Audi Q7

Sieben auf einen Streich

Foto: Stefan Sauer 22 Bilder

Mit sieben Sitzplätzen versteht sich der Q7 als Sport-Transporter im Audi-Segment. Fahrbericht des 350 PS starken Sport Utility Vehicle mit dem Audi auf der Straße einen neuen Maßstab setzen und im Gelände eine gute Figur abgeben möchte.

Zunächst ist es die Größe, die beeindruckt. Für einen Player in der Klasse über fünf Meter ist der Audi Q7 mit seinen großen Karosserieflächen und dem kleinen Scheibenanteil gefällig gestylt.

Mit etwas gutem Willen kann man sogar die Coupé- Andeutung der Dachlinie erkennen, die auditypische Dynamik, von der die Designer schwärmen. Nicht von ungefähr – schließlich erreicht das stattliche Automobil einen cW-Wert von 0,35, den besten in seinem Segment. Mit 1,7 Meter ist der Q7 der höchste Audi, aber er passt in die Familie. Man fühlt sich sofort zu Hause, alles erinnert an den A6, vielleicht sogar ein bisschen zu sehr. Die Sitzposition ist erhaben. Wie bei anderen SUV sieht man nach vorn keine Motorhaube. Dafür wirkt das Armaturenbrett aufgeräumt wie bei keinem Audi zuvor. Den Blick nach vorn stört kein Scheibenwischer, kein Temperatursensor, kein Luftausströmer – moderne, reduzierte Architektur. Vielleicht hat Chefdesigner Walter de Silva die Fläche rechts neben den Armaturen etwas zu sehr aufgeräumt.

Etwas Holz, eine kleine Unterbrechung der riesigen Fläche könnte hier nicht schaden. Alles konnten die Audi-Designer aber nicht aus dem Weg räumen. Speziell beim Linksabbiegen oder beim Einlenken in Linkskurven stören das dicke untere Ende der A-Säule und der wuchtige Außenspiegel. Ansonsten ist der erste Audi-SUV trotz seiner Garde-Maße erstaunlich leicht und handlich zu dirigieren. Das ist nicht zuletzt der Lenkung zuzuschreiben. Das Fünf-Meter-plus-Auto lässt sich wie eine Mittelklasselimousine bewegen.

Im SUV-Segment dürfte die Lenkung Maßstäbe setzen, vielleicht markiert sie derzeit auch im Audi- Programm die Spitze. Mit dem richtigen Gefühl und der richtigen Spontaneität steuert sie aus der Mittellage heraus. Sie ist präzise beim Einlenken, vermittelt einen guten Fahrbahnkontakt. Und ihr ist zu verdanken, dass sich der Koloss leichtfüßig wie ein Sportler bewegt. Unterstützt wird die Agilität durch den neuen Allradantrieb mit einer Ausgangskraftverteilung von 40 (vorn) zu 60 (hinten) Prozent, die das Eindrehen in Kurven unter Last noch etwas verbessert. Man möchte den Blinker setzen, abbiegen und über den nächsten Pass stürmen. Wechselkurven meistert der SUV im Sportmodus der Luftfederung mit erstaunlich geringer Seitenneigung. Auch der Bremse scheint eine sportliche Gangart nicht zu schaden. Wer es auf die Spitze treiben möchte, der sollte ins ESP-Geländemenü. Jetzt wird das Motormoment im Grenzbereich nicht mehr zurückgenommen, und auch der Bremseingriff wird reduziert.

Der 4,2-Liter-V8 hat mit forcierter Gangart und dem Leergewicht von 2240 Kilogramm keine Mühe. Im Gegenteil: Mit seinem coolen Sound giert er förmlich nach hohen Drehzahlen. Dabei hat Audi das Aggregat gerade in eine andere Richtung optimiert.

Mit motorseitiger Frischluftzufuhr beim Kaltstart, zwei motornahen Kats und einem Haupt-Katalysator soll er bereits fit sein für kommende strenge Abgas- Grenzwerte der Euro 5-Norm. Neben dem Direkteinspritzer-Benziner wird der Q7 im März mit einem Dreiliter-Common-Rail-Diesel an den Start gehen.

6000 Kunden haben in Europa bereits bestellt, 90 Prozent davon mit Dieselmotor. Deshalb wird Audi Ende 2006 einen Achtzylinder-TDI nachschieben. Und dazu gibt es in diesem Jahr auch noch einen 3,6-Liter- FSI-Benziner. Bis Ende 2007 soll der Q7 als Topmotorisierung einen Zehnzylinder- Benziner erhalten. Und hinter vorgehaltener Hand wird bereits von einem Geheimprojekt gesprochen: von einem Zwölfzylinder-Diesel mit 450 PS Leistung und 1000 Nm Drehmoment.

Die Ansage ist klar: Audi möchte den Sportwagen im SUV-Segment stellen. Aber was bitte macht man im normalen Verkehrsalltag mit einem solchen Trumm von Auto, beispielsweise auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt? Die Antwort ist einfach: eine gute Figur. Eingeparkt und rangiert wird mit Kameras vorn und hinten. Auf dem Monitor wird als Parkierhilfe der mögliche Aktionsradius farblich markiert. Und beim Rangieren in engen Parklücken informiert der Audi auch darüber, was an kleinen Hindernissen im Weg ist, damit man nicht an Pfosten oder Hydranten hängen bleibt. Mit dem Transport von Einkaufstüten und Getränkekisten dürfte es im Q7 keine Probleme geben. Werden die beiden hinteren Sitzreihen umgeklappt, dann steht ein Laderaum von 2035 Litern zur Verfügung.

Bleibt die zweite Sitzreihe stehen, gibt es immer noch rekordverdächtige 775 Liter Stauraum. Bei voller Bestuhlung schrumpft die Ladekapazität allerdings auf 330 Liter. Wer dabei schweres Ladegut zu transportieren hat, der weiß es zu schätzen, dass man das Heck per Knopfdruck um 70 Millimeter absenken kann. Der Nutzwert spielt beim Q7 ohnehin eine große Rolle. Und da haben die Entwickler vor allem den Amerikanern genau auf die Finger geschaut. Kein Wunder, dass sich im Audi-SUV deshalb nicht weniger als zehn Cupholder finden. Vier davon nehmen es gar mit 1,5 Liter großen Flaschen auf. Für den US-Markt entwickelte Audi sogar eine eigene Klimaanlage. Während es der Normal-Europäer gern zugfrei hat, möchte der Amerikaner aus den Luftausströmern möglichst mit voller Wucht angeblasen werden.

Die beiden Schiebedächer gibt es jedoch auf allen Märkten. 60 Prozent der ersten Kunden haben diese Option bereits auf den Kaufverträgen angekreuzt. Per Knopfdruck lassen sich die großen Glasflächen mit einem leichten Vorhang verschließen. Das riesige Schiebeelement über den vorderen Sitzreihen lässt sich weit öffnen, die Kleinen auf den beiden hinteren Sitzen müssen sich mit einem Hubdach begnügen.

Variabilität gibt es dafür auf allen Plätzen. Die mittlere Sitzbank lässt sich in Längsrichtung um 100 Millimeter verschieben, die Sitzlehnen können zusätzlich geneigt werden. Die beiden hinteren Sitzreihen sind so konzipiert, dass sie sich mühelos mit einer Hand wegklappen lassen.

Einfach gestaltet sich auch der Umgang mit der Anhängerkupplung. Man muss lediglich ein Abdeckteil entfernen, die Kupplung selbst lässt sich elektrisch aus- und einfahren. Mit einer Anhängelast von 3,5 Tonnen zielt Audi auf eine Klientel, die schwere Pferdeanhänger schleppen muss. Zum aktuellen Stand der Technik gehört es, dass das ESP auch eine Anhänger-Einbremsfunktion hat und kipplige Situationen durch einen gezielten Bremseingriff verhindert. Überhaupt fährt der große Audi mit einer Menge elektronischer Innovationen auf. Dazu gehört ACC plus, die automatische Abstandsregelung, die jetzt von null bis 200 km/h arbeitet und im Ernstfall auch vor drohenden Kollisionen warnt.

Dabei ertönt zunächst ein akustisches Warnsignal. Reagiert der Fahrer nicht, wird er durch einen kurzen Bremsruck zusätzlich wachgerüttelt. Neu ist der so genannte Side Assist. Über Radarsensoren wird der Raum neben und hinter dem Auto überwacht. Fährt man parallel zu einem anderen Auto, erscheint am Außenspiegel ein Leuchtenband. Setzt man jetzt den Blinker, dann beginnt das Leuchtenband warnend aufzublitzen. So soll der Side Assist beim Spurwechsel vor Kollisionen schützen, speziell, wenn ein anderes Auto im toten Winkel fährt.

Zwischen 60 000 und 80 000 Autos pro Jahr will Audi vom Q7 verkaufen. Die Hälfte davon soll in den amerikanischen Markt gehen. Dabei möchte der große Audi vor allem durch die hohe Variabilität und sein Sitzkonzept punkten, das bis zu sieben Personen Platz bietet. Der Q7 versteht sich als echter SUV. Auf der Straße will er der Agilste sein, und im Gelände – diesen Beweis muss er beim Test antreten – soll er dank Allradantrieb und großer Bodenfreiheit zumindest dorthin kommen, wohin es auch der kleinere Konzerngenosse VW schafft.

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Technische Daten
Audi Q7 4.2 FSI Quattro Luftfederung
Grundpreis 70.875 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5086 x 1983 x 1737 mm
KofferraumvolumenVDA 775 bis 2035 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 257 kW / 350 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 244 km/h
Verbrauch 13,6 l/100 km
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