Audi S3 Cabrio im Fahrbericht (2016)

Viersitziges Allrad-Cabrio mit Turbo-Power

Audi S3 Cabriolet Foto: Audi/Tobias Sagmeister 32 Bilder

Verstecken will es sich nicht vor uns, das facegeliftete Audi S3 Cabrio: Anscheinend hat es sich fröhlich in gelbem Lack gewälzt, der sich jetzt in jeder glatten Oberfläche im Umkreis von 100 Metern wiederspiegelt. Von den umfangreichen Modellaufwertungs-Aktivitäten beim A3 ist auch einiges beim S3 Cabrio angekommen.

Dabei kamen die Designer ganz ohne Änderungen im Blech aus – nur die Kunststoffteile, wie der Grill oder die Scheinwerfer, wurden straff gezogen und passen gut ins Gesicht des kompakten Sonnenanbeters. LED-Scheinwerfer sind jetzt beim S3 Serie, aber mit Matrix-LED-Licht, das den Gegenverkehr geschickt ausblendet, findet der geneigte Kunde trotzdem noch etwas in der Aufpreisliste.

Audi S3 Cabrio: Neuheiten-Welle im Innenraum

Richtig viel Neues ist in den Innenraum geschwappt. So gehören nun ein Spurhalte-Assistent, der den Wagen in der Mitte der Spur hält, und ein Frontkollisionswarner zum Serienumfang. Optional ist der Stauassistent zu haben, der bei eingeschaltetem Spurhalte-Assistenten bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h auch das Lenken übernimmt. Allerdings muss der Fahrer der Lenkung in kurzen Abständen zu verstehen geben, dass er noch wach ist. Dafür reichen minimale Bewegungen wie das Einhaken des Daumens am Lenkrad oder das rhythmische Mittrommeln des Lieblingssongs auf dem Lenkradkranz.

In Sachen Cockpit-Technik gibt der nächstgrößere Bruder A4 den Spender: Jetzt hat auch der S3 einen großen Dreh-Drücksteller mit berührungsempfindlicher Oberfläche, über welche sich das Infotainment-System bedienen lässt. Navi-Karte, Bordcomputer oder eine anspornende Rundenzeit-Erfassung lassen sich in verschiedenen Grafiken im vor dem Lenkrad sitzenden Hauptbildschirm anzeigen. Der zweite Infotainment-Bildschirm fährt beim Motorstart nach wie vor ergonomisch günstig am oberen Ende der Mittelkonsole aus dem Armaturenträger.

Audi S3 Cabriolet
Offen für Sport 1:08 Min.
Audi S3 Cabriolet Foto: Audi/Tobias Sagmeister
Optisch erfrischt, elektronisch aufgepeppt und um 10 PS angereichert: Wir nehmen uns das facegeliftete Audi S3 Cabrio vor.

Audi S3 Cabrio: Frischluft unbrutal dosiert

Die Sitze stecken vorne wie hinten unter fein verarbeitetem Leder – nach wie vor macht Audi in Sachen Innenraum-Verarbeitung keiner etwas vor. Seitenhalt gibt das Gestühl für Beine und Rücken, ohne seine Besetzer brutal einzuklemmen. Diese Sitze fühlen sich nach entspannter langer Reise an. Das Dach lässt sich bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h unaufgeregt öffnen und schließen. Zumal selbst im Hardcore-Cabrio-Modus ohne Windschott und mit heruntergelassenen Seitenscheiben erst ab zirka 130 km/h den Insassen heftigerer Wind um die Ohren pfeift – bei niedrigeren Geschwindigkeiten umkräuselt Frischluft die Köpfe von Pilot und Copilot nur ganz sanft.

Audi S3 Cabriolet Foto: Audi/Tobias Sagmeister
Das Dach des Audi S3 Cabrio lässt sich bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h öffnen und schließen.

Vom Fahrwerk alles Gute

Am Fahrwerk des S3 hat Audi kaum etwas verändert. Das musste auch nicht sein, schließlich war der S3 schon bisher ein agiler Wirbelwind. Es fehlt an brutaler Härte, die niemand, der sich bewusst für einen S3 entscheidet, vermissen wird. So geht es selbst in der Drive-Select-Einstellung „Sport“ komfortabel über Gullydeckel und vom Frost gefressene Löcher, während auch in der ambitioniert genommenen Kurve nur minimal gewankt wird. Mit der S3-Lenkung bekommt der Fahrer ein gutes Werkzeug in die Hand, um seinem Cabrio präzise die Richtung vorzugeben. Nach unserem Geschmack könnte das Lenksystem aber noch einen Klacks mehr Widerstand und Direktheit vertragen.

Dank serienmäßigem Allradantrieb kennt das S3 Cabrio auch bei wütend heruntergetretenem Gaspedal keine Traktionsverluste. Bei zu wilder Gangart schiebt es gutmütig über alle vier Räder und lässt sich leicht abfangen. Den jüngst im A4 vorgestellten, permanent verfügbaren, Allradantrieb „Quattro Ultra“, der zum Energiesparen die Hinterachse und diese dann auch noch von der Kardanwelle abkoppelt, wird es in der A3-Baureihe nicht geben. Zum einen ist quattro ultra bisher nur für längs eingebaute Motoren konzipiert, zum anderen setzt man in Wolfsburg beim Golf nach wie vor auf das Allradsystem, das VW zusammen mit dem schwedischen Zulieferer Haldex entwickelt hat. Und der Golf ist nun mal mit dem A3 recht eng verwandt.

Audi S3 Cabriolet Foto: Audi/Tobias Sagmeister
Von den umfangreichen Modellaufwertungs-Aktivitäten beim A3 ist auch einiges beim S3 Cabrio angekommen.

Zehn Mehr-PS für den Audi S3: Trotzdem danke

Als Kraftwerk sitzt beim S3 Cabrio nach wie vor ein 2,0-Liter-Turbo unter der Fronthaube. Aber die Ingenieure nehmen Rücksicht auf die Psyche der Kundschaft: Dank Feintuning an Motor und Steuerung darf der Vierzylinder jetzt zehn Zusatz-PS und 20 Newtonmeter mehr Drehmoment auf die Kurbelwelle werfen. Braucht man das? Nein. Spürt man das? Nein. Ist das trotzdem gut? Ja. So leistet das Triebwerk jetzt 310 PS und generiert glatte 400 Newtonmeter. Aus dem Stand hechtet das kompakte Cabrio in 5,1 Sekunden, maximal sind 250 km/h drin.

Die Strafe dafür fällt auf dem Prüfstand mit im Schnitt 6,7 Liter Super pro 100 Kilometer recht milde aus. Da das Doppelkupplungsgetriebe S-tronic im S3 jetzt sieben statt sechs Gänge hat, ist der Verbrauch trotz Mehrleistung um 0,4 Liter gesunken. Zudem hilft der Endrohr-Sound zusätzlich über eine eventuelle Zapfsäulen-Reue hinweg: Während der Vierzylinder-Motor es bei sonorem Knurren belässt, bullern die vier Endrohre munter drauflos. Die Schaltvorgänge werden mit ausdrucksvollem Ploppen betont und ab und zu scheint eine Metallsäge am Heck des Wagens die ganz großen Späne zu raspeln. Das passt dann zu dem ansonsten sehr kultivierten Auftritt des S3 wie der Rülpser ins feine Restaurant – und genau wie dort, zaubert es den Insassen das eine oder andere versteckte Lächeln ins Gesicht.

Fazit

Fazit

Da, wo Audi beim S3 Cabrio nachlegen konnte, hat Audi es getan: Mehr Assistenten, bessere Bedienbarkeit, modernisierte Konnektivität und einen Gang mehr im Getriebe. Die zehn Zusatz-PS gehen als „Wir-haben-auch-den-Motor-angefasst“-Zeichen durch und der Rest war ohnehin schon deutlich mehr als nur okay. Ab Mitte Juli 2016 wird ausgeliefert, die Preise beginnen bei 50.700 Euro.

Zur Startseite
Technische Daten
Audi S3 Cabriolet 2.0 TFSI Quattro
Grundpreis 50.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4434 x 1793 x 1388 mm
KofferraumvolumenVDA 285 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 228 kW / 310 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 7,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
Mittelklasse Audi SQ5, Mercedes-AMG GLC 43, Exterieur Audi SQ5 gg. Mercedes-AMG GLC 43 Sportliche Mittelklasse-SUV im Test VW Passat Variant, Gebrauchtwagen-Check, asv2317 VW Passat Variant im Gebrauchtwagen-Check Auch als Gebrauchtwagen ein Publikumsliebling?
SUV Jeep Gladiator Rubicon 2020 Fahrbericht Jeep Gladiator (2020) im Fahrbericht So fährt der neue Jeep-Pickup LUMMA CLR G770 Mercedes G-Klasse Lumma CLR G770 Breitbau für die Mercedes G-Klasse
promobil
Knaus Boxlife 630 ME Knaus Boxlife 630 ME (2019) Wandelbarer Campingbus mit Bad Außendekorfolie erneuern Tipps zur Optimierung des Reisemobils Optische Aufwertung durch Außendekorfolien
Anzeige
Alle Automarken von A-Z
Markenbaum Sideteaser Erlkönige, Neuvorstellungen und Tests von allen Marken