Sportwagen, wie man angesichts der betörenden Form, des 385 PS starken V8 und der nahezu idealen Gewichtsverteilung durch den hinter der Vorderachse montierten Motor und das Getriebe an der Hinterachse unschwer erkennen kann. Für Überraschung sorgt allerdings, wie kultiviert er sich gebärdet.

Der Motor ist keine jener Macho-Maschinen, die ihren Fahrer ständig dazu animieren, etwas mehr Gas zu geben, als dem Erhalt des Führerscheins gut tut. Fast möchte man dem 4,3-Liter-V8 ein zurückhaltendes Naturell bescheinigen.

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Tritt man das Gaspedal abrupt in den Teppich, geht es kräftig voran, aber sehr gleichmäßig und unaufgeregt, ohne dass der dicke Hammer fällt. Dazu passt die Bremse. Den spitzen Druckpunkt mancher Sportanlage hat die Aston-Bremse nicht. Nach einem leicht zögerlichen Ansprechen lässt sie sich jedoch sehr feinfühlig dosieren, was kräftiges Kopfnicken beim Anbremsen weitgehend ausschließt. Knackig zupacken kann die Anlage außerdem.

Selbst der Fahrkomfort verdient seinen Namen. Trotz der montierten 19- Zoll-Optionsbereifung (ab 1425 Euro) verrichten Federn und Dämpfer ihre Aufgaben sehr ausgewogen. Der Spagat zwischen straff und kommod ist gelungen, und das ohne komplizierte Fahrwerksregelungen. Auch eine Launch-Control, die einen elektronisch überwachten Kavalierstart ermöglicht, sucht man vergebens.

Dazu Ulrich Bez: „Keine Krücken, beim V8 Roadster ist alles echt.“ Natürlich verzichtet Aston beim Roadster nicht auf die Vorteile von ESP, aber um das Stabilitäts-Programm zur Arbeit zu bewegen, muss man es schon sehr bunt treiben. Dazu begibt man sich besser auf abgesperrtes Gelände. Auf der Landstraße wird man allenfalls registrieren, dass der Roadster in Kurven lange neutral bleibt und erst sehr spät zu übersteuern beginnt.

Was sich mit der für einen Sportwagen etwas indifferenten Lenkung ohne Schwierigkeiten parieren lässt. Welche Schaltung soll man nehmen? Keine Frage, das automatisierte Sport- Shift-Getriebe mit den Schaltpaddeln am Lenkrad. Es kostet zwar 4600 Euro Aufpreis, passt aber perfekt zum V8 Roadster.

Im Automatik-Modus erlaubt es entspanntes Cruisen, im Handschalter- Betrieb überzeugt es dagegen mit zackigen Gangwechseln, die im Extremfall nur zwei Zehntelsekunden dauern. Kopfnicken ist auch hier kein Thema, wenn die Zugkraftunterbrechung beim Gangwechsel von kurzem Lupfen des Gasfußes begleitet wird. Die Abstimmung ist gelungen. Die gilt im Prinzip fürs ganze Auto, denn qualitativ hat sich Aston seit den neunziger Jahren enorm entwickelt.

Der V8 Roadster macht da keine Ausnahme. Die Karosserie ist so steif, wie man es von einem offenen Sportwagen erwartet. Verwindungen waren bei der ersten Ausfahrt nicht zu spüren, und lediglich das Windschott (585 Euro) neigt auf schlechten Straßen gelegentlich zum Zirpen. Also am besten im Kofferraum mitführen oder ganz drauf verzichten, denn eigentlich ist es überflüssig.

Zugegeben, oberhalb von 120 km/h braust es schon gewaltig im offenen Vantage, aber bei Landstraßen-Tempo hält sich der Sturm im Cockpit in Grenzen. Ganz ohne Kritik geht es aber auch beim V8 Roadster nicht. Die graue Mittelkonsole wäre in einem Kompaktwagen akzeptabel, in einem Luxus-Auto nicht. Immerhin kann man auf Wunsch Holz oder Klavierlack ordern.

Zudem erfordern die gleichförmigen und winzig beschrifteten Schalter zu viel Aufmerksamkeit bei der Bedienung. Selbst bei den bequemen Sitzen gibt es noch Verbesserungspotenzial, denn im Schulterbereich fehlt Seitenhalt.

Tröstlich zu wissen, dass in den Aston- Rennwagen die gleichen Sitzschienen zum Einsatz kommen und deren Sportgestühl also prinzipiell in den Roadster passt, obwohl es nicht in der Aufpreisliste steht. Auch ein Sportauspuff ist hier nicht zu finden, aber den wird bei diesem Aston keiner vermissen.

Technische Daten
Aston Martin Vantage Roadster 4.7 V8
Grundpreis 122.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4380 x 1865 x 1265 mm
KofferraumvolumenVDA 144 l
Hubraum / Motor 4282 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 283 kW / 385 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
Verbrauch 15,0 l/100 km
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