Audi A8 L 6.0 Quattro

Dampfeslustig

Foto: Audi

Bei Audi taucht ein neues Gesicht auf. Im Rückspiegel verkündet es eine klare Botschaft: Hier kommt das neue Topmodell mit langem Radstand, Allradantrieb und 450-PS-Zwölfzylindermotor.

Beim Leistungs-Wettlauf der deutschen Autofirmen ist Audi gut dabei. Aber eben nicht an der Spitze. Der sechs Liter große Zwölfzylinder im neuen Topmodell leistet 450 PS, immerhin 30 mehr als das Triebwerk des Vorgängers und die im VW Phaeton verwendete Ausführung dieses Motors. Aber an die zwölfzylindrige S-Klasse von Mercedes (500 PS) kommt er nicht heran. Wobei dieser Vergleich ein bisschen unfair ist. Denn Mercedes lädt den V12 mit zwei Turboladern auf, was wieder einmal die Weisheit des ehemaligen Porsche-Rennleiters Huschke von Hanstein bestätigt, dass mit vollen Hosen gut stinken ist.

Immerhin einen Superlativ kann die Maschine des A8 6.0 Quattro für sich beanspruchen. Dank ihrer W-Bauweise, bei der die Zylinder der im 72-Grad-Winkel stehenden Zylinderbänke wiederum um 15 Grad versetzt sind, stellt sie den kompaktesten Zwölfzylinder überhaupt dar. Die äußeren Abmessungen entsprechen denen des im A8 angebotenen 4,2-Liter-V8. Nur so wird bei der Quattro-Konzeption, die einen vor der Vorderachse installierten Motor vorsieht, der Einsatz eines Zwölfzylinders überhaupt möglich. Die 30 Mehr-PS gegenüber dem Vorgänger resultieren aus einer umfangreichen Überarbeitung des W12, die sich auf geringere Reibleistung, verminderten Abgasgegendruck und eine modifizierte Schmierung konzentrierte. Entscheidend schließlich ist auch nicht die absolute Leistung, sondern das Leistungsgewicht. Und da vermag der auf einem Alu- Spaceframe aufbauende Audi mit seiner Leichtmetall-Karosse zu punkten. 

Das Werk gibt für die A8 L genannte Ausführung mit langem Radstand ein Gewicht von 1995 Kilogramm an. Das sind 4,4 Kilogramm pro PS, womit der Luxus-Liner auf dem Niveau von Hochleistungs-Sportwagen liegt.

Dampf gibt es also jede Menge, und er ist von jener Art, die puren Antriebsluxus bedeutet. Der große W12 schiebt mächtig an, mit einer ganz kontinuierlich zunehmenden Kraftentfaltung. Die Beschleunigung wird dadurch zu einer kurzfristigen Nebensache: Einfach das Gaspedal durchdrücken, und nach wenigen Augenblicken ist das gewünschte Tempo erreicht. Bis hinauf zu 250 km/h, wo wie üblich elektronisch abgeregelt wird. An dieses Limit stößt der Audi bereits nach knapp 30 Sekunden. Der Zwölfzylinder bleibt dabei bis zum mittleren Drehzahlbereich flüsterleise, erst oberhalb von 4000/min erhebt er seine Stimme zu einem wohl komponierten Sound, der eine treffliche Untermalung der Schubkraft darstellt und dafür spricht, dass der Audi unter den Luxus-Limousinen dieser Welt die sportliche Alternative sein will.

Die von ZF stammende Sechsgang-Automatik, die auf Wunsch auch mit Paddeln am Lenkrad manuell geschaltet werden kann, arbeitet dabei höchst unauffällig: spontane Reaktionen auf Lastwechselbefehle, sanfte Schaltvorgänge. Ein Sportprogramm für die Kraftübertragung gibt es auch, aber dank der fülligen Drehmomentkurve des Zwölfzylinders, deren Maximum von 580 Newtonmetern in einem weiten Bereich von 4000 bis 4700 Umdrehungen anliegt, wird kaum jemals der Wunsch nach seinem Einsatz wach.

Auch die verschiedenen Programme der adaptiven Luftfederung sind mehr eine Spielerei für Technik-Freaks. In Stellung Dynamic senkt sich die Karosserie um 20 Millimeter ab, die Dämpfercharakteristik wird straffer. Komfort mit weicherer Dämpferkennung belässt das normale Karosserieniveau. Es steht immer der volle Federweg zur Verfügung. Die Umstellung erfordert jeweils einen Einstieg ins Bildschirm-Menü. Schon deshalb dürfte es in den meisten Fällen beim automatischen Normalprogramm bleiben. In diesem Modus, bei dem sich der Aufbau oberhalb von 120 km/h um 25 Millimeter absenkt, bietet der Audi einen ausgewogenen Federungskomfort, wobei ihm natürlich auch der stattliche Radstand der Langversion zugute kommt. Das sehr gute Handling, das zu den bekannten Vorzügen des A8 gehört, bleibt auch dem immerhin 5,19 Meter langen A8 L erhalten.

Wer hinter dem Lenkrad sitzt, hat den Eindruck, ein deutlich kleineres Auto zu bewegen, so leichtfüssig lenkt der Audi in Kurven ein, so mühelos lässt er sich auf winkligen Landstraßen bewegen. Er ist ein höchst aktives Fahrer-Auto geblieben, wenngleich der Aufenthalt im weitläufigen Fond mit seinen gut konturierten Einzelsitzen (auf Wunsch ohne Aufpreis) natürlich ebenfalls seine Reize hat. Kunden, die darauf keinen Wert legen, werden ebenfalls bedient.

Die Produktion einer Ausführung mit kurzer Karosserie soll gut einen Monat nach der L-Variante starten. Sie unterscheidet sich nicht nur in der Länge, sondern ist generell mehr auf Fahrdynamik ausgelegt. Die unteren fünf Gänge der Automatik sind kürzer übersetzt, was zusammen mit dem geringeren Gewicht (1960 Kilogramm) noch bessere Beschleunigung verspricht. Die geänderte Abstufung der Kraftübertragung hat allerdings auch eine auf den ersten Blick kuriose Nebenwirkung: Im ECE-Zyklus verbraucht der kleinere und leichtere W12-Audi mit 14,7 Liter/100 Kilometer 0,9 Liter mehr als sein größerer Bruder in der L-Version.  

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Technische Daten
Audi A8 L 6.0 Quattro
Grundpreis 117.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5192 x 1894 x 1455 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 5998 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 331 kW / 450 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 13,8 l/100 km
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