Audi A6 Allroad Quattro 4.2 FSI

Dynamik-Nobel

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Es muss ja nicht immer ein SUV sein. Audis neuer A6 Allroad Quattro 4.2 FSI ist edel, hilfreich und gut: ein feiner Allrad-Kombi mit dezenter Robust-Optik, Niveau-Lift und sportlichen Fahrleistungen.

Mal angenommen, wir Menschen hätten so etwas wie ein Zentraldifferenzial, genau zwischen Kopf und Bauch. Dann wäre das sicher überraschend, weil kein Röntgenarzt es jemals auf dem Schirm hatte. Doch es würde endlich erklären, warum wir wichtige Entscheidungen sowohl mit dem Kopf als auch aus dem Bauch heraus treffen.

Es ist ein ständiges Hin und Her. Sagt der Bauch: „Du wolltest doch schon immer einen großen Geländegänger, gönn ihn dir endlich“, dann meldet sich prompt der Verstand. Argumentiert mit dem gewaltigen Gewicht der SUV. Dem Fahrspaß, der deshalb auf der Strecke bleibt. Den engen Parkhäusern. Und dem Schluckvermögen – der Motoren, nicht der Federung. So was kann sich lange hinziehen.

Es sei denn, das menschliche Mittendifferenzial gibt irgendwann das volle Antriebsmoment an den Kopf, und dem fällt der passende Kompromiss ein: Audi A6 Allroad Quattro. Da steht er also, vor der modernen Glasarchitektur des Audi-Forums in Neckarsulm. Auch sein Vorgänger, in fünf Jahren knapp 90 000 Mal verkauft, kam von hier. Gegen seine Konkurrenten BMW X5 und Mercedes M-Klasse – alles echte SUV – hatte er in den Zulassungsstatistiken keine Chance, und einen Q7 gab’s damals noch nicht im Audi-Programm. Jetzt schon. Auch deshalb war der zusätzliche Entwicklungsaufwand für den neuen Allroad vergleichsweise gering: keine 60 Millionen Euro, sagen Insider. Also ein Q7 für Arme? Keine Spur. Denn als Topversion 4.2 FSI kostet der Allroad stramme 66 000 Euro; der Q7 mit dem gleichen Motor ist inklusive der Luftfederungs-Option gerade mal 1410 Euro teurer. Der Hochdrehzahl-V8 mit 350 PS, eingeführt in der A4-Sportversion RS4 und dort noch mal 70 PS stärker, ist jetzt zum ersten Mal in einen A6 implantiert. Mit dem Allroad, der laut Werksangaben 285 Kilogramm weniger auf die Waage bringt als der Q7, hat der Direkteinspritzer leichtes Spiel. Und er passt zu seinem Charakter. Schon im Stand blubbert er hörenswert aus den beiden Endrohren. Und steppt die Aisin- Automatik bei Vollgas sanft schaltend hinauf bis in den sechsten Gang, dann klingt der an- und abschwellende Motorsound so mitreißend, als hätten sich im Kofferraum einige der berühmten japanischen Yamato-Trommler versteckt, um sich – angenehm gedämpft – für ihren nächsten Auftritt warmzuspielen.

Das CD-Fach kann also getrost leer bleiben. Schwer zu sagen, was in diesem Muskel-Paket mehr Spaß macht: die Tournee über kurvige Landstraßen, die große Tour über die Autobahn oder die Pirsch durchs Gelände.

Der Allroad kann das alles; deshalb heißt er auch so. Auf der Landstraße hat er schon in 6,3 Sekunden das gesetzliche Tempolimit erreicht. Er lenkt präzise ein und hat durch den Quattro-Antrieb, der maximal 75 Prozent der Kraft an eine Achse schickt, jederzeit Grip. Und die Bremsen mit zweistufigem Verstärker überzeugen auf der ganzen Linie, auch wenn sie die rechte Wade das eine oder andere spüren lassen: Wir müssen gerade einen Zweitonner zur Räson bringen. Um die Linie in schnellen Kurven allerdings zu halten, könnte die Lenkung noch einen Tick direkter sein. Für die Autobahnpassage hingegen ist sie genau richtig. Überhaupt der Reisekomfort.

Erster Eindruck: Kein anderer A6 federt so gut wie der etwas schwerere Allroad, nachdem man die serienmäßige Luftfederung über den MMI-Bedienknopf von „dynamic“ oder „automatic“ auf „comfort“ gestellt hat. Dann nerven nicht einmal grobe Querfugen, und Schlaglöcher scheint der Audi lässig zu ignorieren. Windgeräusche?

Sind auf der Anwesenheitsliste bis Tempo 200 einfach nicht zu finden. Fürs Gelände wiederum lässt sich der Alleskönner im „lift“-Modus auf 185 Millimeter Bodenfreiheit trimmen, zumindest bis 35 km/h. Danach senkt er sich um zehn Millimeter ab.

Der Vorgänger konnte allerdings 208 Millimeter Abstand zum Erdreich halten – und er hatte auf Wunsch eine Geländeuntersetzung, die dem Neuen fehlt. Nur das ESP ist im Offroad-Modus auf späteres Eingreifen programmiert. Auch wenn es für den Allroad 4.2 gegen 300 Euro Aufpreis spezielle All- Terrain-Reifen und verlängerte Schutzbleche gegen Split und Schotter gibt: Das softe Gelände-Outfit ist ihm wichtiger als der Gelände-Ausritt. Die serienmäßige Alu-Beplankung vorn und hinten am Unterboden ist eher Deko. Und nicht umsonst bietet Audi seinen Kunden für 1100 Euro an, die Stoßstangen und die Aufsätze an den Seitenschwellern und den Radhäusern ganz dezent in Wagenfarbe zu ordern, nicht im auffälligen Kontrast-Kunststoff des alten Allroad. Dazu die 400 Euro teure Alu-Optik für Dachträger und Schwellerleisten, die der Testwagen trug, um der Noblesse zu genügen. Apropos: Seine Lackierung Polarblau gibt es nur beim Allroad. Exklusivität gilt auch für den Innenraum mit kalifornischem Vavona-Holz und Sitzen, die nicht das Leder, aber etwas Seitenhalt vermissen lassen. Nicht vermissen würden wir allerdings den speziellen Teppichboden „Fresko“, der mit seinen unappetitlichen Farbsprenkeln in Oliv und Beige gerne „Fiasko“ heißen dürfte. Sei’s drum.

Ansonsten ist der Innenraum typisch A6, mit schönen Details wie den tropfenförmigen Instrumenten, mit erstklassiger Ergonomie und Verarbeitung und einem Platzangebot, das nicht nur Passagiere glücklich macht. Sondern im Kombi-Heck auch noch den riesigen Plasma-Fernseher, der rechtzeitig zur Fußball-WM nach Hause transportiert wird. Audis Allroad-Idee zumindest hat die Verlängerung schon geschafft.

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Technische Daten
Audi A6 Allroad Quattro 4.2 FSI
Grundpreis 68.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4934 x 1862 x 1519 mm
KofferraumvolumenVDA 565 bis 1660 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 257 kW / 350 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,2 l/100 km
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