Audi RS6 im Fahrbericht

Bürgermeister im Rennanzug

450 PS, V8-Biturbo-Motor, 4,2 Liter Hubraum, 560 Nm Drehmoment, von Null auf Tempo 100 in 4,7 Sekunden. Noch Fragen? Ach so, ja, es ist ein einfacher Audi, genauer ein Audi A6 im Renndress.

Der bei der Audi-Tochter Cosworth gefertigte Achtzylinder-Biturbo mit 311 kW (450 PS) und einem maximalen Drehmoment von 560 Nm macht aus dem gutbürgerlichen Mittelklasse-Auto A6 einen ernstzunehmenden Sportwagen. Der V8 katapultiert den RS6 nach Werksangaben in 4,7 Sekunden auf die magische 100 km/h-Marke, in 17,6 Sekunden soll Tempo 200 fallen, bei rund 190 km/h verschaffen sich laute und nervige Windgeräusche Gehör (Avant schon bei Tempo 130) und bei 250 km/h regelt die Elektronik den permanent allradgetriebenen RS6 ab. Naja, nicht ganz genau bei Tempo 250 – auf unserer Testfahrt blieb die Tachonadel erst bei 280 km/h stehen. Und auch schon in den „normalen“ Tempobereichen lohnt es sich den bis 310 km/h ausgelegten Tacho regelmäßig im Auge zu behalten, sonst ist der Lappen relativ schnell weg.

Ohr an Hirn: „Rrroaaarrrr“

Die unbändige Kraft des Achtzylinders in Kombination mit dem weiter entwickelten Fünfgang-Automatikgetriebe tiptronic aus dem Audi A8 6.0 verführt zur forschen Fahrt – Stopp! Verlassen wir hier die gewohnte Diktion. Was passiert also wirklich beim Tritt aufs Gaspedal? Ohr an Hirn: „Rrroaaarrrr“, Bauch an Hirn: „Mmmpf“, Hirn an Hirn: „Boah!!!Jaaaaaaaaa!!!“ Im Klartext: Der RS6 spurtet aus dem unteren Drehzahlbereich leise brummend und kompromisslos nach vorne – so wie es sich für einen V8 gehört – drückt den Fahrer sanft, aber bestimmt in die serienmäßigen Ledersitze und gibt ihm das Gefühl von Macht und Überlegenheit.

„Du kannst, wenn du es willst“

Wer weniger seine Potenz zu Schau stellen möchte, dem scheint der Audi RS6 ständig ins Ohr zu flüstern: „Du kannst, wenn Du es nur willst!“ Und dem Willen sind auch in punkto Schalten kaum Grenzen gesetzt. Der D-Modus eignet sich sowohl zum Cruisen, als auch zum Rasen, der S-Modus hingegen dreht die Gänge noch höher aus und reagiert schon beim leichten Druck aufs Gaspedal mit konsequentem Zurückschalten. Nach Audi-Angaben werden auch in diesem Programm die Schaltpunkte adaptiv dem Fahrerwunsch angepasst. Die Tiptronic wählt bei sportlicher Kurvenfahrt je nach Querbeschleunigung ein Unterprogramm, das die Schaltpunkte noch später setzt. „So werden die Gänge maximal ausgedreht und dabei unerwünschte Schaltvorgänge in Kurven und damit Zugkraftunterbrechungen vermieden“, heißt es bei Audi. Will heißen: Kurvenfahrten machen riesigen Spaß.

Das Auto übernimmt das Kommando

Der Audi RS6 geht wie auf Schienen, der Motor hängt gut am Gas und die Lenkung arbeitet präzise. Lediglich ein leichtes Untersteuern ist bemerkbar. Wer lieber selbst Hand anlegt, kann die Fahrstufen herkömmlich per Schalthebel in der Mittelkonsole oder via Schaltwippen (auch im D- und S-Modus aktiv) am Lenkrad wählen. Erst bei Erreichen der Drehzahlgrenze übernimmt das Auto wieder das Kommando und schaltet in den nächsten höheren Gang.

Verneigung vor der Straße

Damit der Souverän, wie Audi den RS6 nennt, nicht seinen angestammten Platz verlässt, kommt erstmals das Fahrwerkskonzept Dynamic Ride Control (DRC) zum Einsatz. Ohne Elektronikeinsatz und ohne Zeitverzögerung wirkt das Dämpfersystem über zwei separate Ölleitungen mit je einem Zentralventil Wank- und Nickbewegungen entgegen. „Bedingt durch die jeweilige Fahrsituation werden Ölbewegungen in den Leitungen induziert. Dadurch werden über eine Drossel und das Sickstoff-gefüllte Ausgleichsvolumen in den beiden Zentralventilen zusätzliche Dämpferkräfte aktiviert“, erklärt Stephan Reil, Technischer Leiter der quattro Gmbh. Federt der Audi hingegen gleichseitig ein, bleibt die ursprüngliche Dämpfung aktiv. Bei strammer Kurvenfahrt eliminiert das DRC die Wankbewegungen nahezu vollständig.

ABS, EBV, ESP und ASP – Okay?

Natürlich hält Audi noch weitere dreibuchstabige Fahrdynamikhelferlein bereit: EPS fehlt ebenso wenig wie ABS mit EBV (Elektronische Bremskraftverteilung), EDS (Elektronische Differenzialsperre mit Bremseneingriff), ASR (Antriebs-Schlupfregelung), MSR (Motor-Schleppmoment-Regelung) und ein Giermomentregler. Die serienmäßige Sicherheitsausstattung sieht unter anderem Airbags für Fahrer und Beifahrer, Seitenairbags vorne und das Audi Kopf-Airbagsystem „Sideguard“ vor.

Reifen an Auto: Mehr Luft

Äußerlich glänzt der Audi durch Understatement. Serienmäßig steht der A6-Bolide auf 18-Zoll-Alu-Gussrädern im Neun-Speichen-Design mit Reifen der Dimension 255/40 R 18 – inklusive Reifendruck-Kontrollsystem. Es geht auch eine Nummer größer: 19-Zöller im Fünf-Speichen-Design mit 255/35 R 19-Reifen gibt es auf Wunsch und gegen 1.600 Euro Aufpreis.

Audi RS6: Nur für gut gefüllte Brieftaschen

Keine Frage: RS6-Fahren machte richtig Spaß, und dieser Spaß ist nicht ganz billig. Audi verlangt für die Limousine 86.500 Euro, der Kombi kostet 2.100 Euro Zuschlag. Dafür gibt es aber die Fahrleistungen eines Sportwagens und eine nahezu komplette Serienausstattung: Recaro-Ledersportsitzen, Klimaautomatik, Bordcomputer, Audioanlage mit Bose-Soundsystem, Parkassistent APS und Xenon-Scheinwerfer.

Technische Daten
Audi RS 6
Grundpreis 87.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4858 x 1850 x 1425 mm
KofferraumvolumenVDA 424 l
Hubraum / Motor 4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 331 kW / 450 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 14,6 l/100 km
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