Audi RS3 im Fahrbericht

Kompaktsportler mit 340 PS-Fünfzylinder

Audi RS3 Foto: Audi 24 Bilder

Mit dem Audi RS3 Sportback hat Audi ein neues Suchtmittel im Programm, das mit seinen 340 Fünfzylinder-PS die Erfolgsstory der RS-Modelle fortsetzt. Erster Fahreindruck des potenten Ingolstädters.

Genussvoll dirigiert der Fuß das Gaspedal des Audi RS3 und damit das Spiel der Drosselklappen und Ventile, immer wieder zuckt die Drehzahlnadel gierig in die Tourenhöhen – nur mit dem Losfahren hat es der Pilot nicht so eilig. Wir sind ja nicht auf der Flucht, sondern im nagelneuen Audi RS3.

Und wer sich hier nicht die Muße gönnt, den rattenscharfen, weil gezielt disharmonischen Fünfzylinder-Sound auf sich wirken zu lassen, hält Quattro für einen Pizzabelag. Das kantige Brabbeln und Gurgeln kommt so lässig schmutzig daher wie der ölverschmierte Overall eines Rennmechanikers und aktiviert unvermeidbar das kopfinterne Youtube. Suchbegriffe: Audi, Rallye, Gruppe B. Und schon fegt Walter Röhrl im Sport Quattro mit ekstatisch brüllendem Turbomotor durch das Großhirn. Wild tanzen seine Füße über die Pedale, um den störrischen Untersteuerer mit Linksbremsen Drift-Mores zu lehren. 

Audi RS3 wirft 340 PS und Allrad in die Waagschale

Stopp! Und man ist heilfroh, im Jahr 2011 zu sein. Über 30 Jahre Quattro-Entwicklung haben viel verbessert. Lassen wir also den jüngsten Audi RS3 mit seinen 340 PS von der Leine: Kraft seiner immensen Traktion fegt der 25 Millimeter tiefergelegte Sportback auf seinen serienmäßigen 19-Zoll-Gummis fast schlupffrei davon. 

Untermalt vom unaufhörlich das Trommelfell kitzelnden Zündungsfeuer des Reihen-Fünfzylinders, steuert der Audi RS3 straff, aber nicht hoppelig auf die erste Kurve zu. Lenkt zackig ein, ankert sich auf dem Kurvenumfang fest und vergisst zwischendurch, dass dem bürgerlichen A3 an dieser Stelle dringend nach Untersteuern wäre. 

Vorne breitere Reifen als hinten

Für diese Neutralität stellt Audi beim RS3 auch einfach mal übliche Bereifungsdimensionen auf den Kopf: vorne breitere Pneus als hinten, um das Gripniveau der Vorderachse zu stärken. Klar schiebt er dann trotzdem, irgendwann, spät und sanft über die Vorderräder, aber bis dahin hat man verdammt viel Spaß gehabt und die feinfühlige, sehr präzise elektromechanische Lenkung des Audi RS3 gespürt sowie das ziemlich konsequente Anbremsen der vergrößerten Bremsanlage (vorne 37, hinten 31 Zentimeter Durchmesser).

Audi RS3 mit spürbarem Turboloch

Aber noch viel mehr den immensen Beschleunigungsdruck, der diesen permanenten Allrad-Typ per serienmäßiges Launch-Programm in versprochenen 4,6 Sekunden auf 100 km/h wuchtet. Kompaktsportler? Ha, der Audi RS3 hätte in den Achtzigern noch die Porsche Turbo gescheucht. Die Zutaten sind keine neuen, nur frisch gemixt. Der hochverdichtete Fünfzylinder brabbelt schon im TT-RS, mit exakt der gleichen Leistung, die 1,2 bar Ladedruck aus 2.480 cm3 pressen. Bereits ab 1.600 Touren liegt das volle Drehmoment von 450 Newtonmetern an. Die Faszination kommt von der bis 5.300/min breit anliegenden Kraft.

Was die Ansprache angeht, folgt auf das Klacken des Gaspedals gegen das Bodenblech ein spürbares Luftholen des Laders. Selbst im schärferen S-Modus, wenn die Auspuffklappen des Audi RS3 dauerhaft offen stehen. Dann brummt die Kompaktrakete im Teillastbereich konstant wie eine Tuba auf der niedrigsten Oktave. 

Audi RS3 tritt gegen das BMW 1er M Coupé an

Man darf auf das kommende Duell des Audi RS3 gegen die M-Version des BMW 1er gespannt sein, der sich exakt die gleiche Leistung aus seinem mit 0,6 bar moderater aufgeladenen Dreiliter-Sechszylinder zieht. Vor allem, weil dieser auf reinen Heckantrieb setzt. Der RS Nummer 3 ist dagegen erst einmal eher ein Fronttriebler, bei dem eine Haldex-Kupplung der vierten Generation bei Schlupfproblemen die Hinterräder mitschieben lässt.

Bot Haldex 3 dabei noch eine Gedenksekunde, regelt die elektronisch gesteuerte Hydraulik im Audi RS3 den Lamellengriff inzwischen dank Druckspeicher extrem schnell. Auf trockener Straße driftet der RS3 aber selbst unter Zwang nur widerwillig, während er auf Schnee traumhaft über die Hinterräder schiebt.

Audi RS3 ermöglicht muntere Drifts bei ausgeschaltetem ESP

Chirurgisch genau lässt sich im Audi RS3 dann der Heckwinkel mit dem Gaspedal einstellen. Wobei das ESP in Normaleinstellung hier früh und vorbildlich sicher einen Riegel vorschiebt. Erst in der Sport-Stufe darf man sich über ausladendere Heckbewegungen freuen. Zwischendurch kann über die Paddel am Lenkrad munter manuell geschaltet werden, wobei das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe des Audi RS3 die Sache auch automatisch – mit Zwischengas – hervorragend, weil schnell und passend erledigt. 

Eines hat der RS3 seinen großen Brüdern 5 und 6 noch voraus: Er ist mit unter 1,6 Tonnen nicht so übergewichtig. Der Motor wiegt nur 183 Kilogramm, und die breiten vorderen Kotflügelbacken sind aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Im Innern des Audi RS3 bleiben die Änderungen dezent: ein unten abgeflachtes Sportlenkrad, optionale Schalen-Sportsitze und etwas S-Chichi. 49.900 Euro sind eine sinnliche Investition, schon des Kult-Sounds wegen. Ab April steht die Versuchung beim Händler. 

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Technische Daten
Audi RS3 Sportback
Grundpreis 49.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4302 x 1794 x 1402 mm
KofferraumvolumenVDA 302 bis 1032 l
Hubraum / Motor 2480 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 250 kW / 340 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,1 l/100 km
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