Audi A6 3.0 TFSI

Modellpflege mit technischer Finesse

Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Modellpflege beim Audi A6: Die stilistischen Änderungen fallen sehr dezent aus, dafür gibt es eine Reihe technischer Verfeinerungen. Die wichtigste: ein Dreiliter-Sechszylinder mit Kompressor-Aufladung.

Das T im Heckschriftzug steht für Aufladung. Diese nicht auf Anhieb einleuchtende Erkenntnis vermittelt der Pressetext, den Audi zur Präsentation des modellgepflegten A6 verfasst hat. Bisher war T Turbo, aber das stimmt beim neuen Top-Sechszylinder der großen Mittelklasse- Baureihe nicht mehr. Umschwenken auf K wollte man aber auch nicht, obwohl der V6 unter der Haube von einem Kompressor unter Druck gesetzt wird.

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Für Audi bedeutet dies einen Richtungswechsel zu einer bisher nicht verwendeten Technik, wenn man von den Rennmotoren aus der Silberpfeil-Ära absieht. Wer die Perfektion kennt, mit der die Biturbo-V-Motoren von Audi zu Werke gehen, wird sich über diesen Schritt wundern. Aber nach wie vor hat der Kompressor, der mechanisch über einen Riemen von der Kurbelwelle angetrieben wird, einen Vorteil: Er läuft immer mit, braucht also keine Ansprechzeit zum Aufbau des Ladedrucks.

Beim neuen Audi-Motor, der mit 90 Grad Gabelwinkel ein geräumiges Zylinder-V bereitstellt, sitzt der Kompressor zwischen den beiden Zylinderreihen. Es handelt sich dabei um ein so genanntes Roots-Gebläse, in dem zwei vierflügelige Drehkolben gegenläufig rotieren und so die Ansaugluft verdichten – bis zu einem Überdruck von maximal 0,8 bar. Danach strömt die erhitzte Luft durch zwei Ladeluftkühler. Umfangreiche Tests, so Audi, haben ergeben, dass Anfahrverhalten und dynamisches Ansprechen besser sind als beim Turbo, und die erste Bekanntschaft mit dem A6 3.0 TFSI zeigt denn auch, dass es an beidem nichts zu kritisieren gibt.

Eindrucksvolle Beschleunigung

Der Motor, der mit 290 PS auf eine spezifische Leistung von fast 100 PS kommt, tritt aus dem Stand mit eindrucksvoller Beschleunigung an und verhält sich auch beim Gasgeben im mittleren Drehzahlbereich genauso wie eine erheblich hubraumstärkere Saugmaschine. Kompressoren haben aber einen Nachteil: Im Gegensatz zu Turboladern verursachen sie ein erhebliches Laufgeräusch.

Diesem Heulton geht der Audi mit einem umfangreichen Dämmungspaket zu Leibe – was bleibt, ist ein sonorer Sechszylinderton, aus dem sich das spezifische Kompressorgeräusch kaum heraushören lässt. Ein V8, kein Zweifel, läuft noch einmal kultivierter, und es gibt ihn auch weiterhin im A6 4.2. Aber der Abstand zum Kompressor-V6 ist auf ein Maß geschrumpft, das manchen Kunden nachdenklich stimmen wird. Im maximalen Drehmoment (440 Newtonmeter beim V8, 420 beim V6) liegen beide dicht zusammen.

Aus seiner mit 350 PS deutlich höheren Leistung vermag die V8-Version wenig Kapital zu schlagen: Wegen längerer Gesamtübersetzung beim Achtzylinder ergibt sich nach Werksangabe für beide Modelle eine Beschleunigungszeit von 5,9 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist ohnehin je- weils auf 250 km/h begrenzt.

Quattro-Antrieb

Beim Verbrauch liegt der kleinere Motor vorn: Er kommt im EU-Zyklus auf nur 9,5 Liter/100 Kilometer, der 4.2 liegt bei 10,2 Liter. Beide Motoren sind grundsätzlich mit dem auf eine Basis-Drehmoment- Verteilung von 40 zu 60 Prozent umgestellten Quattro-Antrieb sowie mit einer sechsstufigen Wandler-Automatik gekoppelt. Auch bei der gibt es Verfeinerungen im Detail.

So trennt eine separate Kupplung bei stehendem Auto das Getriebe vom Motor, ein neuer Torsionsdämpfer erlaubt es, über einen weiten Bereich mit geschlossener Überbrückungskupplung zu fahren. Das sind kleine Bausteine bei der Reduzierung von Verbrauch und CO2-Ausstoß, die sich durch die gesamte Motorenpalette der neuen A6-Generation zieht (siehe Tabellen). Den vorläufigen Sparsamkeitsrekord stellt die neue Variante 2.0 TDI e auf. Deren Vierzylinder-Turbodiesel ist zwar schwächer als der normale Zweiliter-TDI, bietet dafür aber einen Generator, der im Schiebebetrieb Energie zurückgewinnt, sowie eine bedarfsgesteuerte Servopumpe für die Lenkung.

Zusammen mit einer um zwei Zentimeter tiefer gelegten Karosserie, weiterem aerodynamischen Schliff und einem in den beiden oberen Gängen länger übersetzten Getriebe kommt dadurch im EU-Zyklus ein für eine Limousine dieser Größenordnung höchst achtbarer Durchschnittsverbrauch von 5,3 Liter/100 Kilometer heraus.

Die umfangreiche technische Feinarbeit, die der A6 erfahren hat, geht Hand in Hand mit einem Facelift, das allerdings kaum diesen Namen verdient, sondern eher als dezente Makeup- Aufffrischung verstanden werden darf. So erhält der typische Kühlergrill jetzt eine hochglänzende Lackierung, an den Flanken fallen eine zarte Aluminium- Leiste, an der Front die neu gestalteten Kühlluft-Einlässe und am Heck breitere Rückleuchten sowie eine schärfer akzentuierte Abrisskante auf.

Dezente Modifikationen im Innenraum

Auch im Innenraum bleiben die Modifikationen äußerst dezent. Eine weicher gepolsterte Rücksitzbank soll für gesteigerten Komfort sorgen, die Grafik der Rundinstrumente präsentiert ein neues Design. Da Autos heutzutage vor allem im Bereich der Elektronik veralten, erfuhr auch das MMI-System eine Überarbeitung. Die Bedienung ist zwar grundsätzlich gleich geblieben, aber es gibt eine verbesserte Kartendarstellung des Navigationssystems sowie bei der Topausführung MMI plus einen in den Dreh- Drück-Steller integrierten Joystick, mit dem sich sehr schnell ein Ziel auf der Karte finden lässt.

In der 3D-Ansicht erscheinen gar touristisch interessante Bauwerke in naturgetreuer Ansicht. Da darf man sich überlegen, ob man sich, im Sinne des Klimaschutzes, die Reise dorthin nicht sparen kann. Die Zahl der aufpreispflichtigen Sonderausstattungen hat wieder einmal zugenommen – alles, was die Zulieferer zu bieten haben, ist jetzt auch im A6 zu haben. Dazu gehören die neue Fernlicht-Automatik und der Spurwechsel-Assistent mit Warnleuchten in den Außenspiegeln, der auf Wunsch durch Lane Assist ergänzt werden kann und den Fahrer durch Lenkradvibration warnt, wenn er ohne zu blinken eine Fahrbahnlinie zu kreuzen droht.

Als krönendes Beiwerk darf der A6-Kunde noch zwischen drei verschiedenen Park-Assistenzsystemen wählen. Auch wer das alles nicht zu brauchen glaubt, bekommt ein qualitativ hochwertiges, fein abgestimmtes Automobil, an dem es wenig zu kritisieren gibt. Schon gar nicht am Einstiegspreis: Der ist gleich geblieben.

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Technische Daten
Audi A6 3.0 TFSI Quattro
Grundpreis 49.850 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4927 x 1855 x 1459 mm
KofferraumvolumenVDA 546 l
Hubraum / Motor 2995 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 213 kW / 290 PS bei 4850 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,3 l/100 km
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