Audi Quattro Concept im Fahrbericht

Fahrt im spektakulären Concept Car

Audi Quattro Concept Foto: Audi 36 Bilder

Den Audi Quattro Concept versehen die Ingolstädter noch mit einem Vielleicht. Doch der eingekürzte RS5 mit dem Leistungsgewicht eines Audi R8 V10 ist mehr als ein Konzept: Er verleiht Audis Sportwagen-Strategie scharfe Ecken und Kanten.

Der Audi Quattro Concept brodelt den Berg hinauf, aus dem Canyon schallt der Tiefbass zurück. Und der Wiederhall addiert das leicht unrunde Fünfzylinder-Blubbern zum rohen Rumpeln, unterbrochen vom fröhlichen Wastegate-Wiehern beim Schalten. Der Audi Quattro Concept sorgt für ein Sound-Panorama, das sogar die traumhafte Aussicht schlägt. Und das will etwas heißen im kalifornischen Hinterland von Malibu. Die Landschaft ähnelt Südfrankreich. Schon ist das Kopfkino an: Walter Röhrl driftet im Audi Quattro am Col de Turini zwischen Felsen und Abgrund. Dann blendet die imaginäre Kamera in den Fußraum, zeigt den Weltmeister beim Pedal-Ballett. Und die Szene ist untermalt vom typischen Stakkato-Gas des Rallye-Profis.

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Audi Quattro Concept lässt die Highway Patrol grinsen

Kopfkino aus, Realität an– zurück zur Eingangsszene. Wobei diese sich fast so fiktiv wie ein Hollywood-Drehbuch liest. Wir brettern mit dem Audi Quattro Concept ein Bergsträßchen von Malibu nach Ventura hinauf, nehmen die Ideallinie ein, holen beim Anbremsen der Spitzkehre weit aus, genießen die komprimierte Bewegung, lassen uns vom Sperrdifferenzial an der Hinterachse herumreißen und vom Boost des 2,5-Liter-Fünfzylinders herauskatapultieren. Alles im Wissen, dass keiner entgegenkommen kann, denn die Highway Patrol sperrt den Verkehr ab. Die gleichen Jungs, die Speedheads normalerweise am liebsten hinter Gittern sehen, grinsen, als der radikal abgekantete Zweitürer um die Ecke tobt.

Der Neue hat etwa so viel kW (300) wie der Audi Sport Quattro PS (306). Und auch sonst hat sich vieles getan seit 1984: Der Audi Quattro Concept würde seinem geistigen Schutzheiligen um die Ohren fahren wie einst Walter Röhrl der Konkurrenz. Bei gekonnter Dosierung von Kupplung und Gas soll der handgeschaltete Concept in 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 springen, natürlich ähnlich schlupfarm wie der Oldie.

Serienfertigung des Audi Quattro Concept ist möglich

Noch nennt Audi diesen GT mit Renn-Potenzial Quattro Concept. Doch das Coupé könnte bald als Kleinserie in Produktion gehen. Als Name stellt sich Wolfgang Egger, Leiter des Audi Avanced Design Studio, einfach Quattro vor – als Hommage an die Rallye-Legende und den Antrieb, der heute für Audi steht. Wie der Sport Quattro von 1984 basiert der Audi Quattro Concept auf einem Serienmodell: damals der Urquattro, heute der RS5. Der Radstand ist um 150 Millimeter gekürzt, der hintere Überhang um 200, das Dach um 40 Millimeter abgesenkt. Die Aluminium-Karosserie des Audi Quattro Concept trägt einige Teile aus kohlefaserverstärktem Kunststoff wie etwa Frontschürze, Motorhaube und Heckdeckel samt ausfahrbarem Spoiler. Ergibt ein Gewicht von 1.300 Kilogramm. Damit ist der Audi Quattro Concept etwa so lang und flach wie ein A3 und so breit wie ein A6, aber 200 Kilogramm leichter als ein TTRS, dessen Motor er unter der Fronthaube trägt.

Trotz des streng fettreduzierten Konzepts ist der neue Quattro nicht asketisch. Immerhin ist Audi konsequent und verzichtet im Audi Quattro Concept auf eine hintere Stummel-Sitzbank – die war schon beim Sport Quattro überflüssiger Ballast. Doch auch der Neue schleppt noch Verzichtbares wie eine elektrische Sitzlehnen-Verstellung mit sich herum, schwelgt innen in Carbon und Leder. Auf optischen Luxus möchte Audi nicht verzichten, ebensowenig auf fühlbare Genüsse. Die rund um das digitale Instrumenten-Display angeordneten Schalter haben einen Druckpunkt, der selbst für einen haptikverliebten Audi bemerkenswert ist. Interessant ist die Kombination aus sämigem Lauf und gleichzeitig einer ultrakonkreten Rückmeldung.

Geistdörfer liest das Gebetbuch im Audi Quattro Concept

Einen Gag hält das Navigationssystem bereit: die Gebetbuch-Funktion. Dabei liest die digitalisierte Stimme von Walter Röhrls ehemaligem Beifahrer Christian Geistdörfer die Streckenkommandos der Rallye-Sonderprüfung Col de Turini vor – welch ein akustisches Schmankerl über dem Soundtrack des Fünfzylinders. Im Audi Quattro Concept bläst ein größerer Turbolader samt schärferer Nockenwelle den 2,5-Liter auf 408 statt 340 PS auf, und das Triebwerk ist längs statt quer eingebaut, was den knackig kurzen Frontüberhang erst ermöglicht. Anders als der geistige Schutzheilige, der Sport Quattro, ist der Audi Quattro Concept wohlproportioniert und steht so satt auf seinen Rädern, als wolle er niemals die Bodenhaftung aufgeben. Es ist das Fahrwerk des RS5 samt Sportdifferenzial an der Hinterachse, das die Verbundenheit zur Straße herstellt.

Der Audi Quattro Concept lebt die Querdynamik-Weisheit, wonach kürzerer Radstand und geringeres Trägheitsmoment um die Hochachse die Kurvenwilligkeit potenzieren. Doch das Heck muss nicht mehr wie früher per schwer erlernbares Linksbremsen zur Mitarbeit gezwungen werden. Der aktuelle Allradantrieb mit Kronenrad-Differenzial kann bis zu 85 Prozent des Drehmoments nach hinten schieben, was sich in einer tänzerischen Leichtfüßigkeit äußert. Und – Driftfreunde aufgepasst – Stephan Reil, der technische Leiter der Quattro GmbH, stellt sich für eine Serienversion ein durchaus spitzeres Einlenkverhalten als beim RS5 vor.

Getarnter Erlkönig des Audi Quattro Concept dreht bereits seine Runden

Nach der kurzen Probefahrt im Audi Quattro Concept fällt es schwer, noch von einem Konzept zu sprechen. Angesichts der Reife wäre Kleinserien-Vorläufer passender. Damit es im Falle eines positiven Vorstandsbeschlusses schnell gehen kann, absolviert ein als RS5 getarnter Quattro bereits Fahrversuche. Auf der Suche nach der eigenen Sportlichkeit muss Audi seinen Weg nicht nur zwischen dem High-Class-Luxus von Bentley und dem Brutalo-Image von Lamborghini suchen, sondern darf nach der Eingliederung von Porsche auch der Alltags-Performance nicht zu nahe kommen.
 
Da ist die Quattro-geladene Rallye-Genetik des Audi Quattro Concept genau das Richtige: Sie arbeitet die Allrad-Tradition der Marke heraus und reicht mit ihrem kompakten Leichtbau in die Moderne. Wir schließen uns dem Vorschlag der Highway-Cops an: Sofort den Quattro bauen.  

Geistiger Schutzheiliger des Concept - der Audi Quattro Sport

Zu schwer, zu groß und vor allem zu unhandlich lauteten die Vorwürfe an den Urquattro, dabei galt er zunächst als unbesiegbar. Doch die Konkurrenz rüstete schnell auf. Audi legte 1984 mit dem Quattro Sport nach. Beim Radstand wurden 32 Zentimeter eingekürzt, die Überhänge aber beibehalten.

Die Karosserie des Sport Quattro bestand weitgehend aus Kevlar, trotzdem brachte es die Straßenversion auf 1.300 Kilogramm Gewicht. Audis Technologie-Träger wurde nur 206 Mal gebaut. Einen brachte Audi zur Präsentation des Quattro Concept mit – und demonstrierte, was sich technisch getan hat. Der Oldie hat ein Turboloch, das sich fast nach einem Laderdefekt anfühlt. Bis 4.000/min ist kaum Vortrieb zu spüren, danach setzt die Leistung schlagartig ein. In Kurven wankt die Karosserie stark, und das Fahrverhalten ist indifferent.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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