Aston Martin Vanquish

Unter den noblen Sportwagen dieser Welt soll der neue Aston Martin Vanquish der nobelste sein. Erste Fahreindrücke mit dem 446.000 Mark teuren Stück.

Vanquish-Fahrer kommen nie unerwartet. Kehliges Gebrüll spaltet die Atmosphäre. Die Schallwellen verstärken sich an den Feldsteinmauern, vibrieren über der Straße. Der überaus vernehmliche Auspuffton gehört sicher zum Spektakulärsten, was das neue Topmodell von Aston Martin zu bieten hat. Es liegt nicht zuletzt an der Akustik, dass Menschen beim Auftauchen eines Vanquish in Ekstase geraten.

Chassis aus Aluminium

Den technologischen Fortschritt findet man beim Vanquish vorwiegend im Skelett unter der ganz aus Aluminiumblech gefertigten Außenhaut. So besteht die Bodengruppe im Wesentlichen aus verklebten Aluminiumkomponenten – für Getriebetunnel, A-Säulen und Dachrahmen kommt Kohlefasermaterial zum Einsatz. Seitenteile, Kofferraumboden und die Crashstrukturen sind aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

ESP und Seitenairbags Fehlanzeige

Allerdings fragt man sich, warum ein solcher Technologieträger weder über ESP noch über Seitenairbags verfügt. Und das bei einem Basispreis von 446.000 Mark (Anzahlung: 30.000 Mark). Kenner der Marke dürfte dies jedoch nicht erschüttern. Aston Martin leistete sich schon immer Schwächen, die sich kein Großserienauto erlauben könnte.

Aluminium auch im Innenraum

Darunter fallen auch die hässlichen Schalter aus den unteren Schubladen des Ford-Konzerns, die sich bislang auf feinem Leder und poliertem Wurzelholz tummelten. Hier allerdings hat Aston Martin nachgebessert: Das Gros der Bedienungselemente stammt nun von Jaguar. Zugleich ersetzte man das traditionelle Holz durch modernes Aluminium. Doch manches, das metallisch schimmert, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als schnödes Plastik.

Sequenzielles Schalten

Raum für Verbesserungen bleibt auch bei der Instrumentierung. Die ist für ein Auto dieses Zuschnitts zu spärlich. Außerdem erweckt die Mittelkonsole den Eindruck, als hätte der zuständige Designer vorzeitig die Arbeit eingestellt. Hat man erst einmal Platz genommen, sitzt man im Vanquish vorzüglich. Den gewohnten Schaltknüppel sucht man aber vergebens, ebenso die Kupplung. Stattdessen sieht sich der Fahrer mit zwei paddelförmigen Hebeln links und rechts hinter dem Lenkrad konfrontiert, denn das neue Modell gibt es ausschließlich mit automatisiertem Sechsganggetriebe und sequenzieller Schaltung.

Starterknopf haucht dem V12 Leben ein

Zum Leben erweckt wird der V12 per Knopfdruck. Weitere Tasten auf der Mittelkonsole stellen den Fahrer vor die Wahl zwischen dem schnell schaltenden Sportprogramm und dem sanften Winterprogramm. Für Entscheidungsschwache: Die Normalstellung der Getriebesteuerung ist ein hervorragender Kompromiss. Jedenfalls erfolgen die Gangwechsel erfreulich spontan, aber zugleich ruckarm und ohne lästige Pausen.

542 Newtonmeter Drehmoment

Natürlich herrscht in puncto Durchzugskraft wahrlich kein Mangel. Der Sechsliter-V12 (maximales Drehmoment 542 Nm) geht mit den 1,8 Tonnen des Vanquish geradezu spielerisch um. Schon im Bereich unter 3000/min fühlt man sich bestens versorgt. Heftet man das Gaspedal ans Bodenbrett, dreht das Triebwerk aber ebenso bereitwillig bis zur Grenze von 7300/min, die Katalogleistung von 460 PS stellt sich bei 6500/min ein. Die präzise Lenkung und das sorgfältig abgestimmte Fahrwerk schließlich erlauben es, mit einem Minimum an Aufwand ungewöhnlich schnell zu sein – und das bei annehmbarem Komfort.

So lässt sich nach der ersten Bekanntschaft denn auch zumindest schon mal eines festhalten: Der Vanquish ist der modernste und ausgefeilteste Aston Martin, den es je gab.

Technische Daten
Aston Martin V12 Vanquish
Grundpreis 244.809 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4665 x 1923 x 1330 mm
Hubraum / Motor 5935 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 338 kW / 460 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 322 km/h
Verbrauch 16,7 l/100 km
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