Audi S3

Sport kompakt

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Schick, cool und muskulös bewirbt sich der 265 PS starke Audi S3 turbopfeifend und allradgetrieben um die Rolle des Top-Kompakten. Dabei hat Audi die fein austarierte, laderverleugnende Homogenität des 200 PS starken Zweiliter-Basismotors über Bord gekippt.

Natürlich gibt es ihn auch in anderen Farben als Ibisweiß. Etwa im S3-exklusiven Glutorange. Aber ob dessen gnadenlose Poppigkeit ankommen wird, muss sich erst noch weisen. Da bleibt das erste Auto für den Fahrbericht auf der sicheren Seite: trendig wie ein iPod und sogar aufpreisfrei. Wobei Letzteres der avisierten Klientel des 35 150 Euro teuren Kompakten – um die 38 Jahre alt, männlich, solvent – wohl egal sein dürfte. Zumal Audi die S3-Fangemeinde seit der Einstellung des Vormodells im Jahr 2003 hat schmoren lassen.

Sicher, der A3 3.2 Quattro gibt mit seinem 250-PS-V6 einen prima Gran Turismo ab, gern auch in Grünmetallic mit cremefarbenem Leder und Holzdekor oder gleich als familientauglicher Sportback. Ein richtiger Kracher ist er aber nicht – ebensowenig wie der 200 PS starke, konsequent ausgewogene TFSI, bei dem das Pendel deutlich stärker zu Sinn als zu Sinnlichkeit tendiert.

Doch nun übernimmt der S3 endlich wieder die Rolle des automobilen Schlitzohrs, des frechen Turbo-Schlingels, der in jede Kurvenkombination stechen muss und Geraden vorzugsweise auf seiner mächtigen Drehmomentwelle abreitet.

Ausschließlich zweitürig, rangiert er preislich etwas oberhalb von BMW 130i und VW Golf R32, zwinkert der Konkurrenz lässig aus seinen serienmäßigen Xenon-Scheinwerfern zu, pfeift mit dem Lader. Und bevor die Sechszylinder- Fangemeinde aufschreien kann: Ja, ein Sechszylinder klingt besser.

Ja, ein Sechszylinder läuft sämiger. Nein, die Sechszylinder schieben nicht so wild wie der S3 im Zenit seines Ladedrucks. Das kann der Audi besser. Bei wenig Gas noch harmlos brummend vor sich hin schnuffelnd, wird der TFSI beim harten Tritt aufs Pedal zum Ohrenlangzieher. Holt erst für einen langen Moment Luft, bläst ab 2500/min hörbar an, bevor sein Lader ab 3000 Touren zuschlägt, der S3 nach vorn schnippt – zur Not bis zum Drehzahlbegrenzer bei 7000/min, bevor die Schmetterlinge im Bauch im nächsten Gang durchstarten.

Denn beim zackigen Durchschalten im etwas knorpeligen Sechsganggetriebe spart man sich das zähe Vorspiel im Turboloch und surft gleich wieder ganz oben auf der Drehmomentwelle, deren Maximum bis 5000/min branden soll. Ganz klar, Audi hat beim S3 die fein austarierte, laderverleugnende Homogenität des 200 PS starken Zweiliter- Basismotors über Bord gekippt und dem turbogeladenen Direkteinspritzer klassisch Leistung verpasst.

Nichts mit neuzeitlichem Chiptuning, hier ein bisschen am Kennfeld basteln, da ein wenig Bit-Jonglage – der sportlichste A3 setzt auf die alte Schule. Ein größerer Lader, um 0,3 auf 1,2 bar gesteigerter maximaler Ladedruck, größere Einspritzventile und ein modifizierter Ladeluftkühler pressen dem Zweiliter 265 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment ab. Kolben mit stärkeren Bolzen und anderen Ringen, verstärkte, neu gelagerte Pleuel sowie ein verstärkter Zylinderblock mit neu legiertem Kopf kümmern sich um die Haltbarkeit.

Nebenbei entzieht der in die Brennräume injizierte Kraftstoff diesen beim Verdampfen Wärme, was die Klopfneigung reduziert und eine relativ hohe Verdichtung von 9,8:1 ermöglicht. Apropos Verdichtung: Unter dieser Prämisse erobert der S3 die Straßen. Er zieht sie durch, verkürzt die Geraden, komprimiert die Kurven. Schon beim Anbremsen offenbart die bissige Bremse, dass die Sportbeläge nicht nur im Prospekt stehen.

Daneben erzählt die feinfühlige elektromechanische Lenkung dem Piloten alles Wesentliche über den Fahrbahnzustand, während sich die Servounterstützung unauffällig dem Tempo anpasst. Das hilft ebenso beim Anpeilen von Kurven wie das weitgehend neutrale, erst spät ins Untersteuern wechselnde Handling des S3.

Dank Allradantrieb bleiben selbst in engen Ecken weder nennenswert Gummi noch Sekunden auf der Strecke. Der Quattro verteilt die Kraft über eine elektronisch gesteuerte, hydraulisch betätigte Lamellenkupplung – wegen der besseren Gewichtsverteilung am Ende der Kardanwelle vor dem Hinterachsdifferenzial platziert.

Sie verteilt das Antriebsmoment situationsbedingt stufenlos an beide Achsen, im Extremfall komplett an eine. Davon spürt der Pilot wenig, außer dass es selbst unter widrigen Bedingungen gnadenlos vorwärtsgeht und weder elektronische Schlupfregelung noch Stabilitätsprogramm allzu oft eingreifen.

Wenn nötig, regelt das ESP angemessen spät, sicher und sanft. Überraschend zuvorkommend geht das Fahrwerk, für den S3 mit Aluminium- Komponenten gewichtsreduziert und mit modifizierten Vorderachslagern versteift, mit den Insassen um. Trotz einer strafferen Abstimmung von Federn und Dämpfern sowie einer um 25 Millimeter tiefergelegten Karosserie absorbiert der Audi sogar Kanaldeckel oder Querfugen, ohne zu bocken. S3- Fahrer können damit getrost ungepflegte Kreisstraßen x-ter Ordnung auf ihren Streckenplan setzen.

Ebenso wie die Autobahn, wo man entweder gemeinsam mit der übrigen Tempo-Hautevolee den Frust über die 250-km/h-Kasteiung teilen oder aber gelassen Kilometer machen kann. Hier offenbart sich endgültig die S-Philosophie, die auf allzu konsequent durchgezogene Sportlichkeit verzichtet.

Weder ein brüllender Motor noch ein rüpelndes Fahrwerk trüben den Auftritt des S3, der neben der bekannt soliden Verarbeitung serienmäßig unter anderem Zweizonen-Klimaautomatik und Sportsitze mitbringt. Stilbildend sind zudem die optionalen klappbaren Schalensitze, deren Seitenhalt den erschwerten Einstieg vergessen lässt, sowie das griffige, unten abgeflachte Sportlenkrad: nicht zu spirrelig, nicht zu wurstig. Doppelkupplungsgetriebe und elektronisch geregelte Stoßdämpfer fehlen allerdings in der Aufpreisliste des ab 31. August erhältlichen S3. Noch.

Technische Daten
Audi S3 2.0 TFSI Quattro
Grundpreis 36.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4214 x 1765 x 1399 mm
KofferraumvolumenVDA 281 bis 1031 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 9,1 l/100 km
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