Audi R8 gegen Ferrari F430

Eile und herrsche

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In der rechten Ecke: Ferraris F430, das Maß der Dinge in seiner Klasse. In der linken: Audis neuer Mittelmotor- Sportler R8, das Maß der Ringe. Ein Show-Kampf über fünf Runden.

Runde eins. Hier zählt vor allem eines: Beeindrucke den Gegner mit deiner Kampfhistorie. Ferrari meldet 14 Konstrukteurstitel in der Formel 1, dazu 14 Fahrer-Weltmeisterschaften, insgesamt 192 Grand-Prix- Siege. Und Audi? Der Rennbolide R8, den der neue Mittelmotor- Sportwagen gleichen Namens gerne als seinen Patenonkel nennt, gewann fünf Mal die 24 Stunden von Le Mans, immerhin.

Ansonsten hat der zivile R8 in seiner Ahnenreihe außer diversen Sportwagen-Studien wie Quattro Spyder und Avus, die Audi Anfang der neunziger Jahre auf den Automessen dieser Welt herzeigte, nichts zu bieten. Der F430 von Ferrari dagegen tritt mit einem imponierenden Stammbaum auf, der über 360 Modena und 355 GTB zurückreicht bis zum 348 tb von 1989. Runde zwei: Zeig, dass du in Form bist und bring das Publikum auf deine Seite.

„Pininfarina“ steht seitlich auf dem F430. „de Silva“ müsste eigentlich auf dem R8 stehen. Audis Chefdesigner hat so viele Ideen in den Neuen gepackt, dass sie anderen für drei Autos reichen würden. Formen, Kanten, Linien – sie alle ziehen den R8 in eine kraftvolle Spannung hinein. Der Trapezgrill, der bei den anderen Audi so wuchtig wirkt, teilt sich vorne die Aufmerksamkeit mit den zwei ähnlich breiten Lufteinlässen und ihren schwarzen Lamellen. So, als hätte der R8 quasi drei massige Grills.

Fast bis in die Motorhaube hoch wölben sich vorne die Radhäuser und lassen dadurch die optionalen 19-Zöller wie 22-Zoll- Felgen wirken. In sämtliche Ecken und Enden hat Walter de Silva seine Designtruppe gehetzt, ließ sie überall kleine Gimmicks verteilen: Aus den Blinkern hinten und der dritten Bremsleuchte wurden schmale, scharfe Leuchtbänder. Die jeweils zwölf LEDs des Tagfahrlichts schwingen sich in weitem Bogen um die Frontleuchten herum, formen einen Blick, der Respekt provoziert.

Zwar erinnern die Karbon- Paneele an den Wagenflanken für 1900 Euro an die Optik eines Smart Fortwo, begeistern das Publikum aber enorm. Auf der Piazza vor dem Audi-Forum in Ingolstadt, wo un- sere Rivalen fürs Fotoshooting stehen, sammeln sich auf den Sideblades Hunderte von Fingerabdrücken der „Wahnsinn, echt Wahnsinn“ murmelnden Fans an. Für fast 3000 Euro gibt’s den Karbon-Look übrigens auch für den hinten unter einer Glashaube liegenden Motorraum.

Wer 540 Euro zusätzlich für dessen indirekte LED-Beleuchtung spendiert und dann mit dem R8 nachts durch die City rollt, der gibt dem Begriff „Schaufensterbummel“ eine völlig neue Bedeutung. Auch wenn der F430 seinen V8 gut sichtbar mit Schrumpflack- Rouge geschminkt hat, vorne zwei riesige Nüstern zum Luftholen trägt und hinten den Heckbürzel samt der vier runden Leuchten des Supersportlers Ferrari Enzo Ferrari, wirkt er im Vergleich beinahe dezent gestylt. Der R8 schindet Eindruck; der F430 macht ihn. Runde drei: Setze deine ganze Technik ein. Beide sind Aluminium- Athleten.

Beim 104 400 Euro teuren Audi wiegt die von Schweißnähten und 800 Stanznieten zusammengehaltene Spaceframe-Rohkarosse gerade mal 210 Kilo. Trotzdem bringt er, alles in allem, 1560 Kilogramm und damit 110 mehr auf die Waage als der 149 700 Euro kostende F430 (ohne F1-Schaltung). Ferrari hat 70 Kilogramm allein dadurch eingespart, dass statt Allradantrieb ein elektronisch arbeitendes Differenzial mit zusätzlichen Kupplungen an den beiden Antriebswellen für erstklassige Traktion sorgt.

Anders als sonst beim Quattro-Antrieb üblich, muss der R8 ohne Differenzial auskommen. Wie beim über 45 000 Euro teureren Konzernbruder Lamborghini Gallardo verteilt lediglich eine Visco-Kupplung die Kraft an Vorder- und Hinterachse. Beide stammen, wie das sequenzielle R-Tronic- Getriebe (gegen Aufpreis), im Prinzip vom Lambo.

Das Grund-Layout des Mittelmotor-Sportlers sowieso. Aber nur 20 Prozent der Technik, darauf legt Audi-Chef Martin Winterkorn Wert, sind identisch. Bevor es 2008 wie im 520 PS starken Gallardo einen V10 für den R8 geben wird, müssen die 420 PS des 4,2-Liter-Benzin-Direkteinspritzers reichen. Den V8 aus dem RS4 hat Audi auf Trockensumpfschmierung umgestellt, damit er möglichst tief ins Heck versenkt werden konnte und den Schwerpunkt niedrig hält.

Während Audi für seinen R8 also die Basis des Gallardo nimmt, umrüstet und in allen Details auf die Audi-Kennlinien umprogrammiert, zapft der 490-PS-Ferrari die Gestione Sportiva an, die hauseigene Formel 1-Abteilung. Die sorgt mit ihrem Know-how zum Beispiel für Gangwechsel in 150 Millisekunden. Eines wird schnell klar: Beide Sportwagen sind High-Tech- und Elektronik-Wunder, der F430 mit Launch-Control für einen spektakulären Formel 1-Start und fünf einstellbaren Fahrprogrammen noch mehr. Dafür ist er allerdings fast 50 Prozent teurer als Audis Topsportler.

Runde vier: Sei immer schnell auf den Beinen. Der R8 ist eine Sensation, keine Frage. Denn statt, wie die anderen Audi- Modelle, politisch korrekt bei 250 km/h abzuriegeln, darf er frei bis zum Spitzentempo 301 auslaufen. Ferrari war da schon immer unverklemmter, 316 km/h sind für den F430 eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich nimmt er dem Audi im nur 3,9 Sekunden dauernden Sprint auf 100 km/h exakt 0,7 Sekunden ab. Beim Audi müssen wir uns noch auf die Werksangaben verlassen.

Testen oder überhaupt Selbstfahren ist vor der Fahrpräsentation nächstes Jahr noch nicht erlaubt. Aber selbst auf dem Beifahrersitz spürt man, was der R8 drauf hat: eine Menge. Wie der Ferrari federt er für einen Sportwagen relativ komfortabel und wirkt kein bisschen nervös. Aber er lenkt sehr schnell ein, bremst brachial, hängt direkt am Gas und hat ständig Grip, wobei maximal 35 Prozent der Antriebskraft nach vorne und maximal 100 Prozent nach hinten gesteuert werden.

Auch in schnellen, engen Kurven hält er sauber die Spur und verliert auf Anhieb nur den Soundcheck gegen den röchelnden und brüllenden F430. Wie der Audi TT mit Direktschaltgetriebe kann der R8, für den es kein DSG gibt, beim Beschleunigen direkt vom sechsten in den zweiten Gang zurückschalten. Gut so. Runde fünf, die letzte: Erweise deinem Gegner stets Respekt. Ein Ferrari ist ein Ferrari. Punkt. Irgendwie eine Welt für sich, von heftigem Charakter, eigenwillig, unverwechselbar. Zwei Jahre Wartezeit sind dafür okay.

Der R8, von dem nur 15 Stück pro Tag in der Manufaktur- Halle 14b des Neckarsulmer Werks gebaut werden, ist ein Audi. Von außen. Von innen, mit dem vertrauten Cockpit- Look. Vom Fahrgefühl her. Doch zum ersten Mal in der Firmengeschichte wird Audi in einem Atemzug mit Ferrari und Lamborghini genannt.

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Technische Daten
Ferrari F 430 4.3 V8
Grundpreis 169.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4512 x 1923 x 1214 mm
KofferraumvolumenVDA 250 l
Hubraum / Motor 4308 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 360 kW / 490 PS bei 8500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 316 km/h
0-100 km/h 3,9 s
Verbrauch 18,3 l/100 km
Testverbrauch 18,4 l/100 km
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